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"Viele Tausend Lehrstellen konnten nicht besetzt werden"

IHKs verzeichnen 9,6 Prozent weniger Ausbildungsverträge

(04.12.2009) Demografie und Wirtschaftskrise hinterlassen auch auf dem Lehrstellenmarkt Spuren: Bis Ende November registrierten die Industrie- und Handelskammern (IHKs) 9,6 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge als im Vorjahreszeitraum.

Hans Heinrich Driftmann Hauptursache ist nicht die mangelnde Ausbildungsbereitschaft der Betriebe in der Krise. "Das zeigen die Nachvermittlungen der IHKs", erklärte Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), dem "Handelsblatt". "Dort kamen im Schnitt auf einen Suchenden noch 2,6 Ausbildungsangebote – und damit trotz Krise mehr als im Vorjahr."

Dennoch hätten viele Tausend Lehrstellen nicht besetzt werden können, so Driftmann. Hauptgrund waren die rückläufigen Schülerzahlen. Zudem hat die Wirtschaftskrise nach Einschätzung des DIHK dazu geführt, dass sich mehr Schulabgänger nicht für eine berufliche Ausbildung, sondern für ein Studium oder einen anderen Bildungsweg entschieden.

"Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren dramatisch fortsetzen. Den Betrieben droht damit erheblicher Fachkräftemangel", warnte Driftmann.

Umso schlimmer ist es aus Sicht der Wirtschaft, dass immer noch Jahr für Jahr 65.000 oder acht Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss verlassen. Sie hätten kaum eine Chance auf einen Ausbildungsplatz, sagte der DIHK-Präsident.

Insgesamt zählten die IHKs bis zum 30. November 332.425 Neuverträge, das waren 35.404 weniger als im Vorjahr. In Westdeutschland beträgt der Rückgang 8,5 Prozent; in Ostdeutschland verringerten sich die Vertragszahlen sogar um 14,1 Prozent.

In den neuen Bundesländern ist das Minus vor allem auf die gegenüber 2008 um 15,5 Prozent gesunkene Zahl von Schulabgängern zurückzuführen. Doch auch im Westen wirken sich die rückläufigen Schulabgängerzahlen immer stärker aus – vor allem die Entwicklung bei den Haupt- und Realschulen, die 3,9 Prozent weniger Schüler entließen als im Vorjahr.

Wie lohnend die Anstrengungen der Paktpartner waren, zeigt ein Vergleich mit 2003, dem letzten Jahr vor dem Ausbildungspakt. So wurden 2009 insgesamt 7,9 Prozent mehr Lehrverträge registriert als 2003, während gleichzeitig die Zahl der Schulabgänger um 5 Prozent sank (alte Bundesländer: plus 5,2 Prozent; neue Bundesländer: minus 37,8 Prozent).

Insgesamt konnten bis Ende November 26.300 Betriebe neu für die Berufsausbildung gewonnen werden. Damit warben die IHKs bis Ende November rund 35.000 neue Ausbildungsplätze im Sinne des Ausbildungspaktes ein. Darüber hinaus liegen den IHKs gut 20.700 Angebote für eine Einstiegsqualifizierung vor. Davon waren Ende November knapp 9.500 Plätze besetzt.

Vor dem Hintergrund, dass die Ausbildungsreife der Lehrstellenbewerber der Schlüssel für die Sicherung des Fachkräftenachwuchses der Wirtschaft ist, haben die in der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand kooperierenden neun Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft den dringlichsten bildungspolitischen Handlungsbedarf in Elternhaus, Kindergarten und Schule zusammengefasst:

Positionspapier Ausbildungsreife (PDF, 28 KB)

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