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"Wir erleben fast ein Jobwunder"

Wansleben-Interview in der "Passauer Neuen Presse"

(17.06.2010) Mit einem Abbau der Kurzarbeit und 100.000 neuen Stellen bis zum Jahresende rechnet Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

DIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Wansleben Hier das Interview mit der "Passauer Neuen Presse" im Wortlaut:

"Passauer Neue Presse": Die Unternehmen wollen die Kurzarbeit drastisch zurückfahren. Ist die Konjunktur-Krise überwunden?

Martin Wansleben: Die Wirtschaft arbeitet sich mit großen Schritten aus der Krise. Aus Kurzarbeit wird vielfach wieder Vollzeitbeschäftigung und immer mehr Unternehmen stellen sogar neues Personal ein. Der Arbeitsplatzabbau ist also nicht nur gestoppt, es wird nach unserer Prognose in diesem Jahr sogar ein Plus von 100.000 Erwerbstätigen geben.

Neueinstellungen gibt es vor allem in den Branchen IT-Dienstleister, Gesundheitswirtschaft, Luftverkehr und Chemieindustrie. Wir erleben fast schon ein Jobwunder!

"Passauer Neue Presse": Die Bundesregierung will die Zahl der Schulabbrecher senken und Problemschülern Bildungslotsen zur Seite stellen. Der richtige Weg?

Wansleben: Leistungsschwächere Jugendliche brauchen individuelle Betreuung und Förderung. Die Idee, Bildungslotsen einzusetzen und Jugendliche bis ins erste Ausbildungsjahr zu begleiten, ist gut und richtig. So können Schwierigkeiten beim Übergang von der Schule in den Ausbildungsbetrieb verringert werden.

Es kommt jetzt auf eine praxisgerechte Ausgestaltung des Programms und eine kluge Abstimmung mit bereits bestehenden Initiativen an. Bisher ist die Initiative jedoch erst in Umrissen erkennbar. Ganz wichtig ist dabei, dass Bund und Länder konstruktiv zusammenarbeiten.

"Passauer Neue Presse": Fehlen den Betrieben nicht bereits in diesem Jahr Lehrlinge?

Wansleben: Ja, die Demografie ist auf dem Ausbildungsmarkt voll angekommen. Selbst im Krisenjahr 2009 konnte jeder fünfte Betrieb nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Allein im IHK-Bereich blieben damit rund 50.000 Lehrstellen frei. 2010 werden im Zweifel eher noch mehr Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.

"Passauer Neue Presse"  vom 17. Juni 2010,
www.pnp.de

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