BASF Aktiengesellschaft
Der BASF Ausbildungsverbund – eine Initiative zur Verbesserung des Übergangs von Ausbildung in Beschäftigung
Anlass für die Initiative (Problemstellung)
Die BASF Aktiengesellschaft bildet seit vielen Jahren aus gesellschaftlicher und sozialer Verantwortung deutlich über Bedarf aus. Insbesondere durch die hohe Anzahl der Über-Bedarf-Ausgebildeten gestaltete sich der Übergang in Beschäftigung für diese schwierig. Auch für die BASF AG bereitete dies beträchtlichen Probleme, da die betrieblichen Ausbildungsplätze in hohem Maße überlastet waren.
Deshalb entwickelte die BASF AG das Konzept des BASF Ausbildungsverbunds. Dieser ermöglichte, die bisherige Überbedarfsausbildung in eine Bedarfsausbildung für die Ausbildungsverbundpartner umzuwandeln, auf ein bedarfsorientiertes Ausbildungsplatzangebot umzustellen und die Gesamtzahl der angebotenen Ausbildungsplätze beträchtlich erhöhen zu können.
Träger des BASF Ausbildungsverbundes ist die BASF Jobmarkt GmbH, eine hundertprozentige Tochter der BASF AG. Sie organisiert in Zusammenarbeit und für Rechnung der Zentralen Ausbildung der BASF AG den Ausbildungsverbund. Die grundlegenden Ausbildungsleistungen werden von der Zentralen Ausbildung der BASF AG erbracht.
Zielgruppe und spezielle Zielsetzung
Zielgruppe sind Ausbildungsbewerber der Region.
Ziele sind:
- Erhaltung der Ausbildungsplätze in der Region und Gewinnung neuer Ausbildungsbetriebe
- Sicherung des regionalen Fachkräftebedarfs in der Region
- Weniger Jugendarbeitslosigkeit durch frühzeitige Integration der Auszubildenden in die Partnerbetriebe
- Hohe Qualität der Ausbildung durch Nutzung der Kompetenzen der BASF AG und der Partnerbetriebe
- Bedarfsorientierte Berufsausbildung für die BASF AG
Sicherung der Bedarfsausbildung in der BASF AG durch weiterhin adäquate Nutzung der Ausbildungsinfrastruktur und durch Erhalt und Weiterentwicklung des Ausbilder-Know-hows.
Charakteristika (Inhalt, Ablauf, Umsetzung und Dauer der Maßnahmen)
Die BASF Jobmarkt GmbH akquiriert Partnerbetriebe, die bereit sind, zusätzliche Ausbildungsplätze bereit zu stellen. Zusätzlichkeit des Ausbildungsplatzes und Eignung des Betriebs müssen von der zuständigen IHK bestätigt werden. Mit geeigneten Betrieben wird ein Kooperationsvertrag geschlossen. Anschließend rekrutiert die BASF die Bewerber, testet diese und koordiniert Bewerbergespräche in den Partnerfirmen. Grundsätzlich besteht das Ziel einer späteren Übernahme im Partnerbetrieb. Deshalb ist es wichtig, dass Partnerbetrieb und Azubi gut zueinander passen.
Die BASF Jobmarkt GmbH schließt mit den erfolgreichen Bewerbern einen Ausbildungsvertrag, in dem der Partnerbetrieb mit erwähnt ist.
Die Ausbildung findet teilweise in der Zentralen Ausbildung der BASF statt (bis etwa 20% der Netto-Ausbildungszeit). Hier werden grundlegende Inhalte der Ausbildung vermittelt. Dadurch wird auch die geforderte Breite des jeweiligen Ausbildungsberufs und die Ausbildungsqualität sichergestellt. Die Anwendung der Grundlagen in betrieblicher Praxis findet in den Partnerbetrieben statt. BASF übernimmt die gesamten Kosten der Ausbildung einschließlich der Ausbildungsvergütung. Die Partnerbetriebe zahlen lediglich einen Eigenbeitrag von 290 Euro pro Monat.
Der BASF Ausbildungsverbund hat 2004 mit der Ausbildung begonnen. Ein Endtermin ist derzeit nicht festgelegt. Besonderen Wert legt die BASF AG auf die Nachhaltigkeit der von ihr aus gesellschaftlicher und sozialer Verantwortung heraus durchgeführten Maßnahmen.
Erfahrungen bei der Umsetzung
Der BASF Ausbildungsverbund kooperiert derzeit mit etwa 800 Partnerbetrieben. Fast die Hälfte der Ausbildungsplätze konnte bei Firmen akquiriert werden, die noch nicht oder nicht mehr ausgebildet haben.
Seit dem Start im September 2004 wurden 1.320 Jugendliche im BASF Ausbildungsverbund eingestellt, davon 475 in "Start in den Beruf", einem Programm zur Erreichung der Ausbildungsreife für schwächere Hauptschüler. Der BASF Ausbildungsverbund ermöglichte, dass die Gesamtzahl der angebotenen Ausbildungsplätze (bei BASF und Verbund) erheblich gesteigert werden konnte.
Um in den regional gesuchten Berufen auszubilden, wird im BASF Ausbildungsverbund auch in Berufen ausgebildet, die BASF selbst für sich nicht benötigt, insbesondere im Handwerk.
Der bisherige Erfolg bei der Übernahme Ausgebildeter bezieht sich auf die Zeit bis zur Sommerprüfung 2007, die erste reguläre Prüfung der 3,5-jährigen Berufe fand erst im Januar 2008 statt. 86 Prozent der Ausgebildeten bekamen ein befristetes oder unbefristetes Angebot ihres Partnerbetriebs, durchschnittliche Dauer der Befristung zunächst zwölf Monate.
Die hohe Qualität der Ausbildung durch die BASF AG und die Partnerbetriebe lässt sich an den gewonnenen Auszeichnungen der Kammern (davon zwei Oscars des Handwerks) ablesen.
Welche innovative Wirkung hat Ihre Initiative für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland?
- Der Erfolg des BASF Ausbildungsverbunds führt vermehrt zu Anfragen, wie die Struktur auf andere Regionen übertragen werden kann. So entstand zum Beispiel bei einem anderen großen Chemieunternehmen ein vergleichbarer Ausbildungsverbund.
- Auch kleineren Betrieben werden erfolgreich getestete Bewerber zur Auswahl vermittelt, insgesamt entwickelte sich ein Bewerberpotenzial, das vielen Betrieben aus eigener Kraft nicht zur Verfügung stehen würde.
- Weiterentwicklung des erfolgreichen Programms "Start in den Beruf" zu "Anlauf zur Ausbildung", einer Maßnahme, die langsamer lernenden Jugendlichen zu einem erfolgreichen Berufsabschluss verhilft. Hier wird in Kooperation mit der Berufsbildenden Schule der Ausbildungsstoff in Theorie und Praxis von 3,5 auf 4,5 Jahre gestreckt, um die Teilnehmer nicht durch zu hohes Lehrtempo zu überfordern. So kann vom ersten Tag an gezielt ausgebildet werden, statt in einer eher unverbindlichen Maßnahme ein Jahr gefördert zu werden.
Hat Ihre Initiative bereits bekannte Konzeptionen optimiert, und wenn ja, in welcher Weise?
- Das von der BASF entwickelte Konzept war zum Zeitpunkt der Gründung des BASF Ausbildungsverbundes neu und noch bei keinem Verbundmodell realisiert.
- Ausgehend von der Über-Bedarf-Ausbildung schafft der BASF Ausbildungsverbund eine gute Anpassung an den tatsächlichen Bedarf regionaler Betriebe aus Industrie, Handwerk und Handel.
- Weiterentwicklung des Programms "Start in den Beruf" zu "Anlauf zur Ausbildung"
Wie ist Ihre Initiative in ein Personal- beziehungsweise Organisationsentwicklungskonzept eingebunden?
- Integration der Auszubildenden in Partnerbetriebe mit Einarbeitung in deren Arbeitsprozesse mit dem Ziel der späteren Übernahme.
- Innovative Personalentwicklung für Ausbilder, die als Akquisiteure oder Betreuungsausbilder im BASF Ausbildungsverbund nicht nur über den Tellerrand hinaus sehen, sondern auch mediative Kompetenz in der Zusammenarbeit mit den Partnerbetrieben entwickeln.
Wie trägt Ihre Initiative zur Entwicklung von Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Handlungskompetenz bei?
Durch die komplexe Struktur mit mehreren Lernorten wird die Mobilität der Azubis gefördert. Die vielfältigen Möglichkeiten der zentralen Ausbildung der BASF werden auch den Azubis kleiner Partnerfirmen zur Verfügung gestellt. Zum Beispiel eine E-Learning Plattform, insbesondere im kaufmännischen Bereich, oder selbst gesteuertes, entdeckendes Lernen der Chemikanten im Modul "SELF". Weiterhin steht den Azubis des BASF Ausbildungsverbunds ein Lernzentrum kostenlos zur Nutzung offen. Die Kooperation von Kleinbetrieben und Großbetrieb schafft zusätzliche funktionale Flexibilität und gegenseitiges Verständnis unterschiedlicher Lernkulturen sowohl bei Azubis als auch bei Ausbildern
Welche Lehr- und Lernmethoden werden in Ihrer Initiative angewendet?
Durch Bereitstellung der gut ausgerüsteten Technika und der übrigen Ausbildungseinrichtungen, sowie der hoch qualifizierten Ausbilder der BASF AG wird die stark praxisorientierte Ausbildung der meist kleineren Betriebe durch vielfältige Lehr- und Lernmethoden systematisch ergänzt.
Wie fördert die Initiative das arbeitsplatzbezogene Lernen?
Lernzeiten in der zentralen Ausbildung werden bezogen auf die BASF-interne Ausbildung ohne Qualitätsabstriche reduziert, andererseits wird die Qualität der betrieblichen, arbeitsplatzbezogenen Ausbildung in den Partnerbetrieben durch eine systematische, berufsweite Grundlagenausbildung bei der BASF sichergestellt.
Wurde Ihre Initiative vom Unternehmen selbst oder maßgeblich von Beratern entwickelt?
Die Entwicklung des BASF Ausbildungsverbunds fand komplett im Unternehmen statt und basiert in seiner Umsetzung auf der Expertise der Mitarbeiter der BASF Ausbildung
Wer ist der Kostenträger der Initiative? (gegebenenfalls externe Finanzierung aufführen)
Lediglich das Programm "Start in den Beruf" wird durch externe Mittel (Landesmittel und Zuschuss des Unterstützungsvereins der chemischen Industrie) gefördert. Eine externe Finanzierung der Ausbildung im BASF Ausbildungsverbund gibt es nicht, die BASF trägt diese Kosten allein.

