Rohstoffmangel treibt Betriebe ins Ausland
Driftmann: Zeitplan für die Energiewende ist zu ehrgeizig!
(18.01.2012) Die unsichere Energie- und Rohstoffversorgung in Deutschland lässt immer mehr hiesige Unternehmen über eine Verlagerung ihrer Aktivitäten ins Ausland nachdenken. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).
Aus dem DIHK-Unternehmensbarometer "Energie und Rohstoffe für morgen" geht hervor, dass jeder fünfte Industriebetrieb aus Furcht vor Versorgungsengpässen "Aktivitäten ins Ausland verlagert hat oder einen solchen Schritt plant", wie DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann der "Financial Times Deutschland" erklärte.
Von den mehr als 1.500 Unternehmern, die sich an der Erhebung beteiligten, betrachten 86 Prozent die steigenden Energiepreise als Top-Risiko für den Wirtschaftsstandort Deutschland; 76 Prozent der Befragten sehen das auch für die Kostenexplosion bei den Rohstoffen.
Zugleich befürchten 58 Prozent der Betriebe, dass Stromausfälle beziehungsweise Spannungsschwankungen zunehmen. "Die Angst vor den gravierenden Konsequenzen solcher Störungen ist deutlich", sagte Driftmann. "Denn: Stromunterbrechungen sind nicht nur lästig, sie können ganze Produktionsprozesse lahmlegen – bis hin zum dauerhaften Ausfall von Anlagen."
Auch die generelle Verfügbarkeit von Rohstoffen wird von 50 Prozent der Befragten nicht mehr als selbstverständlich eingeschätzt. Der DIHK-Präsident nannte es "alarmierend, dass die Unternehmen jetzt die Verfügbarkeit von Rohstoffen und die Energieversorgung als entscheidende Wettbewerbsfaktoren offensichtlich an manchen Standorten außerhalb Deutschlands günstiger bewerten".
In dieser Situation dürfe die Politik keinen Sonderweg beschreiten, der Erfolg der Energiewende stehe und falle mit der europäischen Einbindung. Zudem sei eine gut ausgebaute Infrastruktur erforderlich, so Driftmann: 92 Prozent der befragten Betriebe sähen in einer Stärkung der öffentlichen Akzeptanz des Netzausbaus eine vordringliche Aufgabe der Politik.
"Mich persönlich treibt die Sorge um, dass der Zeitplan bis zum Abschluss der Energiewende zu ehrgeizig ist", fügte der DIHK-Präsident hinzu. Er denke dabei nicht allein an die technische Umsetzbarkeit, sondern auch an die Geschwindigkeit der demokratischen Strukturen Deutschlands. "Eine ausreichende Bürgerbeteiligung wird aus verständlichen Gründen angemahnt – und die kostet Zeit."
Vor dem Hintergrund, dass staatliche Abgaben bis zu 50 Prozent des Strompreises ausmachen, forderte er zudem, diese zurückzufahren. Und nicht zuletzt müssten Bundesregierung und EU sich beim Thema Rohstoffe für einen freien Zugang einsetzen. Als gutes Beispiel erfolgreicher Rohstoffpolitik nannte Driftmann die Schaffung einer Deutschen Rohstoffagentur als Anlaufstelle für den Mittelstand.
Zudem mahnte er erneut ein "professionelles, hocheffizientes und effektives Projektmanagement innerhalb der Bundesregierung" an. "Dazu brauchen wir kein neues Ministerium. Wir brauchen aber eine klare und eindeutige Abstimmung der Arbeiten innerhalb der Regierung."
Sie finden das Unternehmensbarometer "Energie und Rohstoffe" rechts oben zum Download.

