DIHK sieht für 2012 "positive Konjunkturdynamik"
Martin Wansleben im "Wall Street Journal Deutschland"
(25.01.2012) Mit einer grundsätzlich positiven Konjunkturentwicklung rechnet Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), für 2012. Hilfe erwartet er vom Export, Risiken sieht er in der europäischen Schuldenkrise und der Umsetzung der "Energiewende".
"Es gibt auch 2012 so etwas wie eine positive Konjunkturdynamik", sagte Wansleben dem "Wall Street Journal Deutschland". Zwar kühlten sich die Auftragseingänge in einigen Bereichen ab, viele Unternehmen hätten jedoch immer noch einen guten Auftragsbestand, und die Konjunktur sei nicht abgebrochen.
"Unsere Einschätzung ist, dass die Wirtschaft weiter wächst", sagte Wansleben. Anders als die Bundesregierung geht der DIHK nicht davon aus, dass das Wachstum 2012 allein von der Binnenkonjunktur getragen wird. "Man sollte nicht so tun, als ob wir in der Lage sind, unsere Konjunktur allein durch Einzelhandel und persönliche Dienstleistung aufrecht zu erhalten", sagte Wansleben. Vielmehr werde erneut auch der Export einen Beitrag leisten, der nach den DIHK-Schätzungen vom Herbst um vier Prozent zulegen soll.
Die Schuldenkrise und besonders eine Verschärfung der Lage in Griechenland könnten jedoch zu einem Rückschlag führen, gab Wansleben zu bedenken. Die Folgen dürften seiner Einschätzung nach allerdings weniger gravierend ausfallen als noch zu Beginn der Krise. Er glaube, dass Europa 2012 mit dieser Situation politisch, aber auch ökonomisch reflektierter umgehen könne.
Im Fall Griechenland hält der DIHK-Hauptgeschäftsführer weitere Hilfen für denkbar, aber auch eine geordnete Insolvenz. "Das ist ein politischer und ökonomischer Prozess, bei dem man jetzt starke Nerven haben muss, um sich nicht vorschnell Wege zu verbauen."
Zum Untergang des Euro werde eine Pleite in Griechenland aber nicht führen, sagte Wansleben. Er mahnte jedoch Fortschritte beim europäischen Fiskalpakt an: "Entscheidend ist, dass etwas entsteht, das nicht nur auf dem Papier steht, sondern wirklich umgesetzt wird." Keinesfalls dürfe der Pakt zu einem leeren Versprechen werden.
Als "strategisch und ökonomisch sehr kritisch" bewertete der DIHK-Hauptgeschäftsführer die Umsetzung der beschlossenen Energiewende in Deutschland. Hier stehe "auch unsere Reputation, unsere Marke als Ingenieursstandort und als leistungsfähige Gesellschaft und Volkswirtschaft auf dem Spiel", warnte Wansleben.
Er kritisierte, dass die Regierung bei dem Weg dorthin vorrangig auf Subventionen setze. "Wenn man die Produktionsfunktion eines Top-Industrielandes umstellen will auf C02-frei, dann kann man das nur auf hoch effizienten Wegen machen und nicht mit Subventionen."

