"Die Vorstellung, jemand habe 'ausgelernt', ist überholt"
DIHK: Duale Ausbildung muss um Weiterbildung ergänzt werden
(06.02.2012) Die duale Ausbildung ist nach Ansicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) nach wie vor ein ausgezeichnetes Instrument – vorausgesetzt, dass anschließend dem lebenslangen Lernen ein angemessener Stellenwert eingeräumt wird.
Entsprechend differenziert bewertet Günter Lambertz, Bereichsleiter Weiterbildung beim DIHK, eine aktuelle Studie, der zufolge die duale Ausbildung zu stark an den Bedürfnissen der Betriebe orientiert sein soll und das Risiko von Arbeitslosigkeit mit fortschreitendem Alter erhöht.
"Die Vorstellung, jemand habe 'ausgelernt', ist komplett überholt", sagte er der Tageszeitung "Die Welt". Lebenslanges Lernen sei für Mitarbeiter und Unternehmen der Schlüssel zum Erfolg, betonte der DIHK-Weiterbildungsexperte.
Dass sich diese Erkenntnis noch nicht überall durchgesetzt habe, sei auch Schuld der Politik, die lange auf Frühverrentung und Altersteilzeit gesetzt habe. "Viele Chefs gingen daher davon aus: Weiterbildung lohnt sich bei den Älteren ohnehin nicht", so Lambertz.
Für das duale Studium, das die Autoren der Studie als Alternative empfehlen, sieht auch er mehr Potenzial. Doch gebe es auch klare Grenzen. "Für viele Lehrlinge ist die Berufsakademie keine echte Alternative", so Lambertz. "Die Anforderungen dort an Motivation und Durchhaltvermögen sind sehr hoch."
Dass in der Untersuchung auch eine stärkere Vermittlung von Basiswissen und eine Verringerung des Spezialisierungsgrades bei den Lehrberufen gefordert wird, weist der DIHK-Bereichsleiter dagegen zurück: "Inzwischen gibt es über 1.000 hoch spezialisierte Bachelor-Studiengänge", so Lambertz. "Dagegen sind wir mit unseren 360 Ausbildungsgängen echte Waisenkinder."

