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Dienstleister: Lage und Erwartungen trüben sich wieder ein

DIHK legt branchenbezogene Zahlen zur aktuellen Konjunkturumfrage vor
Techniker installiert Lichtanlage in einem leeren Konzertsaal

Nicht nur in der Kulturwirtschaft sind die Ausblicke verhalten

© Clement Mahoudeau / AFP / Getty Images

Gastronomen, Reise-, Messe- und Kongressveranstalter, aber auch Kommunikationsunternehmen: Die Dienstleistungsbetriebe haben bereits im vergangenen Jahr stark unter der Corona-Krise gelitten. Anfang 2021 trüben sich Lage und Erwartungen nochmals ein, das zeigt eine Sonderauswertung der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage.

An der Befragung der Industrie- und Handelskammern zu Jahresbeginn 2021 haben sich knapp 14.000 Betriebe aus dem Dienstleistungssektor beteiligt. 38 Prozent dieser Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage als schlecht, 26 Prozent als gut. Der Saldo aus "gut"- und "schlecht"-Antworten liegt damit deutlich unter dem der Vorumfrage (minus 12 Punkte nach minus 3 im Herbst 2020).

Die personenbezogenen Dienstleister wie etwa Kinos oder Reisebüros berichten dabei sehr viel häufiger von einer schlechten Geschäftslage (Saldo minus 51 Punkte) als die unternehmensbezogenen, beispielsweise Software-Entwicklung oder Consulting (Saldo 12 Punkte).

Finanzlage bremst Investitionspläne

55 Prozent der Dienstleistungsunternehmen verzeichnen negative Auswirkungen auf die Finanzlage. Insbesondere Eigenkapitalrückgang (30 Prozent) und Liquiditätsengpässe (24 Prozent) machen den Unternehmen zu schaffen. Diese beiden Faktoren stellen für die Branche auch ein zentrales Investitionshemmnis dar. Zwar sind die entsprechenden Pläne gegenüber der Vorumfrage leicht gestiegen, sie befinden sich aber immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau.

Vor allem personenbezogene Dienstleister sind pessimistisch

Ein Drittel der befragten Unternehmen erwartet für das laufende Jahr weitere Geschäftsrückgänge, lediglich 21 Prozent rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage. Mit minus 12 Punkten liegt der Saldo deutlich unterhalb des langfristigen Durschnitts von 8 Punkten. Die unternehmensnahen Dienstleister sind dabei weniger pessimistisch (Saldo minus 2) als die personenbezogenen (Saldo minus 18).

Risiken für ihre wirtschaftliche Entwicklung sehen die Unternehmen insbesondere in der Inlandsnachfrage (53 Prozent), in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (50 Prozent) und im Fachkräftemangel (39 Prozent).

Grafik Sonderauswertung Dienstleister Jahresbeginn 2021: Geschäftslage und -erwartungen

© DIHK

Drastischer als 2009

Die Lage in Corona-Krise stellt sich für die Dienstleistungsbranche deutlich anders dar als in der Finanzkrise. So fällt der Einbruch der Geschäftslage aktuell viel drastischer aus, als dies 2009 der Fall war. Und während die Geschäftserwartungen 2008/2009 über einen längeren Zeitraum gesunken waren, hat diesmal der Lockdown die Unternehmen kalt erwischt, sodass die Geschäftserwartungen kaum Vorlauf gegenüber den Lageeinschätzungen hatten.

Dabei zeichnet sich für die Dienstleister am aktuellen Rand noch keine Erholung ab – im Gegenteil: Angesichts des Lockdowns im Winter sind Geschäftslage und -erwartungen gegenüber der Vorumfrage erneut gesunken.

 Saldo in Punkten

Aktuelle Lage

Geschäfts-
erwartun-
gen

Investi-
tionsab-
sichten

Beschäf-
tigungs-
absichten

Dienstleister insgesamt

-12

-12

-11

-9

IT-Dienstleistungen

24

9

3

24

Finanz- und Versicherungs-dienstleistungen

24

-19

4

-20

Bildungswirtschaft

- 30

-10

-16

-5

Personenbezogene
Dienstleistungen

-51

-18

-25

-18

Unternehmensbezogene Dienstleistungen

12

-2

-7

6

Luftverkehr

-66

35

-30

-41

Personennahverkehr

-68

-29

-22

-23

Kreative, künstlerische
Tätigkeiten

-76

-14

-31

-34

Taxigewerbe

-80

-38

-44

-30

Messe- und Kongress-
veranstalter

-83

-13

-29

-34

Gastronomie

-84

-26

-40

-31

Beherbergung

-88

-25

-34

-32

Reisewirtschaft

-93

-26

-57

-43

Grafik Sonderauswertung Dienstleister Jahresbeginn 2021: Umsatzerwartungen

© DIHK

IT-, Telekommunikations- und Informationsdienstleistungen

Obwohl der Bedarf an digitalen Dienstleistungen und Kommunikationsmedien in der Pandemie gestiegen ist, wirkte sich die Corona-Krise im vergangenen Jahr negativ auf die Geschäftslage der drei Bereiche IT-, Telekommunikations- und Informationsdienstleistungen aus – wenngleich der Effekt weniger stark ausfiel als im Durchschnitt aller Dienstleister. Dabei ging der Lageindikator deutlich stärker zurück als in der Finanzkrise.

Zu Jahresbeginn 2021 erholt sich die Geschäftslage in den genannten Branchen; allerdings bleibt der entsprechende Indikator weiterhin unter dem Vorjahresniveau und unterhalb des jeweiligen langfristigen Mittels.

Forderungsausfälle belasten Telekommunikationsdienstleister enorm

Und: Auch wenn die drei Branchen bislang besser durch die Krise gekommen sind als andere Dienstleister, ist ihre Finanzlage dennoch angespannt. Fast einem Drittel der Telekommunikationsdienstleistern machen zunehmende Forderungsausfälle zu schaffen – ein deutlich höherer Anteil als in der Gesamtbranche. Knapp ein Fünftel berichtet von Eigenkapitalrückgängen. Diese wiederum stellen für die IT- und Informationsdienstleister das gravierendste Problem dar (22 beziehungsweise 23 Prozent). Beide Branchen haben auch mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen (18 und 17 Prozent). 

Mit Blick auf die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate unterscheiden sich die drei Branchen. Während die IT- und Informationsdienstleister weiterhin optimistisch gestimmt sind (Saldo 9 beziehungsweise 10 Punkte), rechnen bei den Telekommunikationsdienstleistern 25 Prozent mit Geschäftsrückgängen, 23 Prozent mit Zuwächsen. Der Saldo liegt damit bei minus 2 Punkten – startet allerdings von einem verhältnismäßig hohen Niveau: Anders als bei IT- und Informationsdienstleistern hatten die Erwartungen bei den Telekommunikationsdienstleistern 2020 noch über dem Niveau der Finanzkrise 2008/2009 gelegen.

Die Beschäftigungspläne wurden zuletzt in allen drei Branchen angehoben.

Grafik Sonderauswertung Dienstleister Jahresbeginn 2021: Geschäftslage unternehmensbezogene Dienstleister

© DIHK

Grafik Sonderauswertung Dienstleister Jahresbeginn 2021: Geschäftserwartungen unternehmensbezogene Dienstleister

© DIHK

Gastgewerbe, Reisevermittlung, Messe-, Ausstellungs- und Kongressveranstalter

Die Branchen Gastgewerbe, Reisevermittlung sowie die Messe-, Ausstellungs- und Kongressveranstalter sind direkt von den Lockdown-Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie betroffen. Das zeigt sich an den Einschätzungen zur Geschäftslage, die 2020 merklich steiler und stärker einbrachen als während der Finanzkrise 2008/2009 und in allen drei Branchen neue Tiefststände erreichten.

Zu Jahresbeginn 2021 zeichnet sich keine Entspannung ab – die große Mehrheit der Unternehmen berichtet weiterhin von einer schlechten Geschäftslage, positive Meldungen gibt es nur sehr vereinzelt (Saldo Gastgewerbe: minus 86 Punkte, Reisevermittlung: minus 93, Veranstalter: minus 83).

Fast ein Drittel der Reiseveranstalter von Insolvenz bedroht

Von negativen Auswirkungen auf die Finanzlage berichten 90 Prozent der Veranstalter, 92 Prozent der Gastgewerbe-Betriebe und 95 Prozent der Reisevermittler. Dabei wird in allen Branchen am häufigsten ein Eigenkapitalrückgang genannt (Reisevermittlung: 63 Prozent, Gastgewerbe: 63 Prozent, Veranstalter: 55 Prozent). Liquiditätsengpässe gibt mehr als jedes zweite Unternehmen zu Protokoll. Von einer Insolvenz bedroht sehen sich 31 Prozent der Reiseveranstalter, 20 Prozent der Veranstalter und 17 Prozent der Gastgewerbe-Betriebe.

Und auch wenn sich die Erwartungen bereits im vergangenen Jahr viel stärker eingetrübt hatten als während der Finanzkrise: Trotz der schlechten Ausgangslage rechnen Anfang 2021 die Hälfte der Unternehmen aus Gastgewerbe und Reisevermittlung sowie knapp die Hälfte der Veranstalter mit noch weiteren Geschäftsrückgängen in den kommenden zwölf Monaten. Jeweils rund ein Viertel der Betriebe erwartet eine Stagnation beziehungsweise eine Verbesserung.

Damit sind die Erwartungen zwar nicht ganz so negativ wie im Herbst, aber immer noch stark pessimistisch geprägt. Auch die Umsätze dürften sich 2021 nicht erholen: 33 Prozent der Gastgewerbebetriebe und Veranstalter und 28 Prozent der Reisevermittler gehen von Umsatzrückgängen von mindestens 25 bis über 50 Prozent aus.

Vor dem Hintergrund der tiefgreifenden und lang andauernden Folgen der Corona-Pandemie für den Tourismus sinken die Beschäftigungsabsichten in der Reisevermittlung deutlich (Saldo minus 43). Ähnlich stellt sich die Situation im Veranstaltungssektor dar, hier gehen die Beschäftigungspläne auf minus 34 Saldenpunkte zurück. Im Gastgewerbe könnten neben den Folgen der Corona-Pandemie die Verschärfung des Fachkräftemangels die Beschäftigungsabsichten dämpfen.

Grafik Sonderauswertung Dienstleister Jahresbeginn 2021: Geschäftslage personenbezogene Dienstleister

© DIHK

Grafik Sonderauswertung Dienstleister Jahresbeginn 2021: Geschäftserwartungen personenbezogene Dienstleister

© DIHK

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Dr. Jupp Zenzen Referatsleiter Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen

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Thomas Renner Pressesprecher | Chef vom Dienst