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DIHK: "Kein Grund zur Entwarnung" für deutsche Industrie

Konjunkturexperte Zenzen zu Auftragseingang und Produktion
Mann und Frau stehen in einer ziemlich leeren Werkhalle und blicken auf eine Liste

Wenig Neuaufträge aus dem Ausland, vor allem aber Materialengpässe bremsen viele Industriebetriebe aus

© nortonrsx / iStock / Getty Images Plus

Auch wenn die Industrieproduktion zuletzt wieder etwas zugelegt hat, sieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) das Verarbeitende Gewerbe hierzulande in einer angespannten Situation.

Insbesondere die Auslandsnachfrage gerät ins Stocken: Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, sammelte das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland im vergangenen Oktober saison-, kalender- und preisbereinigt 6,9 Prozent weniger Aufträge ein als noch im September 2021. Zwar hatten die Orders aus dem Inland im Vormonatsvergleich um 3,4 Prozent zugelegt, jedoch gaben die Auslandsaufträge um 13,1 Prozent nach. Bestellungen aus der Eurozone sanken gegenüber September um 3,2 Prozent, aus dem restlichen Ausland sogar um 18,1 Prozent.

Dies zeige, dass "das Umfeld ungemütlicher wird, um Aufträge aus dem Ausland an Land zu ziehen", kommentiert DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen die Entwicklung. Die Oktober-Zahlen gäben "Anlass zur Sorge", denn: "Auch an den Inlandsaufträgen zeigt sich noch keine Aufbruchstimmung für ein wirkliches Mehr an Investitionen."

Lieferengpässe und Rohstoffknappheit bremsen die Fertigung

In den zuletzt gestiegenen Produktionszahlen sieht Zenzen ebenfalls "noch keinen Grund zur Entwarnung": Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Produktion in der deutschen Industrie im Oktober 2021 saison-, kalender- und preisbereinigt um 2,8 Prozent über dem Niveau von September. Im Vorjahresvergleich sank sie kalenderbereinigt um 0,6 Prozent.

Zenzen führt dies auch darauf zurück, dass die Unternehmen trotz der rückläufigen Neueingänge "einen Berg an Aufträgen" vor sich herschöben, den sie häufig nicht abarbeiten könnten. "Wegen der langanhaltenden Lieferengpässe bleiben notwendige Materialien und Rohstoffe weiterhin knapp", so der Konjunkturexperte.

Er verweist auf die jüngste DIHK-Umfrage zu Lieferengpässen und Rohstoffknappheit, der zufolge sich bereits im Sommer mehr als ein Viertel der betroffenen Unternehmen gezwungen sahen, ihre Produktion zu drosseln oder gar zu stoppen; 42 Prozent konnten aufgrund von Materialmangel bestehende Aufträge nicht abarbeiten. Zenzen: "Eine Entspannung bei den Lieferkettenproblemen ist leider noch nicht in Sicht."

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Dr. Jupp Zenzen Referatsleiter Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen

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Thomas Renner Pressesprecher | Chef vom Dienst