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Finanzlage der Unternehmen bleibt zum Jahresbeginn angespannt

DIHK-Konjunkturumfrage deutet auf Zuspitzung in allen Branchen hin
Frau nimmt einen 5-Euro-Schein aus einer recht leeren Ladenkasse

In vielen Betrieben wird das Geld knapp

© AndreyPopov / iStock / Getty Images Plus

Die Hälfte der deutschen Unternehmen sieht sich in der Corona-Krise weiterhin in finanziellen Nöten. Das ermittelte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in einer aktuellen Trendauswertung seiner Konjunkturumfrage unter mehr als 18.000 Betrieben aller Branchen und Regionen.

Den neuen Zahlen zufolge berichten derzeit mehr als ein Viertel der Unternehmen von einem Rückgang ihres Eigenkapitals, jeder fünfte Betrieb hat mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen.

Fortgesetzte Durststrecke wird für viele Betriebe gefährlich

Im Vergleich zum Herbst 2020 hat sich die Finanzlage der Unternehmen damit nicht verbessert. Im Gegenteil: Die finanzielle Durststrecke der Betriebe zieht sich weiter in die Länge – und könnte für manche Betriebe sogar das Aus bedeuten.

So sehen sich derzeit 5 Prozent der Betriebe in der Gesamtwirtschaft von einer Insolvenz bedroht. Je nach Branche unterscheidet sich die Betroffenheit jedoch stark. Nach der aktuellen Trendauswertung stehen 33 Prozent der kreativen und künstlerischen Betriebe, 30 Prozent der Reisevermittler, 27 Prozent der Taxibetriebe und 20 Prozent der Unternehmen aus der Gastronomie vor einer drohenden Pleite.

Fast jeder vierte Industriebetrieb lebt von der Substanz

Finanzierungssorgen fallen gerade bei Industriebetrieben stark ins Gewicht, weil diese ihre kapitalintensiven Maschinen und Produkte oft vorfinanzieren müssen – und folglich bei Bilanzproblemen den notwendigen Vorlauf weder selbst- noch fremdfinanziert stemmen können. Derzeit berichten 23 Prozent der Industrieunternehmen von schmelzendem Eigenkapital, bei den Industriebetrieben mit weniger als 200 Mitarbeitern sind es sogar 25 Prozent.

Ein Blick auf die anderen Wirtschaftszweige zeigt, dass im Handel und bei den Dienstleistern aktuell sogar noch mehr Unternehmen von Eigenkapitalschwierigkeiten berichten als in der Industrie, die ihre Umsatzverluste immerhin in Teilen durch Exportgeschäfte kompensieren kann. Anders die direkt vom Lockdown betroffenen Branchen: 37 Prozent der Betriebe im Einzelhandel verzeichnen einen Rückgang des Eigenkapitals, bei den Messe- und Kongressveranstaltern sind es sogar 51 Prozent und in der Gastronomie 62 Prozent.

Finanzierungsthema hat das Zeug zur Sollbruchstelle

Branchenübergreifend spitzt sich die Finanzlage vor allem bei kleinen und mittelständischen Betrieben zu. Für einen breiten wirtschaftlichen Aufschwung könnte das Thema zur Sollbruchstelle werden, da dieser auf einer Erholung von unternehmerischen Investitionen aufsetzen muss – die es zu finanzieren gilt.

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Porträtfoto Dr. Christian Fahrholz
Dr. Christian Fahrholz Referatsleiter Unternehmensfinanzierung und Finanzmärkte

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Dr. Christian Jekat Pressesprecher