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Frühjahrsprognose: Betriebe brauchen jetzt politischen Rückenwind

Martin Wansleben berichtet von "angespannter Stimmung" bei den Betrieben
Münzstapel vor Konjunktur-Charts

Der Konjunkturverlauf ist derzeit sehr schwer zu prognostizieren

© Sarinyapinnagam / iStock / Getty Images Plus

In ihrer Frühjahrsprojektion hat die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für 2022 angesichts der aktuellen Herausforderungen von 3,6 auf 2,2 Prozent gesenkt; für 2023 erwartet sie ein Plus von 2,5 Prozent. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wirbt für (handels-) politische Unterstützung.

"Der russische Angriff auf die Ukraine und seine Folgen haben die Hoffnung auf spürbare Erholung in vielen Teilen der Wirtschaft zunichte gemacht", bedauert DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Mit der aktuellen Regierungsprognose würde Deutschland am Jahresende gerade so die Wirtschaftskraft des Jahres 2019 erreichen."

"Niemand weiß, wie tief die Krise unsere Wirtschaft noch treffen wird"

Gemessen an dem, was man aus heutiger Sicht auch für realistisch halten könne, wäre das laut Wansleben "ein wirklich gutes Ergebnis". Denn: "Niemand weiß aktuell, wie tief die Krise unsere Wirtschaft noch treffen wird. Angesichts der Preissprünge bei Energie und Rohstoffen sowie angesichts der Lieferengpässe ist die Stimmung der Unternehmen angespannt – auch bei denen, die volle Auftragsbücher haben. Hinzu kommen die harten Lockdowns in China."

Umso wichtiger sei es, so viel Stabilität wie möglich in alle beeinflussbaren Rahmenbedingungen zu bringen, mahnt der DIHK-Hauptgeschäftsführer. Dazu zähle eine Verminderung der Abhängigkeit von Russland ebenso wie der beschleunigte Ausbau von Wind- und Sonnenenergie.

Leistungsfähigere internationale Kooperationen unabdingbar

"Die Unternehmen arbeiten an widerstandsfähigeren Lieferketten", so Wansleben. "Das kann ihnen nur auf Basis belastbarer Handelsverträge gelingen. Deshalb ist es wichtig, dass die EU und auch die Bundesregierung bei diesem Thema Fahrt aufnehmen." Denn eine größere Unabhängigkeit von Russland oder China erfordere "zwingend leistungsfähigere Kooperationen mit anderen Ländern".

Außerdem brauchen die Betriebe laut Wansleben "die Möglichkeit, Verluste aus den Krisenjahren 2020, 2021 und 2022 mit früheren oder künftigen Gewinnen verrechnen zu können".

Porträtfoto Martin Wansleben

Dr. Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer

© DIHK / Paul Aidan Perry

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Porträtfoto Thomas Renner
Thomas Renner Pressesprecher | Chef vom Dienst