Pfadnavigation

Innenstadt-Handel erwartet schlechtere Geschäfte als im Krisenjahr 2020

DIHK-Sonderauswertung zeigt große Unterschiede innerhalb der Branche
Supermarktkassiererin mit Schutzmaske hinter Plexiglas

Trotz Hygienemaßnahmen verzeichneten viele Einzelhändler empfindliche Umsatzeinbrüche

© zoranm / E+ / Getty Images

Vier von zehn Händlern rechnen in diesem Jahr mit einer weiteren Verschlechterung ihrer Geschäfte. Besonders schlecht ist die Stimmung in den Innenstädten. Das geht aus den Antworten von fast 7.000 Handelsbetrieben in der DIHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn 2021 hervor. Allerdings gibt es auch einige positive Trends.

An der Umfrage beteiligten sich rund 3.000 Großhändler und Handelsvermittler, 800 Betriebe aus Kfz-Handel und -Reparatur sowie 3.000 Einzelhändler. Ihre Angaben verdeutlichen, dass sich die Lage im Handel insgesamt im Vergleich zur Vorumfrage sichtbar eingetrübt hat: 33 Prozent der Unternehmen melden schlechte Geschäfte, 28 Prozent gute. Der Saldo aus "Gut"- und "Schlecht"- Antworten liegt mit minus 5 Punkten um 10 Punkte unter dem der Herbstumfrage 2020.

Jedoch zeigt sich der Handel in seiner Bewertung der Lage gespalten: Vor allem innenstadtrelevante Geschäfte sind von den Auswirkungen der pandemiebedingten Betriebsschließungen besonders getroffen (Lagesaldo beim Einzelhandel mit Bekleidung: minus 82 Punkten, mit Schuhen: minus 83 Punkte, mit Uhren und Schmuck: minus 63 Punkte). Allerdings gibt es auch eine Sparte, die in der aktuellen Situation vergleichsweise gut dasteht: Der Lebensmittelhandel weist einen Lagesaldo von plus 60 Punkten auf.

Grafik Sonderauswertung Handel Jahresbeginn 2021: Geschäftslage und Erwartungen

© DIHK

Für das laufende Jahr erwarten die Händler unterm Strich sogar noch eine weitere Verschlechterung ihrer Geschäfte. Zwei Fünftel rechnen für die kommenden zwölf Monate mit einer ungünstigen Entwicklung, gerade einmal 16 Prozent mit einer Verbesserung (Saldo bei den Geschäftserwartungen: minus 25 Punkte). Dies zieht sich durch fast alle Teilbranchen. Besonders stark betroffen sind die Modeanbieter, doch sogar im Lebensmittelhandel liegt der Erwartungssaldo mit minus 24 Punkten im negativen Bereich.

Ein Geschäftsrisiko sehen zwei Drittel der Händler in der Inlandsnachfrage, jeder zweite Befragte in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Aber auch den Fachkräftemangel (32 Prozent), die Arbeitskosten (30 Prozent) sowie die Energie- und Rohstoffpreise (28 Prozent) bewerten die Unternehmen als Risiko für ihre Geschäftsentwicklung.

Grafik Sonderauswertung Handel Jahresbeginn 2021: Geschäftsrisiken

© DIHK

Ihre Beschäftigungspläne haben die Handelsunternehmen im Vergleich zum Herbst nach unten revidiert: 21 Prozent der Betriebe beabsichtigen, Personal abzubauen, 10 Prozent wollen ihre Belegschaften aufstocken. Der Saldo beläuft sich damit auf minus 11 Punkte.

Grafik Sonderauswertung Handel Jahresbeginn 2021: Beschäftigungsabsichten

© DIHK

Und: Die Hälfte aller Händler berichtet, dass sich die Pandemie negativ auf ihre Finanzlage auswirkt – das entspricht der Quote in der Gesamtwirtschaft. Insbesondere Eigenkapitalrückgänge (29 Prozent) und Liquiditätsengpässe (20 Prozent) machen dem Wirtschaftszweig zu schaffen. 5 Prozent der Handelsbetriebe sehen sich von einer Insolvenz bedroht. In den besonders vom Lockdown betroffenen Bekleidungs- und Textilgeschäften gilt das sogar für jedes fünfte Unternehmen – im Durchschnitt aller Wirtschaftsbranchen lediglich für 5 Prozent.

Die aktuelle Finanzlage der Unternehmen ist geprägt von ...

Angaben in Prozent, Mehrfachnennung möglich 

Liquidi-
tätseng-
pässe 

Drohen-
de Insol-
venz 

Eigen-
kapital-
rückgang 

Keine
negativen
Auswir-
kungen 

Alle Branchen 

20 

27 

50 

Handel (incl. Kfz-Reparatur) 

20 

29 

49 

darunter Kfz-Handel und -Reparatur 

20 

31 

41 

darunter Großhandel und Handelsvermittlung

15 

21 

57 

darunter Handelsvermittlung 

22 

28 

50 

darunter Großhandel

14 

20 

57 

darunter Handel mit gesundheitsbezogenen Gütern 

21 

22 

58 

darunter Einzelhandel

26 

37 

44 

- Einzelhandel mit Waren verschiedener Art, 
Hauptrichtung Nahrungs- u. Genussmittel 

8

1

10

79

- Einzelhandel mit Büchern 

25 

50 

36 

- Einzelhandel mit Spielwaren 

33 

54 

27 

- Einzelhandel mit Schuhen und Lederwaren 

43 

21 

71 

- Einzelhandel mit Bekleidung 

53 

20 

73 

Digitaler Vertrieb nimmt zu

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben insbesondere den Kfz-Handel und für einzelne Sparten des Einzelhandels die Geschäfte stark eingeschränkt. Viele Betriebe, die vom Lockdown betroffen sind, versuchen dem – zumindest teilweise – durch Online-Vertrieb entgegenzuwirken. Im Vergleich zu 2019 legte die Nutzung digitaler Vertriebskanäle in vielen Bereichen zu – im Bekleidungshandel beispielsweise um 26 Prozentpunkte.

Grafik Sonderauswertung Handel Jahresbeginn 2021: Vertriebskanäle

© DIHK

Überwiegend online aufgestellte Händler profitieren

Einzelhändler, die mehr als 50 Prozent ihres Umsatzes über digitale Vertriebskanäle erzielen, haben vom Lockdown profitiert, da in der Pandemie verstärkt online gekauft wurde. 41 Prozent dieser Händler berichten von einer guten Geschäftslage, nur 20 Prozent von einer schlechten. Der Saldo von 21 Punkten liegt deutlich über dem aktuellen Schnitt des gesamten Einzelhandels (minus 13 Punkte) und über dem langfristigen Mittel von 6 Punkten.

Bei den Geschäftserwartungen zeigt sich ein ähnliches Bild: 41 Prozent der Online-Händler rechnen für die kommenden zwölf Monate mit einer günstigen Geschäftsentwicklung, 17 Prozent mit einem schlechten Verlauf. Der Saldo beläuft sich auf 24 Punkte (Einzelhandel gesamt: minus 33 Punkte). Dementsprechend werden auch die Beschäftigungspläne ausgeweitet: 32 Prozent der Digital-Händler sehen sich in der Lage, mehr Personal einzustellen, 7 Prozent müssen Kürzungen vornehmen. Das bedeutet einen Saldo von 25 Punkten und einen deutlichen Abstand zum langfristigen Mittelwert von minus 7 Punkten im gesamten Einzelhandel.

Und auch bei den Investitionen schneidet der digitale Vertrieb überdurchschnittlich ab: Knapp ein Drittel der Unternehmen beabsichtigt, im Inland zu investieren, 22 Prozent planen, ihre Investitionen zu kürzen. Der Saldo von 10 Punkten übersteigt klar den langjährigen Durchschnitt des gesamten Einzelhandels (minus 4 Punkte).

Vorwiegend stationärer Handel mit Problemen

Stationäre Händler und Händler, die weniger als die Hälfte ihres Umsatzes über digitale Vertriebskanäle erwirtschaften, können den Lockdown-Maßnahmen kaum ausweichen. Dementsprechend sind ihre Lageeinschätzungen außerordentlich negativ: 41 Prozent berichten von einer schlechten Geschäftslage, lediglich ein Viertel von einer guten. Der Saldo beläuft sich auf minus 15 Punkte und liegt deutlich unter dem Mittelwert des gesamten Handels (Saldo minus 5 Punkte).

Für die kommenden zwölf Monate erwarten diese Händler eine weitere Verschlechterung ihrer Geschäfte: Die Hälfte geht von weiteren Rückgängen aus, gerade einmal 13 Prozent rechnen mit einer Verbesserung (Saldo minus 36 Punkte).

Dementsprechend wird es für sie schwierig, ihr Personal zu halten. Ein Viertel will Beschäftigungsanpassungen vornehmen. Eine Ausweitung des Personalstamms ist lediglich in 9 Prozent der Betriebe vorgesehen. Der Saldo von minus 16 Punkten ist deutlich geringer als im Handel insgesamt (minus 11 Punkte).

Ihre Investitionstätigkeit einschränken werden 40 Prozent der stationären Handelsunternehmen, nur 20 Prozent planen eine Ausweitung. Mit minus 21 Punkten liegt dieser Saldo klar unter dem langfristigen Mittel des gesamten Handels (0 Punkte).

Fazit

Die Ergebnisse zeigen: Der stationäre Handel versucht, sich immer stärker zu digitalisieren. Händler mit einem hohen Anteil digitaler Vertriebskanäle können von der aktuellen Situation sogar profitieren, stationäre Händler und Händler mit einem geringen Online-Anteil haben – zum Teil erhebliche – Umsatzeinbußen. Für den Einstieg in den digitalen Vertrieb und für dessen Ausbau sind in der Regel Investitionen nötig, die viele Händler zusätzlich zu den Kosten für ihr Ladengeschäft aufbringen müssen. Gerade jetzt solche Investitionen zu stemmen, ist angesichts der sich vielfach zuspitzenden Finanzlage schwierig.

Kontakt

Porträtfoto Ulrike Regele
Dr. Ulrike Regele Referatsleiterin Handel

Kontakt

Porträtfoto Lola Marie Machleid
Lola Marie Machleid Mitarbeiterin im Referat Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen

Kontakt

Porträtfoto Thomas Renner
Thomas Renner Pressesprecher | Chef vom Dienst