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Mehr Arbeitsstunden bringen mehr Wohlstand

Peter Adrian nennt Ansatzpunkte zur Fachkräftesicherung
Frau spielt mit 4 kleinen Kindern

Gute Betreuungsangebote tragen dazu bei, dass Eltern, die dies möchten, auch mehr arbeiten können

© KatarzynaBialasiewicz / iStock / Getty Images Plus

Der Fachkräftemangel wird an allen Ecken und Enden der Wirtschaft immer stärker spürbar. Hilfreich wäre nach Einschätzung von DIHK-Präsident Peter Adrian unter anderem, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

Peter Adrian dynamisch

Peter Adrian

© DIHK / Werner Schuering

"Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern ist mittlerweile für Unternehmen quer durch alle Branchen neben hohen Energie- und Rohstoffpreisen die größte Herausforderung", sagte Adrian den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Um gegenzusteuern, gelte es viele Register zu ziehen, etwa bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die derzeit stark diskutierte Vier-Tage-Woche lehne er persönlich als Unternehmer nicht grundsätzlich ab, so der DIHK-Präsident: "Nur wird dieses Arbeitszeitmodell nicht in jedes Unternehmen passen." Bei dieser Diskussion solle sich auch jeder Verbraucher zunächst einmal selbst hinterfragen, denn: "Es sind ja meist starke Kundenwünsche, dass Dienstleistungen an fünf, besser noch an sechs Tagen in der Woche verfügbar sind. Mit weniger Wochenstunden und dann womöglich zusätzlich der Vorstellung, dass die meisten Beschäftigten freitags oder montags freihaben wollen, wäre das nicht machbar."

Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verbessern

Adrian stellte klar: "Grundsätzlich verschärfen wir den Fachkräftemangel und die damit verbundenen Lücken in unserer Volkswirtschaft, wenn wir alle weniger arbeiten." Natürlich müssten nicht sämtliche Beschäftigten ihre Arbeitszeit ausweiten, "aber wenn viele Teilzeitkräfte einige Stunden mehr pro Woche arbeiten könnten, dann würde das sehr helfen".

Das könne jedoch nur bei entsprechenden Anreizen funktionieren: "Wir müssen unter anderem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verbessern, damit etwa Eltern in Teilzeit ihre Arbeitszeit ausweiten können", mahnte der DIHK-Präsident und empfahl einen Blick über die Grenzen: "Die Schweizer beispielsweise arbeiten im Schnitt fast 90 Stunden mehr im Jahr als wir in Deutschland, im direkten Vergleich einer Vollzeitstelle sind es sogar gut 230 Stunden mehr. Damit erwirtschaften sie aber auch höhere persönliche Einkommen und einen höheren Wohlstand."

Fachkräfteeinwanderung beschleunigen

Ein weiterer Ansatzpunkt zur Linderung des Fachkräftemangels sei, künftig noch mehr Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Adrian :"Das dafür angepasste Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist auf diesem Weg ein richtiger Schritt, aber kein Selbstläufer. Es muss jetzt auch in der Praxis schneller gehen – durch digitale, schlanke Verfahren und Behörden, die Willkommenskultur ausstrahlen."

KI kann helfen

Auch künstliche Intelligenz (KI) komme als Baustein in Betracht: "KI kann schon heute vieles erleichtern, etwa wenn wir monotone aber durchaus herausfordernde Büroarbeiten an eine Software delegieren", so Adrian. "Insgesamt bietet KI Potenziale, unsere Produktivität zu steigern. Mitarbeiter können sich auf wichtigere Dinge konzentrieren. Wir können hier aber nur gut sein, wenn wir genügend Daten haben, aus denen sich die KI speisen kann."

Da habe sicherlich auch die Wirtschaft noch Nachholbedarf, "aber vieles ist auch Folge zu enger Regulierung in dem Bereich", kritisierte er. "Wir sehen ja heute schon, wie etwa manchmal auch zu eng ausgelegter Datenschutz-Vorschriften Innovationen im Feld KI abbremsen und dazu führen, dass Unternehmen Dinge lieber woanders als in Deutschland ausprobieren. Das darf nicht sein und daran wird es sich auch entscheiden, ob unser Land bei dem Einsatz von KI eine führende Rolle einnehmen kann oder eben nicht."

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Porträtbild Dr. Stefan Hardege, Referatsleiter Fachkräftesicherung, Arbeitsmarkt, Zuwanderung
Dr. Stefan Hardege Referatsleiter Fachkräftesicherung, Arbeitsmarkt, Zuwanderung

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Porträtfoto Frank Thewes
Frank Thewes Bereichsleiter Kommunikation
vereinbarkeitsthemen

Wirtschaft für mehr Vereinbarkeit

Im bei der DIHK angesiedelten Netzwerk "Erfolgsfaktor Familie" arbeiten mittlerweile rund 8.700 Unternehmen daran, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf konkret auf betrieblicher Ebene zu verbessern. Die Themen reichen von Arbeitszeit bis Väter. Mehr erfahren Sie unter www.erfolgsfaktor-familie.de.