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Stimmung am Bau trübt sich ein

Sonderauswertung zur Konjunkturumfrage Jahresbeginn 2021
eingerüstete Hochhäuser mit Kränen vor blauem Himmel

Über lange Jahre hat die Branche vom Bau-Boom in Deutschland profitiert

© coldsnowstorm / E+ / Getty Images

Auch das deutsche Baugewerbe hat in der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Lockdown deutliche Einbußen erlitten. Dank einer komfortablen Ausgangssituation zeichnet die aktuelle Branchenauswertung der DIHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn dennoch ein verhältnismäßig günstiges Lagebild, zumindest im Hochbau.

Unter den mehr als 30.000 Unternehmen, die sich zu Jahresbeginn an der Befragung durch die IHKs beteiligt haben, waren auch knapp 2.000 aus dem Baugewerbe. Wie die entsprechende Sonderauswertung zeigt, verschlechtern sich ihre Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage. Knapp die Hälfte der Bauunternehmen beurteilt ihre Lage als positiv, 8 Prozent bewerten sie negativ.

Grafik Sonderauswertung Bau Jahresbeginn 2021: Geschäftslage

© DIHK

Lage sogar im Frühsommer 2020 noch überdurchschnittlich

Der sich daraus ergebende Saldo von 39 Punkten bedeutet gegenüber den 44 Punkten von Herbst 2020 zwar ein Minus. Nachdem die Baubranche aber auf rund zehn sehr gute Jahre zurückblickt, lag der Saldo selbst zum Tiefpunkt der Krise im Frühsommer 2020 immer noch über dem langfristigen Durchschnitt von 23 Punkten. Verglichen mit den anderen Wirtschaftszweigen ist das Baugewerbe damit vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen.

Die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate bleiben, wie schon in der Vorumfrage, eingetrübt. Ein Drittel der Unternehmen rechnet mit Geschäftsrückgängen, lediglich 9 Prozent erwarten Zuwächse (Saldo minus 21 nach zuletzt minus 20 Punkten).

Grafik Sonderauswertung Bau Jahresbeginn 2021: Geschäftserwartungen

© DIHK

Beschäftigungspläne bleiben verhalten

Die Beschäftigungspläne wurden im Vergleich zur Vorumfrage indes leicht angehoben: 11 Prozent der Betriebe beabsichtigen Neueinstellungen, 12 Prozent eine Verringerung der Mitarbeiterzahl (Saldo minus 1, nach minus 3 in der Vorumfrage). Dabei macht insbesondere der Fachkräftemangel den Unternehmen zu schaffen: Zwei Drittel der Baubetriebe sehen hierin ein Risiko für die Geschäftsentwicklung; in keinem anderen Wirtschaftszweig wird so häufig auf diese Gefahr hingewiesen. Die Inlandsnachfrage bewertet jede zweite Baufirma als Geschäftsrisiko. Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und Arbeitskosten werden ähnlich oft genannt (39 beziehungsweise 38 Prozent). In Energie- und Rohstoffpreisen sehen 35 Prozent ein Risiko.

Liquiditätsengpässe und Eigenkapitalrückgang belasten Investitionspläne 

Die Investitionspläne der Baufirmen bleiben deutlich hinter denen des Vorjahres zurück. 15 Prozent der Firmen planen eine Ausweitung ihres Investitionsvolumens – ein Viertel will die Investitionstätigkeit zurückfahren (Saldo minus 9). Insbesondere Liquiditätsengpässe und Eigenkapitalrückgang wirken zu Jahresbeginn hemmend auf die Investitionspläne im Bau. Investieren wollen die Firmen in erster Linie für den Ersatzbedarf (79 Prozent).

Abrupter Absturz

Vergleicht man die Finanz- und die Corona-Krise, zeigen sich in der Baubranche deutliche Unterschiede. Der Rückgang bei den Lageeinschätzungen setzte bei den Bauunternehmen bereits vor der Finanzkrise ein und zog sich über einen sehr langen Zeitraum. In der Pandemie dagegen verschlechterte sich die Lage schlagartig, aber von einem sehr hohen Niveau ausgehend: Der Tiefpunkt 2020 liegt deutlich über dem Ausgangsniveau vor der Finanzkrise.

Wenngleich die Geschäftserwartungen 2009 und 2020 ähnlich stark gesunken sind, wurden in der aktuellen Situation die Investitionsabsichten und insbesondere die Beschäftigungspläne weniger stark mit nach unten gezogen. Eine unverminderte Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung des Baugewerbes deutet sich aber nicht an.

Grafik Sonderauswertung Bau Jahresbeginn 2021: Baukonjunktur

© DIHK

Hochbau verzeichnet die beste Geschäftslage der Branche

Knapp die Hälfte der Unternehmen aus dem Hochbau ist derzeit positiv gestimmt, lediglich 7 Prozent berichten von einer ungünstigen Lage. Auch wenn der Saldo im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, liegt er weiterhin deutlich über dem langjährigen Durchschnitt (Saldo 41 nach 61 Punkten im Vorjahr; langjähriger Durchschnitt 23 Punkte). Damit ist der Hochbau die Baubranche mit der positivsten Geschäftslage. Dennoch berichtet ein Viertel der Unternehmen von negativen Auswirkungen auf ihre Finanzsituation. Insbesondere auf einen Eigenkapitalrückgang wird häufig hingewiesen (13 Prozent).

Mit Blick auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten haben die negativen Meldungen deutlich zugenommen. 28 Prozent der Firmen im Hochbau rechnen mit Geschäftsabschwächungen. Gerade einmal 9 Prozent erwarten eine bessere Entwicklung. Mit minus 19 Punkten liegt der Saldo weit unterhalb des langfristigen Mittels von minus 3 Punkten.

35 Prozent der Unternehmen befürchten sinkende Umsätze, 33 Prozent erwarten eine Stagnation. 28 Prozent gehen von Umsatzrückgängen von bis zu 25 Prozent aus. Und: Die Hochbaufirmen berichten häufiger als die anderen Baubranchen von Finanzierungsrisiken (11 Prozent). Dies dürfte dazu beitragen, dass die Investitionspläne im Vergleich zum Vorjahr gekürzt werden (Saldo minus 4 nach plus 5 Punkten vor Jahresfrist). Eine positive Beschäftigungsentwicklung ist im Hochbau nicht zu erwarten. Mit jeweils 11 Prozent halten sich positive und negative Anteile die Waage.

Tiefbau eher pessimistisch

Die Unternehmen aus dem Tiefbau bewerten ihre aktuelle Geschäftslage weniger positiv als die anderen Baubranchen. 40 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre Lage als gut, 7 Prozent sprechen von einer schlechten Lage. Der Saldo liegt damit bei 33 Punkten. Das ist der niedrigste Wert seit dem Frühsommer 2016, wobei er immer noch deutlich über dem langfristigen Mittel von plus 15 Punkten liegt.

Die Erwartungen an die Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten sind jedoch von Pessimismus geprägt: 38 Prozent der Firmen gehen davon aus, dass sich ihre Geschäftssituation verschlechtern wird. Gerade einmal 6 Prozent erwarten Zuwächse. Der Saldo von minus 32 Punkten rangiert deutlich unterhalb des langfristigen Durchschnittswertes von minus 9 Punkten.

Dazu passend rechnen 40 Prozent der Tiefbaufirmen für die kommenden zwölf Monate mit einem Umsatzminus; Zuwächse erwarten 13 Prozent der Unternehmen. Am häufigsten werden Umsatzrückgänge zwischen 10 und 25 Prozent genannt; in dieser Kategorie sehen sich 18 Prozent der Betriebe. Zum Vergleich: Im Hochbau sind es nur 9 Prozent.

Der Fachkräftemangel stellt für 68 Prozent der Unternehmen und damit wie in allen Baubranchen auch im Tiefbau das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung dar. Häufiger als in anderen Branchen der Bauwirtschaft werden jedoch die inländische Nachfrage (54 Prozent; Bau gesamt: 50 Prozent) und die wirtschafspolitischen Rahmenbedingungen (51 Prozent; gesamt 39 Prozent) genannt.

Die Investitionspläne wurden deutlich nach unten korrigiert. Beinahe ein Drittel der Unternehmen plant eine Kürzung der Budgets, ihre Investitionen ausweiten wollen gerade einmal 10 Prozent. Der Saldo liegt bei minus 21 Punkten, das ist der niedrigste Wert seit genau zehn Jahren. Insbesondere die Inlandsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wirken negativ auf die Investitionsabsichten. Das zentrale Motiv sind Ersatzbeschaffungen (87 Prozent). Rationalisierungen wurden merklich seltener genannt als in den anderen Baubranchen (12 Prozent; Bau gesamt: 25 Prozent).

Die Zahl der Beschäftigten dürfte weitestgehend stagnieren: 82 Prozent der Firmen, planen nicht, ihren Personalstamm anzupassen. 7 Prozent beabsichtigen Neueinstellungen, 11 Prozent Entlassungen. Der Saldo beläuft sich damit auf minus 4 Punkte. Damit liegt er deutlich unter dem Wert vor Jahresfrist (8 Punkte), aber über dem langfristigen Mittel von minus 7 Punkten. 

Grafik Sonderauswertung Bau Jahresbeginn 2021: Umsatzentwicklung

© DIHK

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Dr. Jupp Zenzen Referatsleiter Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen

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Thomas Renner Pressesprecher | Chef vom Dienst