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Vertragslösung in der Ausbildung bedeutet nicht gleich Abbruch

Achim Dercks zum Hintergrund der aktuellen BIBB-Zahlen
Geschäftsleute an einem Tisch besiegeln einen Vertragsschluss per Handschlag

Nicht immer halten Lehrverträge bis zum Schluss

© Morsa Images / DigitalVision / Getty Images

Immer mehr Azubis steigen nach Erkenntnissen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) vorzeitig aus ihrem Ausbildungsverhältnis aus. Vielfach setzten die jungen Menschen ihre Ausbildung allerdings anderswo fort, stellt die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) klar.

Wie das BIBB in seiner Untersuchung "Vorzeitige Vertragslösungen in der dualen Berufsausbildung" meldet, ist die Quote der Azubis, die 2022 ihren Ausbildungsvertrag außerplanmäßig gelöst haben, auf 29,5 Prozent gestiegen. 2021 hatte sie noch bei knapp 27 Prozent gelegen.

Porträtfoto Achim Dercks gestikulierend

Achim Dercks

© DIHK / Werner Schuering

"Aber das bedeutet keinesfalls, dass jeder Auszubildende, der seinen Vertrag vorzeitig löst, auch seine duale Berufsausbildung beendet" sagt Achim Dercks, stellvertretender DIHK-Hauptgeschäftsführer. Studien zeigten vielmehr, dass etwa jeder Zweite seine Ausbildung direkt in einem anderen Beruf oder Betrieb fortsetze.

Gerade in einer Zeit vieler Ausbildungschancen weist die steigende Quote laut Dercks darauf hin, dass Jugendliche sich auch nach Ausbildungsbeginn noch einmal neu orientieren, indem sie eine Chance in einem anderen Betrieb oder Beruf wahrnehmen. "Zum Vergleich: Rund 28 Prozent der Studienanfänger – in den Ingenieurwissenschaften sogar fast 50 Prozent – hören vorzeitig auf. Hier bedeutet Abbruch aber tatsächlich ein Ende des Studiums und nicht nur einen Wechsel. Bei Studienabbrechern geht also viel häufiger Lebenszeit verloren."

Viele Gründe können eine Rolle spielen

"Etwa ein Drittel der vorzeitig gekündigten Ausbildungsverträge wird während der Probezeit gelöst", berichtet der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer. Das liege nicht nur daran, dass der gute Arbeitsmarkt junge Leute zu einem schnelleren Wechsel motiviere: "Auch eine wohnortgünstigere Anbindung an den Betrieb oder die Berufsschule, vielleicht auch noch attraktivere Ausbildungsbedingungen können zu einer Umorientierung führen. Erfahrungen zeigen zudem, dass die mangelnde Berufsorientierung der Corona-Jahre ihre Spuren hinterlassen hat."

Gleichzeitig bedeuteten Vertragslösungen vergebliche Investitionen von Ausbildungsbetrieben und vielfach auch Enttäuschungen bei Unternehmen und jungen Menschen, gibt Dercks zu bedenken. "Eine frühzeitige und gezielte Berufsorientierung kann hier wirkungsvoll vorbeugen."

Um die Entscheidung für eine Berufswahl sicherer zu machen, böten die örtlichen Industrie- und Handelskammern Beratung für Jugendliche an, so sein Hinweis, und viele Unternehmen eröffneten Jugendlichen durch Praktika Einblicke in die Welt der Berufe. "Um einem Ausbildungsabbruch entgegenzuwirken, sollten Instrumente wie die 'Assistierte Ausbildung' oder die Initiative VerA verstärkt genutzt werden."

Die aktuellen BIBB-Zahlen gibt es als PDF-Dokument zum Download auf der Website des BIBB.

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Porträtbild Ulrike Friedrich, Referatsleiterin Ausbildungsmarketing und -analysen | Digitalisierung
Ulrike Friedrich Referatsleiterin Ausbildungsmarketing und -analysen, Digitalisierung

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Thomas Renner Pressesprecher | Chef vom Dienst