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Wansleben: "Es wird für viele Betriebe schwer"

Der DIHK-Hauptgeschäftsführer zur Prognose des Sachverständigenrates
Blick in ein Stahlwerk: Eine große Kokille wird befüllt

Viele Unternehmen bangen um die Energieversorgung

© Monty Rakusen / Cultura / Getty Images

In seiner aktuellen Konjunkturprognose für 2022 und 2023 hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung seine Erwartungen an das deutsche Bruttoinlandsprodukt massiv nach unten revidiert. Ähnlich wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bewertet er die Aussichten als "drastisch" verschlechtert.

"Die deutsche Wirtschaft steht aktuell vor enormen Kraftanstrengungen", kommentiert DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben den Bericht der "Wirtschaftsweisen".

Betriebe bangen um Energieversorgung

"Nach mehr als zwei Jahren Pandemie führt nun der Krieg mitten in Europa zu einer Verschärfung der Lieferengpässe und zu enormen Preissprüngen bei Energie und Rohstoffen." Aktuell wüchsen die Befürchtungen, dass die Versorgung der Unternehmen mit Energie nicht mehr gewährleistet werden könne.

"Konkrete Prognosen für die wirtschaftliche Entwicklung zu erstellen, ist derzeit kaum möglich", stellt Wansleben klar. "Das betont auch der Sachverständigenrat. Fakt ist, es wird für viele Betriebe schwer." Der DIHK-Hauptgeschäftsführer verweist auf eine aktuelle DIHK-Befragung, der zufolge fast 80 Prozent der Betriebe von den Folgen des Krieges betroffen sind. Bereits jedes zehnte Unternehmen berichtet sogar von einer deutlich verschlechterten Finanzlage bis hin zur Insolvenzgefahr.

Konkrete Nothilfe erforderlich

Wansleben: "Umso wichtiger ist es jetzt, die betroffenen Unternehmen mit konkreten Nothilfe-Maßnahmen zu unterstützen. Schnell ermöglichen sollte die Bundesregierung KfW-Kredite mit 100-Prozent-Haftungsfreistellung. In Einzelfällen werden wir auch über Unterstützung in Form von Eigenkapital und direkter Unterstützung reden müssen."

Zur Abfederung der erheblich steigenden Energiekosten solle die Bundesregierung den Spielraum ausnutzen, den die EU kurzfristig eröffne, so Wansleben weiter. "Zusätzlich sollten dringend die steuerlichen Rahmenbedingungen konsequenter verbessert werden. Verluste, die jetzt durch den Krieg in der Ukraine entstehen, sollten über einen längeren Zeitraum steuerlich vollständig verrechnet werden können – entweder mit bereits in der Vergangenheit gezahlten Steuern oder auch mit Steuerzahlungen auf in der Zukunft erzielte Gewinne." 

Porträtfoto Martin Wansleben

Dr. Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer

© DIHK / Paul Aidan Perry

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Porträtfoto Thomas Renner
Thomas Renner Pressesprecher | Chef vom Dienst