Pfadnavigation

„Prüfung abschließen und Gas geben!“

Interview mit Alexander Aisenbrey, Hotelier und Mitglied im DIHK-Tourismusausschuss, über Ausbildungen in der Corona-Pandemie

Macht Auszubildenden Mut: Alexander Aisenbrey, Mitglied im DIHK-Tourismusausschuss und Hotelier

© Öschberghof

Alexander Aisenbrey leitet seit 18 Jahren ein Hotelresort in Donaueschingen. Sein Hotel bildet nicht nur aus, sondern stellt bei den IHK-Prüfungen regelmäßig auch einige Prüfer. Wenn es zeitlich geht, prüft auch er selbst mit. Er legt zudem großen Wert auf einen engen Kontakt mit seinen Auszubildenden. Wir haben ihn gefragt, wie er die Ausbildungssituation im vergangenen Corona-Jahr erlebt hat.

DIHK: Für Sie als Hotelier, Ausbilder und Prüfer sind das seit einem Jahr unruhige Zeiten. Wie würden Sie die aktuelle Lage beschreiben?

Alexander Aisenbrey: Ich habe nun glücklicherweise zwei Drittel unserer Auszubildenden gesprochen, die diesen Sommer ihre Ausbildung beenden. Ich mache das immer am Jahresanfang, um mit ihnen die Karriereplanung und Wünsche zu besprechen: Wer möchte da bleiben, wer braucht Unterstützung? Grundsätzlich kam die Rückmeldung, dass sie trotz Lockdown mit ihrer Ausbildung zufrieden sind. Aufgrund der aktuellen Situation kamen auch Rückmeldungen, dass sie in den letzten Monaten nicht so viel gelernt haben, auch gewisse Abteilungen nicht besuchen konnten, die auf dem Ausbildungsrahmenplan stehen. Positiv zu erwähnen ist, dass die jungen Menschen trotz der misslichen Lage in keine Depression verfallen sind, weil die Ausbildung nicht so durchgeführt werden konnte, wie sie hätte sein sollen.

DIHK: Wie haben Sie trotz der Pandemie-Lage versucht, Ihre Auszubildenden bestmöglich einzusetzen?

Alexander Aisenbrey: Wir kümmern uns nach wie vor sehr um unsere Auszubildenden. Wir haben insgesamt über 80 Studenten und Auszubildende. Unsere Auszubildenden – aus Küche, Restaurant und Hotel – haben wir bestmöglich eingesetzt. Die meisten Auszubildenden betreuen das Hotel in ihrer Notbesetzung, vor allem in den Bereichen Empfang, Reservierung, Marketing und Housekeeping. Insofern haben sie schon immer etwas zu tun, aber natürlich ohne Gäste. Die Gäste vermissen unsere Auszubildenden am meisten!

DIHK: Wo liegen die größten Hürden?

Alexander Aisenbrey: Die größte Problematik war, dass diese so noch nie dagewesene Situation die Betriebe, die IHKs, die Politik, die Schulen, die Ämter vor eine große Herausforderung stellte. Es wurde nicht überlegt, ob man bei den Auszubildenden einen Sonderweg gehen müsste. Wenn ich überlege, dass die Auszubildenden trotz Vollschließung des Resorts noch sechs weitere Wochen weiterbeschäftigt werden mussten, bevor wir sie in Kurzarbeit schicken konnten, und das alles ohne einen Euro Umsatz. An dieser Stelle muss ich mich fragen: War das sinnvoll?

Jetzt sind wir ein Hotel mit relativ vielen Möglichkeiten, sodass eine Weiterbeschäftigung unserer Auszubildenden unproblematisch war. Wir haben Großputz gemacht, haben einen Teil auf den Golfplatz zu dessen Pflege gegeben, und das Golfsekretariat, welches im ersten Lockdown komplett geöffnet war, wurde mit unseren Azubis besetzt. Wir konnten demnach alle Auszubildenden beschäftigen, aber ganz sicher nicht immer mit sinnvollen Inhalten ausstatten – das muss man auch sagen. Da wünsche ich mir von den IHKs auch künftig mehr Empfehlungen.

DIHK: Wie hat sich durch die Pandemie die Zusammenarbeit mit den Berufsschulen verändert?

Alexander Aisenbrey: Das hat eigentlich gut geklappt. Die Auszubildenden waren auch mit dem Pandemie-bedingten Online-Unterricht sehr zufrieden – sind es auch jetzt noch. Wir kennen auch nahezu alle Lehrer und den Schulleiter sehr, sehr gut. Das hat eigentlich für die Situation sehr gut funktioniert. Ich glaube auch, die Azubis sind gut auf die Prüfung vorbereitet.

DIHK: Gibt es von Ihrer Seite noch besondere Bemühungen, wie Sie die Auszubildenden konkret auf die Prüfungen vorbereiten?

Alexander Aisenbrey: Wir haben eine eigene Schulungsakademie. Die Auszubildenden werden auf die Prüfungen sukzessive vorbereitet. Es werden Schulungen durchgeführt, die Theorie wird besprochen, es wird für die Prüfung gekocht und so weiter. Aber das können wir auch nur machen, weil wir ein großer Betrieb sind. Ich bin mir nicht sicher, ob das für so ein mittelgroßes Hotel ebenfalls so umsetzbar ist. Diejenigen, mit denen ich gesprochen habe, fühlen sich dadurch auch ganz gut vorbereitet auf die anstehenden Prüfungen. Es sind auch noch einige Schulungen geplant. Wir sind hier guter Dinge.

DIHK: Die Praxiserfahrung fehlt aber weiterhin. Gab es da Methoden, die Sie angewandt haben, um das auszugleichen?

Alexander Aisenbrey: Da gab es leider gar nichts, da fand auch nichts statt. Wir konnten die Gäste auch nicht ersetzen oder irgendwas anderes machen. Final muss man sagen: Man hätte sicherlich etwas organisieren können, wenn auch hier nicht so viele rechtliche Hürden zu erfüllen gewesen wären.

DIHK: Was konnte man aus dem Ablauf der Prüfungen im vergangenen Jahr lernen?

Alexander Aisenbrey: Hier war alles relativ normal bei uns. Ich bin der festen Überzeugung, dass auch dieses Jahr versucht wird, die Prüfungen qualitativ durchzuführen. Unsere IHK - das muss man anerkennend erwähnen – versucht, alles in ihrer Macht Stehende zu tun: Ich glaube, sie haben eine große Halle gemietet, in der der Abstand eingehalten werden kann. Dadurch wird die theoretische Prüfung gut von Statten gehen. Wie die praktischen Prüfungen laufen, sehen wir dann im Juli und August.

DIHK: Was erwarten Sie für die künftigen Monate? Wo sehen Sie noch Herausforderungen und Probleme – natürlich auf die Ausbildung bezogen, aber auch auf Ihren Betrieb generell?

Alexander Aisenbrey: Auf die Ausbildung bezogen sehe ich überhaupt keine Probleme. Sobald wir wieder öffnen, läuft die Ausbildung wieder in der gewohnten Qualität ab, wie wir es immer geboten haben. Da freuen sich auch schon alle drauf. Ein Problem wird die Mitarbeiteranzahl sein. Wenn man die gesamte Branche betrachtet, sind doch einige Mitarbeiter in andere Branchen gewechselt. Die werden fehlen. Viele Betriebe haben auch schon letztes Jahr keine Auszubildenden eingestellt. Ich bin gespannt, wie es dieses Jahr sein wird. Final wird es uns erst in drei Jahren richtig weh tun, weil wir in der Branche insgesamt weniger Fachkräfte ausbilden und haben werden. Die Auszubildendenzahl wird auf jeden Fall wesentlich niedriger ausfallen. Das hängt nun alles davon ab, wie es sich dieses Jahr entwickelt. Das wird die Hauptproblematik darstellen. Ich glaube, im Bezug auf das Gästevolumen, Reiseverhalten und die Zufriedenheit wird alles wieder normal werden, wenn irgendwann die Beschränkungen wegfallen. Da habe ich überhaupt keine Angst davor. Aber durch die Pandemie-Situation ist unser Mitarbeitermangel – und es geht nicht nur um die Fachkräfte, sondern grundsätzlich um den Mitarbeiter – noch ein Stück schlimmer geworden.

DIHK: Was würden Sie Ihren Auszubildenden für ihre Prüfungen noch raten?

Alexander Aisenbrey: Immer mit fröhlicher Motivation rangehen, die Note ist für den weiteren Verlauf des Lebens nicht relevant. Ich glaube, meine Ausbildungsnote hat nie mehr jemand angeschaut. Wir als Betrieb schauen auch ganz selten nur auf die Noten. Es kommt mehr darauf an, ob der Mitarbeiter, die Mitarbeiterin, die nötige Motivation und Lust mitbringt. Wie ist die persönliche Darstellung? Der eine ist gut im Auswendiglernen und bekommt eine Eins, final ist er am Gast aber vielleicht ungeeignet. Und ein anderer ist der absolute Gästebegeisterer, lernt halt nicht gern und hat vielleicht nur einen Dreier-Durchschnitt. Ich rate also, keine Angst davor haben, die Prüfung zu machen, und einfach die Mission weiterverfolgen. Es ist eine tolle, sehr, sehr variantenreiche Branche. Man kann eine tolle Karriere machen, und das in der ganzen Welt. Das muss man sich einfach immer wieder vor Augen halten: Dass wir aktuell so „gebeutelt“ sind, liegt nicht an der Branche. Es liegt einfach an den Entscheidungen der Politik und an dem Virus. Ich glaube, es gibt genügend Jobs in jeglicher Facette in unserer Branche, also: Prüfung abschließen und Gas geben!

Das Interview führte Charlotte Pekel.


Kontakt

Porträtbild Daphne Grathwohl, Referatsleiterin Strategische Themenplanung und Qualitätssicherung
Daphne Grathwohl Referatsleiterin Strategische Themenplanung und Qualitätssicherung

Kontakt

Avatar weiblich
Charlotte Pekel Praktikantin