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Eine betriebliche Ausbildung trotz Corona?

Zahlen, Daten, Fakten zur aktuellen Lage auf dem Lehrstellenmarkt
Junger Mann auf Brückengerüst

Wer mit einer beruflichen Qualifikation – etwa als Gerüstbauer – hoch hinaus möchte, soll ab August besser gefördert werden

© IHK Köln/Ahrens+Steinbach

Eine betriebliche Ausbildung beginnen – und das in Corona-Zeiten? Manche Schulabgänger fragen sich derzeit, ob dieser Weg der richtige ist für eine sichere Zukunft. Doch auch die Unternehmen suchen Wege aus der Krise, um danach richtig durchzustarten. Und dafür brauchen sie gute Fachleute – am besten gleich selbst ausgebildet.

Langsam geht es für die jungen Menschen in die heiße Phase. Viele sind durch die Pandemie-Erfahrung verunsichert: Wie geht es weiter nach der Schule: Wo sehe ich mich in fünf Jahren? Welche Themen, Fachgebiete interessieren mich? Studium oder Ausbildung?

Doch auch bei vielen Betrieben herrschen Unsicherheiten. Schließlich sind viele Unternehmen in Deutschland von der Pandemie betroffen, führen ihren Geschäftsbetrieb nur eingeschränkt fort oder mussten ihr Geschäftsmodell gar ganz umstellen. Können sie überhaupt ausbilden?

Acht Prozent weniger Bewerber als im Vorjahr

In der Corona-Krise ist bislang die Zahl der Bewerber deutlich stärker gesunken als das Angebot an Ausbildungsplätzen. Es gibt also deutlich mehr offene Lehrstellen als Interessenten. Zum Stichtag 31. Mai 2021 verzeichnet die offizielle Statistik der Bundesagentur für Arbeit rund 366.700 Bewerberinnen und Bewerber – ein Minus von rund acht Prozent im Vergleich zum Mai 2020. Zugleich waren rund 450.900 unbesetzte Ausbildungsstellen gemeldet – knapp drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dieser Rückgang beruht vor allem auf Effekten in den von Corona betroffenen Branchen Tourismus und Gastronomie sowie Teilen der Industrie. 

Die Corona-Krise verstärkt damit ein bekanntes Phänomen: In Deutschland gibt es seit vielen Jahren weit mehr unbesetzte Ausbildungsplätze als unvermittelte Jugendliche. So standen im vergangenen Jahr knapp 60.000 unbesetzte Ausbildungsplätze rund 29.300 unvermittelten Ausbildungsplatzbewerbern gegenüber. Zahlreiche Betriebe nehmen die Corona-Pandemie zum Anlass, neue Wege aus der Krise zu entwickeln, wie die DIHK-Best-Practice-Beispiele zeigen. Doch dafür braucht man erst recht gut ausgebildete, motivierte Fachkräfte.

Azubis gesucht ...

Die Herausforderung ist also nicht etwa ein Mangel an betrieblichen Ausbildungsplätzen, sondern das Matching zwischen dem reichlichen Angebot und der Nachfrage. In vielen Initiativen versuchen IHKs, dieses Matching zu unterstützen – zum Beispiel mit digitalen Einsätzen von Ausbildungsbotschaftern, virtuellen Azubi-Speed-Datings oder Ausbildungsberatungen per Video-Chat.

Wichtig zu wissen: Es gibt noch zahlreiche Chancen auf einen Ausbildungsplatz, unter anderem in Bereichen, die kaum unter der Pandemie leiden oder sogar besonders gefragt sind. Im Lebensmitteleinzelhandel und in der IT-Branche etwa sieht es für Ausbildungssuchende gerade sehr gut aus. Zudem lässt das aktuell große Bewerber-Minus vermuten, dass noch viele junge Menschen für eine duale Ausbildung infrage kommen.

... und zur Übernahme vorgesehen

Dass Unternehmen auch in Krisenzeiten weiter einstellen, belegt die relativ stabile Übernahmequote von rund 60 Prozent im Jahr 2020 inmitten der Pandemie. Das Ausbildungsengagement der Betriebe läuft auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ab. Der Fachkräftemangel gehört nach wie vor zu den größten Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft. In den nächsten 15 Jahren wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland um rund vier bis sechs Millionen zurückgehen.

Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern" unterstützt Betriebe

Unterstützung finden die Betriebe auch im Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern", das im März 2021 deutlich ausgeweitet wurde. So wird etwa die Förderung mit Ausbildungsprämien bis zum 31. Mai 2021 verlängert. Für Ausbildungen, die ab dem 1. Juni 2021 beginnen, gilt die höhere Fördersystematik: Die Ausbildungsprämien von derzeit 2.000 beziehungsweise 3.000 Euro werden jeweils verdoppelt. Außerdem können zum 1. Juni 2021 auch kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitern profitieren.

"Ausbildungsgarantie" durch die Allianz für Aus- und Weiterbildung

Seit Besiegelung der Allianz für Aus- und Weiterbildung gibt es in Deutschland bereits eine ausgewogene "Ausbildungsgarantie" im Sinne einer Chancengarantie: Die Wirtschaft macht jedem vermittlungsbereiten Jugendlichen, der zum 30. September noch keinen Ausbildungsplatz hat, drei Angebote für eine betriebliche Ausbildung. Zu dieser Zusage steht sie weiterhin. Der in der Allianz für Aus- und Weiterbildung vereinbarte "Sommer der Ausbildung" wird dazu weitere vielfältige Beiträge leisten. An dieser Stelle werden wir Sie darüber fortlaufend informieren.

Deutschland verzeichnet mit 6,1 Prozent (Stand Februar 2021) die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in der EU – und das seit Langem. Ein Zeichen, dass Wirtschaft, Azubis und IHKs auf dem richtigen Weg zu einer perspektivreichen Zukunft sind.

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Mann im Haus der deutschen Wirtschaft
Markus Kiss Referatsleiter Ausbildungspolitik und -projekte

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Porträtbild Ulrike Friedrich, Referatsleiterin Ausbildungsmarketing und -analysen | Digitalisierung
Ulrike Friedrich Referatsleiterin Ausbildungsmarketing und -analysen, Digitalisierung

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Daphne Grathwohl Referatsleiterin Newsroom | Strategische Themenplanung und Qualitätssicherung