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Ausbildungsprogramm der Bundesregierung auf dem Weg

DIHK: Betriebe müssen schnell informiert werden
Junger Mann mit Schutzbrille arbeitet an einer Drehmaschine

Ausbildungsplätze zu sichern, muss jetzt hohe Priorität haben

© industryview / Getty Images Plus

Die Bundesregierung hat am 24. Juni Hilfen auf den Weg gebracht, die dazu beitragen sollen, in der Corona-Krise Ausbildungsplätze zu sichern. Demnach sollen Covid-19-betroffene Unternehmen, die weiterhin ausbilden, Prämien erhalten. Auch die Übernahme von Azubis aus pandemiebedingt insolventen Betrieben wird honoriert.

Konkret soll die Ausbildungsprämie an Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten gehen, die von der Krise stark betroffen sind, die Zahl ihrer Auszubildenden im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen drei Jahre aber dennoch nicht verringern. Diese Betriebe erhalten 2.000 Euro für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag. Für zusätzliche Ausbildungsplätze gibt es 3.000 Euro.

Kleinen und mittleren Unternehmen, die einen Azubi aus einem Betrieb übernehmen, der Covid-19-bedingt aufgeben musste, winkt eine einmalige Prämie in Höhe von 3.000 Euro.

Details finden Sie auf der Website der Bundesregierung.

Der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks bewertet es positiv, dass die Bundesregierung nun ein Unterstützungspaket auf den Weg bringt, denn: "Wir stehen vor den entscheidenden Wochen für die Entwicklung des Ausbildungsmarktes in diesem Krisenjahr. Viele Ausbildungsbetriebe befinden sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und leiden unter Liquiditätsengpässen."

In den Sommermonaten Jugendliche und Betriebe zusammenbringen

Die angekündigte Ausbildungsprämie könne eine gute Motivation für kleine und mittlere Betriebe sein, auch unter schwierigen Bedingungen ihre Ausbildungsanstrengungen aufrechtzuerhalten.

"Das Instrument kann aber nur zusammen mit anderen Aktivitäten wirken", gibt er zu bedenken. "In den Sommermonaten kommt es entscheidend darauf an, noch suchende Jugendliche und Ausbildungsbetriebe zusammenzubringen, zum Beispiel über virtuelle Speed-Datings der Industrie- und Handelskammern oder andere digitale Formate. In der zentralen Lehrstellenbörse der IHKs gibt es ebenfalls noch viele offene Stellen."

Besonders wichtig ist es laut Dercks, Unternehmen die Sorge zu nehmen, im Fall von Kurzarbeit mit den Kosten der Ausbildung alleine dazustehen. "Die vorgesehene Förderung ist daher richtig. Sie kann perspektivisch ein Sicherheitsnetz für Betriebe sein, wenn sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten."

Keine nur vorübergehenden Trägerstrukturen etablieren

Wichtig wäre nach Auffassung des DIHK jedoch, diese Regelung auf Betriebe aller Größenklassen auszuweiten und auch noch für 2021 zu ermöglichen. Denn, so Dercks: "Viele Unternehmen können die Entwicklung bis dahin nicht abschätzen und sorgen sich um Rückschläge im Rahmen der Pandemie-Bekämpfung. Eine gewisse Absicherung gegen dieses Ausbildungsrisiko würde helfen, Betriebe in dieser unsicheren Phase zur Ausbildung zu ermutigen."

Zudem müsse bei der der Förderung von Verbund- und Auftragsausbildung die Kooperation von Betrieben Vorrang haben. "Finanzielle Unterstützung sollte nicht zur Etablierung neuer Trägerstrukturen führen, die später nicht mehr gebraucht werden", gibt der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer zu bedenken. "Eine Ausbildung direkt in der betrieblichen Praxis, wenn auch nicht immer im Wunschberuf, ist zielführender als die Qualifizierung in einer Lehrwerkstatt." Betriebliche Einstiegsqualifizierungen seien vor allem für Leistungsschwächere eine gute Brücke in eine betriebliche Ausbildung.

Abwartehaltung vermeiden

Dercks' Appell: "Nun müssen die Betriebe sehr rasch über die Details der Umsetzung informiert werden. Sonst wächst die Gefahr, dass Unternehmen abwarten und zunächst keinen weiteren Ausbildungsvertrag abschließen. Die Industrie- und Handelskammern werden gerne unterstützen."

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Mann im Haus der deutschen Wirtschaft
Markus Kiss Referatsleiter Ausbildungspolitik und -projekte