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Azubimarketing – so klappt's mit den Nachwuchstalenten!

Gastbeitrag aus der "Position" von André Mücke, Unternehmer und Mitglied im DIHK-Bildungsausschuss
Zwei junge Menschen recherchieren auf dem Smartpad

Auch die Ansprache potenzieller zukünftiger Azubis findet zunehmend online statt

© PeopleImages / E+ / Getty Images

Diese Herausforderung kennen viele Ausbildungsbetriebe: Es wird immer schwieriger, genügend und ausreichend qualifizierte Azubis zu finden. Die Beschränkungen seit dem ersten Corona-Jahr 2020 haben für zahlreiche Unternehmen die Rekrutierung nicht einfacher gemacht, im Gegenteil. Über den umständehalber oft digitalen Weg zu neuen Azubis schreibt André Mücke, Geschäftsführer DSA youngstar GmbH.

"Allein in den IHK-Berufen lag die Zahl der Ausbildungsverträge zum Stichtag 30. September mit 260.000 um 13,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Für Unternehmen stellt sich damit die – oftmals überlebenswichtige – Frage: Wie kann ich meinen Fachkräftenachwuchs auch morgen noch sichern?

 In der aktuellen Situation ist diese Fragestellung umso wichtiger, als dass viele klassische Formen des Ausbildungsmarketings derzeit nicht stattfinden können: Berufsorientierungsmessen sind abgesagt, Schulbesuche bei Betrieben dürfen nicht stattfinden. Man verliert Sichtbarkeit.

Doch gerade hier liegt eine große Chance für engagierte Ausbildungsbetriebe: Stellen Sie Ihr bisheriges Ausbildungsmarketing auf den Prüfstand und entwickeln Sie neue Ansätze der Zielgruppenansprache.

Der wichtigste Aspekt zuerst: Fast alle zukünftigen Azubis besuchen heute eine weiterführende Schule. Es lohnt also, sich mit der Berufsorientierung in diesen Schulen zu beschäftigen – und sie zu unterstützen! Viele Schulen sind dankbar, wenn sich Unternehmen aktiv in der Phase der Berufsorientierung einbringen. So gelingt der praktische Austausch mit der Wirtschaft – und aus Unternehmenssicht der erste Kontakt zu den potenziellen Nachwuchskräften.

In Corona-Zeiten muss dieser Austausch an den Distanz- und Wechselunterricht angepasst werden. Digitale Formate wie Videokonferenzen mit Ausbildern und Auszubildenden erfreuen sich in den Schulen steigender Beliebtheit und bieten für Betriebe die Chance, das eigene Ausbildungsangebot zu präsentieren. Mit analogen oder digitalen Bewerbungsratgebern, in denen Tipps und Tricks für den Bewerbungsprozess enthalten sind, unterstützen Betriebe aktiv die Berufsorientierung – und können sich gleichzeitig als attraktives Ausbildungsunternehmen präsentieren. Eine Win-Win-Situation für Schule und Wirtschaft.

Doch wie gelingt der direkte Kontakt zu den Schulen?

Für kleine Betriebe ist es vergleichsweise einfach, sich einen guten Kontakt zu den örtlichen Schulen aufzubauen. Hierbei ist es hilfreich, sich direkt an die zuständigen Berufsorientierungslehrer zu wenden und die Hilfe bei der Berufsorientierung anzubieten. Für mittlere und große Betriebe – insbesondere mit mehreren Standorten oder Filialen – ist es deutlich schwieriger, da die Anzahl der relevanten Schulen in die Hunderte oder Tausende gehen kann.

Hier hilft viel Fleiß – oder das Einschalten eines auf Schulmarketing spezialisierten Dienstleisters. Seit einigen Jahren ist auch das Buchen von Ausbildungs-Kampagnen direkt in Schulen – beispielsweise auf den digitalen "Zukunftssäulen" – möglich.

Ein weiterer Erfolgsfaktor: Eine junge Ansprache potenzieller Azubis auf der eigenen Website. Die meisten Unternehmen machen hier den Fehler und präsentieren das eigene Angebot aus dem Blickwinkel erfahrener Fachkräfte. Lassen Sie stattdessen Ihre Azubis ans Werk! Wenn Ihre Azubis in einem 120-Sekunden-Video erklären, warum sie gerne bei Ihnen arbeiten und sich für diese Ausbildung entschieden haben, ist das authentischer und wirksamer als viel Text.

Ein letzter Tipp: Wenn Social Media – dann bitte richtig. Kaum ein Schulabgänger ist heute bei Facebook unterwegs. Nutzen Sie stattdessen Instagram und YouTube. Die junge Zielgruppe steht auf Videos mit klaren Botschaften, einem pfiffigen Schnitt – und bitte nicht länger als zwei Minuten.

Aber auch hier gilt: Lassen Sie einmal Ihre eigenen Azubis an die Redaktion. Sie werden erstaunt sein, welche Ideen auf einmal funktionieren! In diesem Sinn: Viel Erfolg bei Ihrer Azubisuche!"

Zur Person

André Mücke (43) ist Geschäftsführer der Agentur DSA youngstar GmbH, die auf Schul- und Ausbildungsmarketing spezialisiert ist und gemeinsam mit IHKs digitale Zukunftssäulen in Schulen entwickelt hat. André Mücke ist Mitglied im DIHK-Bildungsausschuss. Von 2014 bis 2020 war er Vorsitzender des Bildungsausschusses der Handelskammer Hamburg und von 2017 bis 2020 als Vizepräses Mitglied des Präsidiums.

Der Artikel erscheint in der Frühjahrs-Ausgabe des IHK-Berufsbildungsmagazin "Position". Informationen zum Bezug finden Sie unter www.ihk-position.de.


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Mann steht vor Gemälde und hat die Arme verschränkt.
Thilo Kunze Referatsleiter Infocenter, Chefredakteur POSITION