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Corona-Maßnahmen sollten "zumindest pragmatisch" sein

DIHK-Präsident Peter Adrian zu "Bändchen-Lösung" & Co.
Kundinnen und Kunden mit Maske warten vor einem Geschäft

Die Umsetzung der jeweiligen Corona-Regeln stellt den Einzelhandel vor große Herausforderungen

© Luis Alvarez / DigitalVision / Getty Images

Nach dem Bund-Länder-Rahmenbeschluss von Anfang Dezember haben die einzelnen Bundesländer teils recht heterogene Corona-Verordnungen erlassen. Die Einzelhandelsunternehmen in Deutschland arbeiten nun unter sehr unterschiedlichen Bedingungen – aber stets mit Zusatzaufwand und Umsatzeinbußen.

Je nach regionaler Hospitalisierungsrate oder Inzidenz gelten in den einzelnen Ländern aktuell verschiedenste Regeln für den Kunden-Zugang wie auch für die Kontrolle. In den von der Pandemie besonders stark betroffenen Ländern wie Sachsen oder Thüringen wurden beispielsweise alle Weihnachtmärkte verboten. Dagegen dürfen die Marktbeschicker in Bremen, Nordrhein-Westfalen, im Saarland und weiteren Regionen Kunden begrüßen – die Bedingungen hierfür reichen von der reinen Maskenpflicht bis hin zu 2G+, also einem Geimpft- oder Genesenenstatus plus Test, in Verbindung mit FFP2-Masken.

Länder-Verordnungen setzen sehr unterschiedliche Spielregeln

Die Betriebe müssen dabei nicht nur den Überblick über sich ständig ändernde Regeln behalten, sondern haben auch erheblichen Aufwand bei der Umsetzung. "Die Wirtschaft engagiert sich stark, um ihre Geschäftstätigkeit mit Gesundheitsschutz und der Pandemie-Eindämmung zu verbinden", stellt DIHK-Präsident Peter Adrian klar. "Wenn allerdings der Staat seine ureigenen Aufgaben wie die Kontrolle der Corona-Maßnahmen ohne Kompensation an die Wirtschaft delegiert, dann sollten die Regelungen zumindest pragmatisch sein."

Oft wird vollständige Kontrolle gefordert

Denn die Umsetzung von 2G mute den Handelsunternehmen vielerorts einiges zu: "In größeren Läden und Zentren ist die Besucherfrequenz vergleichbar mit Bahnhöfen oder dem öffentlichen Nahverkehr, wo der Staat aus Praktikabilitätsgründen bei seinen staatlichen Betrieben lediglich Stichproben fordert", so Adrian. "Von privaten Betrieben verlangen viele Bundesländer aber die vollständige Kontrolle in jedem Einzelfall."

Für viele Geschäfte bedeuteten diese Kontrollen überdurchschnittlich hohen Personaleinsatz und Kosten – bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen, gibt der DIHK-Präsident zu bedenken. "Hier sollte die Politik im Interesse der Händler und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schnell gegensteuern, so die Rückmeldungen aus den Industrie- und Handelskammern."

"Bändchen-Lösung" kann Aufwand verringern

Und er nennt Bundesländer, die es bereits vormachen: "So muss in Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz nur stichprobenartig kontrolliert werden. Dort, wie beispielsweise auch in Hamburg und Nordrhein-Westfalen, besteht außerdem die Möglichkeit der 'Bändchen-Lösung'." Bei diesem Konzept wird nur einmal kontrolliert, und die Kunden erhalten dann einen "Tagesausweis", mit dem sie im gesamten Einzelhandel vor Ort einkaufen können. Adrian: "Andere Bundesländer sollten diesen Beispielen umgehend folgen."

Datenbank für digitale Tools und mehr auf www.ihk.de

Bei der Zugangskontrolle für Kunden wie auch bei anderen Herausforderungen, vor denen die Unternehmen in der Pandemie stehen – Stichworte 3G am Arbeitsplatz, Umsetzung der Hygieneregeln, Kundenrückgewinnung – können digitale Tools helfen. Ob Buchungssysteme oder Lösungen für Kontaktnachverfolgung, Instrumente zur Erfassung und Dokumentation des Impfstatus oder Smart Services: Die Vielfalt der Angebote ist beeindruckend.

Der DIHK hatte bereits zu Beginn der Pandemie unter der Adresse www.ihk.de/digitale-anwendungen eine Datenbank eingerichtet, in der zahlreiche Anwendungen gelistet sind. Eine Qualitätsüberprüfung wurde ausdrücklich nicht vorgenommen. Der DIHK hat jedoch einen Orientierungsrahmen entwickelt, der aufzeigt, worauf bei der Auswahl einer geeigneten Anwendung zu achten ist. Darüber hinaus ist unter www.ihk.de/it-sicherheits-kriterien eine Checkliste mit Kriterien für vertrauenswürdige IT-Dienstleister abrufbar.

Peter Adrian sitzt an einem Tisch mit einem geöffneten Dokument

DIHK-Präsident Peter Adrian

© Werner Schuering

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