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"Ich bin selbst aktiv geworden"

Corona-Tests im eigenen Betrieb – Der Rostocker Unternehmer von Stein erklärt, wie und warum er damit angefangen hat
Christoph Freiherr von Stein, Geschäftsführer der Schöne alte Häuser GmbH in Rostock

Im Gespräch mit dem DIHK spricht von Stein über seine Erfahrungen mit Corona-Tests

© privat

Hotellerie, Gastronomie, Handel – in den Lockdown-Branchen wird die Luft immer dünner. Betriebliche Corona-Tests gelten als ein Mittel, um Unternehmen wirtschaftliches Handeln wieder zu ermöglichen. Christoph Freiherr von Stein, Geschäftsführer von Einblasdaemmung.de, hat die Chancen von Corona-Tests in seinem Betrieb schon vor einem halben Jahr erkannt – und gehandelt.

Im Gespräch mit dem DIHK erläutert er, warum er Schnelltests für unverzichtbar hält, um unter schwierigen Bedingungen weiter verlässlich wirtschaften zu können:

Herr von Stein, Sie sind Pionier bei betrieblichen Corona-Tests. Wie kam es dazu?

"Unsere Monteure fahren zu Baustellen kreuz und quer durch die gesamte Bundesrepublik. Im Falle einer unentdeckten Infektion wären sie sozusagen die perfekten Superspreader. Bis September 2020 hatten wir – wie alle anderen auch – gegen das Coronavirus nur Masken, Desinfektionsspray und Abstandhalten. Das war halt Stand der Technik, aber eher von der Sorte "Notbehelf", weil es nichts Besseres gab. Als dann im September letzten Jahres die Corona-Schnelltests besser verfügbar wurden, aber nur an Ärzte verkauft werden durften, habe ich das nicht verstanden. Ich bin deshalb selbst aktiv geworden und habe mir die Corona-Schnelltests besorgt. Das konnte ich aber nur in einer rechtlichen Grauzone hinbekommen. Seitdem testen wir zweimal pro Woche. Genau genommen testet sich jeder selbst, daher brauchen wir keinen Arzt im Astronautenkostüm. Es ist ja auch nicht schwieriger als Schuhe zubinden oder Fingernägel schneiden."

Nach einer jetzt erfolgten Änderung der Medizinprodukteabgabeverordnung dürfen die Schnelltests auch offiziell an Betriebe ohne medizinisches Personal abgegeben werden. 

"Ich finde das reichlich spät, aber besser spät als nie. Immerhin kommen jetzt die ersten Tests in den Versandhandel. Wichtig ist doch, dass sich Unternehmen bessere Möglichkeiten erschließen können, unter den Pandemiebedingungen so frei wie möglich zu wirtschaften. Womöglich hätten wir uns nach meiner Meinung manche Corona-Beschränkungen ersparen können, wenn wir frühzeitig damit begonnen hätten, systematisch zu testen."

Welche Vorteile bieten Corona-Schnelltests in Ihrem Unternehmen?

"Im betrieblichen Alltag erhöhen sie die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Kunden. Klar ist doch: Würde man das Virus sehen, dann hätten wir keine Pandemie. Hauptaufgabe der Tests ist es, das Virus sichtbar zu machen und diejenigen Menschen zu warnen, die symptomlos oder symptomarm infiziert sind und möglicherweise andere Menschen anstecken können. Wenn man die Anleitung übrigens Schritt für Schritt befolgt, ist ein Corona-Schnelltest einfacher als ein Schwangerschaftstest."

Es spricht also nach Ihrer persönlichen Erfahrung nichts gegen solche Tests in Betrieben?

"Keinesfalls! Zwar gibt es innerhalb der Unternehmerschaft dem Thema gegenüber auch Vorbehalte. Einige fürchten sich vor Betriebsschließungen bei positiven Tests von Mitarbeitern, andere fühlen sich unsicher, was die Umsetzung der Testungen angeht. Aber ein erkannter "Positiver" ist immer noch besser als ein Unerkannter, auch für das Unternehmen und für den Infizierten selbst. Solange wir mit dieser Pandemie zu kämpfen haben, sind regelmäßige, betriebliche Testungen aus meiner Sicht unverzichtbar, um unter schwierigen Bedingungen weiter verlässlich wirtschaften zu können."



Auf unserer Website stellen wir zum Thema "Corona-Tests in Unternehmen" in loser Reihe und ohne Anspruch auf Vollständigkeit Unternehmen vor, die in ihrem Betrieb Corona-Tests durchführen. Möchten auch Sie Ihre Erfahrungen teilen oder ein gutes Unternehmensbeispiel nennen? Dann melden Sie sich bei uns!

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