"Mitmachen ist Ehrensache"

Eberhard Flammer, Unternehmer und HIHK-Präsident, zu Corona-Tests in seinem Betrieb
HIHK-Präsident Eberhard Flammer

Übernimmt Verantwortung: Im Unternehmen wie auch in der IHK-Organisation

© HIHK / Annika List

Wie Eberhard Flammer, Chef der Elkamet Kunststofftechnik GmbH aus Biedenkopf, Corona-Tests für die insgesamt 890 in Präsenz arbeitenden Männer und Frauen seines Unternehmens organisiert, erläutert er in einem Gespräch mit dem DIHK.

Herr Flammer, Sie leiten einen klassischen Industriebetrieb. Testen Sie Ihre Mitarbeiter schon regelmäßig auf das Coronavirus?

Ja, wir testen seit Mitte März. Ab April nun auch zweimal pro Woche. Bei uns arbeiten aktuell ungefähr 60 Prozent der Mitarbeiter in Präsenz im Betrieb, das sind rund 850 Menschen. Für sie haben wir eine Art Teststraße eingerichtet, mit Datenerfassung und Abstrich. Gemanagt wird das von professionellem Fachpersonal und Ärzten, die wir für unsere Teststrategie angeheuert haben. Flankiert wird das natürlich durch ein strenges AHA-Hygieneregime auf dem gesamten Betriebsgelände.

Gab es auch schon positive Corona-Fälle in Ihrem Betrieb?

Ja, vereinzelt kam es vor, dass Mitarbeiter nach dem Schnelltest im Betrieb zum PCR-Abstrich geschickt wurden. In wenigen Einzelfällen hat sich die Diagnose dann auch bestätigt. Wir haben daraufhin mit einer strengen Kontaktnachverfolgung reagiert, um unseren Betriebsablauf nicht zu gefährden. Bislang hat das gut geklappt.

Das klingt ja alles schon sehr aufwendig. Warum engagieren Sie sich für betriebliche Corona-Tests?

Mitmachen ist Ehrensache, das ist doch klar! Denn wenn sich der Virus erstmal im Betrieb ausbreitet, ist der wirtschaftliche Schaden doch viel größer. Auch wenn die meisten Infektionen im privaten Bereich stattfinden, werden sie natürlich in die Unternehmen hineingetragen. Wir sollten deshalb diejenigen Instrumente nutzen, die wir zur Verfügung haben. Auch wenn uns die Tests jeden Monat immerhin rund 20.000 Euro kosten.

Eine Testpflicht für Unternehmen lehnen Sie aber ab?

Ich finde es problematisch, Dinge verpflichtend zu machen, die die meisten Unternehmen schon sehr gewissenhaft umsetzen. Zumal die Behörden beim Testen ja teilweise selbst noch Nachholbedarf haben. Ich setze lieber auf das Prinzip‚ 'Führen durch Vorbild'. Da macht man mit und fragt nicht zuerst, wer's bezahlt. Es ist schließlich auch in ethischem Interesse, dass die Seuche bekämpft wird.

Eberhard Flammer ist Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK), Präsident der Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill und Chef der Elkamet Kunststofftechnik GmbH mit Sitz im mittelhessischen Biedenkopf. Die Firma stellt beispielsweise Dichtungen für Autoscheiben und Hydraulik-Ölbehälter für Bau- und Landmaschinen her.



Auf unserer Website stellen wir zum Thema "Corona-Tests in Unternehmen" in loser Reihe und ohne Anspruch auf Vollständigkeit Unternehmen vor, die in ihrem Betrieb Corona-Tests durchführen. Möchten auch Sie Ihre Erfahrungen teilen oder ein gutes Unternehmensbeispiel nennen? Dann melden Sie sich bei uns!

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