"Testen bringt ohne Zweifel wirtschaftliche Vorteile"

Interview mit dem Unternehmer Thomas Meyer, Präsident der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid und DIHK-Vizepräsident a.D.
Thomas Meyer, DIHK-Vizepräsident a.D.

Als Chef eines weltweit operierenden Konzerns setzt Meyer auf Coronatests – auch in Deutschland

© Ute Klein

Thomas Meyer ist geschäftsführender Gesellschafter der TKM Gruppe, die international Industriemesser und -sägen herstellt und vertreibt. Im österreichischen Werk hat der Konzern bereits im vergangenen März Corona-Tests eingeführt, in Deutschland werden Selbtstests an die Beschäftigten ausgegeben. Eine Win-win-Situation für Unternehmen und Gesellschaft, wie er im Gespräch mit dem Deutschen-Industrie- und Handelskammertag (DIHK) betont.

Herr Meyer, Ihr Unternehmen TKM produziert große Industriemesser- und Sägen. Wie wirkt sich die Corona-Pandemie konkret auf Ihr Unternehmen aus?

In unseren weiträumigen Produktionshallen ist das Ansteckungsrisiko glücklicherweise überschaubar. Bei der Bedienung der Roboter und Maschinen halten unsere Fachkräfte hinreichend Abstand zueinander. In den Büroräumen der Verwaltung mussten wir dagegen Veränderungen vornehmen. Dazu gehören etwa Entkeimungsgeräte in den Besprechungsräumen. Wir haben zudem mehr Einzelbüros eingerichtet und Möglichkeiten geschaffen, im Homeoffice zu arbeiten. Die AHA-Regeln gelten auf dem gesamten Betriebsgelände. So können wir auch unter erschwerten Bedingungen weiter produzieren.

 ... wobei auch regelmäßige Corona-Tests helfen können. Seit wann testen Sie ihre Mitarbeiter bei TKM auf das Virus?

Angefangen hat das letztes Jahr im März nach der ersten Corona-Welle in unserem Werk in Österreich. Betriebsärzte haben zunächst unsere Erste-Hilfe-Helfer geschult und ausgebildet, Schnelltests vor Ort im Betrieb durchzuführen. Das hat gut geklappt, sodass wir an vielen europäischen Standorten nun anlassbezogen testen können. In Deutschland statten wir unsere Mitarbeiter jeden Montag mit Selbsttests aus.

Welche Vorteile hat das Testen?

Testen bringt ohne Zweifel wirtschaftliche Vorteile. Denn je früher wir feststellen, ob ein Mitarbeiter sich infiziert hat, desto schneller können wir eingreifen und verhindern, dass eine Abteilung oder womöglich sogar der ganze Betrieb geschlossen werden muss. Wenn irgendjemand positiv getestet wird, isolieren wir ihn umgehend und sichern so unseren Produktionsprozess. Natürlich leistet das Testen aber auch einen gesellschaftlichen Beitrag, die Pandemie in den Griff zu bekommen – weil Infektionen früher erkannt und andere Menschen geschützt werden.

Im Moment gelten engmaschige Tests als wichtige Überbrückung für die Phase mit noch geringen Impfquoten. Aber was wird sich für Ihr Unternehmen nach der Pandemie ändern?

Es wird sicher weniger Dienstreisen geben, wenn es um Bestandskunden geht. Hier haben wir gesehen, dass sich vieles auch über Videokonferenzen regeln lässt. Dasselbe gilt womöglich auch für große internationale Messen, die in Zukunft digital stattfinden. Bei Neukunden und im klassischen Außendienst werden aber weiterhin Reisen nötig sein.

Thomas Meyer ist geschäftsführender Gesellschafter der TKM Gruppe, internationaler Weltmarktführer für Industriemesser und -sägen. Das mehr als 100 Jahre alte Familienunternehmen beschäftigt rund 850 Mitarbeiter an 12 Standorten.



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