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Das Ausbildungsprogramm der Bundesregierung

Kleine und mittlere Unternehmen können nun Anträge stellen
Junger Mann mit Schutzbrille arbeitet an einer Drehmaschine

Ausbildungsplätze zu sichern, muss jetzt hohe Priorität haben

© industryview / Getty Images Plus

Die Hilfen, mit denen die Bundesregierung dazu beitragen will, in der Corona-Krise Ausbildungsplätze zu sichern, können seit Anfang August beantragt werden. Prämien erhalten Covid-19-betroffene Unternehmen, die weiterhin ausbilden. Auch die Übernahme von Azubis aus pandemiebedingt insolventen Betrieben wird honoriert.

Konkret geht die am 24. Juni beschlossene Ausbildungsprämie an Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten, die von der Krise stark betroffen sind, die Zahl ihrer Auszubildenden im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen drei Jahre aber dennoch nicht verringern. Diese Betriebe erhalten 2.000 Euro für jeden für das Ausbildungsjahr 2020 abgeschlossenen Ausbildungsvertrag. Für zusätzliche Ausbildungsplätze gibt es 3.000 Euro.

Für die Zuordnung zum neuen Ausbildungsjahr ist allein der Ausbildungsbeginn maßgeblich. In die Förderung grundsätzlich einbezogen werden Ausbildungen, die frühestens am 1. August 2020 beginnen. Auf den Zeitpunkt des Abschlusses des Ausbildungsvertrags kommt es dabei nicht an, das heißt, es können auch Ausbildungen gefördert werden, für die der Ausbildungsvertrag bereits vor Inkrafttreten der Förderrichtlinie abgeschlossen worden ist. Insbesondere steht damit der Abschluss eines Ausbildungsvertrags vor dem 1. August 2020 einer Förderung nicht entgegen.

Kleinen und mittleren Unternehmen, die einen Azubi aus einem Betrieb übernehmen, der Covid-19-bedingt aufgeben musste, winkt eine einmalige Prämie in Höhe von 3.000 Euro. Zudem können Arbeitgeber, die trotz Kurzarbeit die Ausbildung regulär fortsetzen, einen Zuschuss in Höhe von 75 Prozent der Ausbildungsvergütung beantragen. Die Förderung wird für jeden Monat gezahlt, in dem der Betrieb einen Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent angezeigt hat.

Details zu den Angeboten und die Nummer einer Hotline für Arbeitgeber gibt es auf der Website der Bundesagentur für Arbeit. Auch das Bundesarbeitsministerium hält Informationen zum neuen Bundesprogramm bereit. Dort finden Sie unter anderem die Förderrichtlinie und eine nutzwertige FAQ-Liste zum Download.

Der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks bewertet es positiv, dass die Bundesregierung nun ein Unterstützungspaket auf den Weg bringt, denn: "Wir stehen vor den entscheidenden Wochen für die Entwicklung des Ausbildungsmarktes in diesem Krisenjahr. Viele Ausbildungsbetriebe befinden sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und leiden unter Liquiditätsengpässen."

In den Sommermonaten Jugendliche und Betriebe zusammenbringen

Die Ausbildungsprämie könne eine gute Motivation für kleine und mittlere Betriebe sein, auch unter schwierigen Bedingungen ihre Ausbildungsanstrengungen aufrechtzuerhalten.

"Das Instrument kann aber nur zusammen mit anderen Aktivitäten wirken", gibt er zu bedenken. "In den Sommermonaten kommt es entscheidend darauf an, noch suchende Jugendliche und Ausbildungsbetriebe zusammenzubringen, zum Beispiel über virtuelle Speed-Datings der Industrie- und Handelskammern oder andere digitale Formate. In der zentralen Lehrstellenbörse der IHKs gibt es ebenfalls noch viele offene Stellen."

Besonders wichtig ist es laut Dercks, Unternehmen die Sorge zu nehmen, im Fall von Kurzarbeit mit den Kosten der Ausbildung alleine dazustehen. "Die vorgesehene Förderung ist daher richtig. Sie kann perspektivisch ein Sicherheitsnetz für Betriebe sein, wenn sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten."

Keine nur vorübergehenden Trägerstrukturen etablieren

Wichtig wäre nach Auffassung des DIHK jedoch, diese Regelung auf Betriebe aller Größenklassen auszuweiten und auch noch für 2021 zu ermöglichen. Denn, so Dercks: "Viele Unternehmen können die Entwicklung bis dahin nicht abschätzen und sorgen sich um Rückschläge im Rahmen der Pandemie-Bekämpfung. Eine gewisse Absicherung gegen dieses Ausbildungsrisiko würde helfen, Betriebe in dieser unsicheren Phase zur Ausbildung zu ermutigen."

Zudem müsse bei der der Förderung von Verbund- und Auftragsausbildung die Kooperation von Betrieben Vorrang haben. "Finanzielle Unterstützung sollte nicht zur Etablierung neuer Trägerstrukturen führen, die später nicht mehr gebraucht werden", gibt der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer zu bedenken. "Eine Ausbildung direkt in der betrieblichen Praxis, wenn auch nicht immer im Wunschberuf, ist zielführender als die Qualifizierung in einer Lehrwerkstatt." Betriebliche Einstiegsqualifizierungen seien vor allem für Leistungsschwächere eine gute Brücke in eine betriebliche Ausbildung.

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Mann im Haus der deutschen Wirtschaft
Markus Kiss Referatsleiter Ausbildungspolitik und -projekte