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FAQ zu Ausbildung, Berufszugang, IHK-Prüfungen

Die Pandemie stellt Ausbildungsbetriebe vor besondere Herausforderungen: Haben Fehlzeiten Einfluss auf die Abschlussprüfung? Werden Einstiegsqualifizierungen weiter gefördert? Vor Fragen stellt die aktuelle Situation aber auch Menschen, die für die Ausübung ihres Berufes bei der IHK bestimmte Kenntnisse nachweisen müssen. Was gilt also etwa für Unterrichtungen oder Sach- und Fachkundeprüfungen? Hier gibt es Antworten:

Für kleine und mittlere Unternehmen, die trotz der Covid-19-Pandemie weiter ausbilden, gibt es seit Anfang August unter bestimmten Umständen finanzielle Unterstützung vom Bund. Das Programm "Ausbildungsplätze sichern" wurde im März 2021 deutlich ausgeweitet und verbessert.

Derzeit gilt:

Die "Ausbildungsprämie" in Höhe von 2.000 Euro pro Ausbildungsvertrag erhalten Betriebe, die in erheblichem Umfang von der Corona-Krise betroffen sind und dennoch für das Ausbildungsjahr 2020 ebenso viele Ausbildungsverträge abschließen wie im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019.

Alternativ kann die "Ausbildungsprämie plus" beantragt werden. Sie greift, wenn zusätzliche Ausbildungsverträge unterzeichnet werden. In diesem Fall beträgt der Zuschuss pro Vertrag 3.000 Euro.

Voraussetzung für beide Prämien: Die Umsätze des Ausbildungsbetriebes müssen im Zeitraum April bis Dezember 2020

  • entweder in zwei Monaten durchschnittlich um mindestens 50 Prozent
  • oder in fünf zusammenhängenden Monaten durchschnittlich um mindestens 30 Prozent

unter dem Vorjahresniveau liegen. Zuvor hatten Betriebe Umsatzrückgänge von durchschnittlich mindestens 60 Prozent in April und Mai 2020 nachweisen müssen.

Beide Zuwendungen werden nach der erfolgreich abgeschlossenen Probezeit ausgezahlt.

Zudem können Arbeitgeber, die trotz Kurzarbeit die Ausbildung regulär fortsetzen, einen Zuschuss in Höhe von 75 Prozent der Ausbildungsvergütung beantragen. Die Förderung wird für jeden Monat gezahlt, in dem der Betrieb einen Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent angezeigt hat. Diese Regelung, die ursprünglich nur bis Ende 2020 laufen sollte, wurde bis Juni 2021 verlängert.

Auch wer Azubis aus einem Betrieb weiter ausbildet, der infolge der Corona-Krise insolvent geworden ist, kann Unterstützungsleistungen erhalten. Übernehmende Unternehmen werden für jeden sogenannten Insolvenzlehrling mit einmalig 3.000 Euro gefördert. Dies gilt seit Mitte Dezember unabhängig von der Betriebsgröße. Zudem wurde die Regelung bis zum 30. Juni 2021 verlängert.

Bei alldem gilt: Ein Anspruch auf Zahlung besteht nicht. Interessenten können die Förderung – auch rückwirkend zu den verbesserten Konditionen – unkompliziert bei den Agenturen für Arbeit beantragen.

Folgende Änderungen sind geplant:

  • Nahtlose Verlängerung der Ausbildungsprämien für Frühjahr 2021: Die Förderung mit Ausbildungsprämien wird nicht mit dem 15. Februar 2021 enden, sondern nahtlos fortgesetzt. Dazu werden die bislang geltenden Fördermöglichkeiten bis zum 31. Mai 2021 verlängert.
  • Für Ausbildungen, die ab dem 1. Juni 2021 beginnen, wird die neue (höhere) Fördersystematik in Kraft gesetzt: Verdoppelung der Ausbildungsprämien (von derzeit 2.000 beziehungsweise 3.000 Euro auf 4.000 respektive 6.000 Euro)
  • Zum 1. Juni 2021 können dann auch kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitenden (bislang bis zu 249 Mitarbeitenden) profitieren
  • Zuschüsse zur Vermeidung von Kurzarbeit werden bis Ende 2021 verlängert und die Förderung mit Inkrafttreten der Änderungen deutlich verbessert: Zukünftig wird zusätzlich die Hälfte der Brutto-Vergütung des Ausbilders (gedeckelt auf 4.000 Euro, zuzüglich 20 Prozent Sozialversicherungspauschale) übernommen. Auch hier folgt eine Erweiterung der Unternehmensgröße auf kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitenden.
  • Als neue Leistung wird ein "Lockdown II-Sonderzuschuss" für Kleinstunternehmen mit bis zu vier Mitarbeitenden eingeführt. Dieser wird einen einmaligen Zuschuss von 1.000 Euro je Azubi beinhalten, wenn die Geschäftstätigkeit aufgrund coronabedingter behördlicher Anordnung eingestellt oder nur in geringem Umfang weitergeführt werden konnte, die Ausbildung aber gleichwohl an mindestens 30 Tagen fortgesetzt wurde.
  • Die Übernahmeprämie wird bis Ende 2021 verlängert und wie die neue Ausbildungsprämie plus  auf 6.000 Euro angehoben. Außer bei Insolvenz wird auch eine Förderung möglich sein, wenn die Kündigung durch den Ausbildungsbetrieb erfolgt ist oder droht, weil diesem die Fortführung der Ausbildung in Folge der Corona-Krise bis zum Ende nicht mehr möglich oder zumutbar ist.

Informationen zu Status quo und Verbesserungen stellt das Bundesarbeitsministerium auf seiner Website zur Verfügung.

Die IHKs setzen alles daran, dass die bundeseinheitlichen schriftlichen und praktischen Abschlussprüfungen für Auszubildende im Winter 2020/21 ebenso wie die derzeit laufenden bundeseinheitlichen IHK-Weiterbildungsprüfungen auch unter den aktuellen Rahmenbedingungen wie geplant stattfinden können. 

Die IHKs stehen dafür kontinuierlich im Austausch mit allen relevanten Stellen und Partnern vor Ort, beispielsweise mit Ausbildungsbetrieben und Gesundheitsämtern. Dazu gehört ganz besonders, den Schutz aller Beteiligten – der Prüfungsteilnehmer und -teilnehmerinnen, der ehrenamtlich tätigen Prüfenden und nicht zuletzt der IHK-Mitarbeitenden – zu gewährleisten. Wie es in Ihrer Region mit den Prüfungen aussieht, erfahren Sie bei Ihrer IHK vor Ort.

Gleichzeitig können Auszubildende selbst wesentlich dazu beitragen, den planmäßigen Ablauf ihrer Abschlussprüfungen zu ermöglichen, etwa durch das Einhalten der bekannten Hygieneregeln oder das Einschränken der eigenen Kontakte mindestens zwei Wochen vor dem Prüfungstermin. Damit senken sie ihr Risiko deutlich, sich in behördlich angeordnete Quarantäne begeben zu müssen oder sich gar zu infizieren.

Ja.

Ob der Berufsschulunterricht als Distanzunterricht erteilt wird oder nicht, spielt für die Verpflichtung zur Freistellung von betrieblichen Pflichten keine Rolle.

Geregelt ist diese Verpflichtung im Berufsbildungsgesetz (BBIG) §15 (2)


Viele Unternehmen hatten sich auf die Ausbildung einer neuen Nachwuchsfachkraft ab Sommer 2020 gefreut und steckten im März mitten im Rekrutierungsprozess. Doch dann wurde wegen der Corona-Krise ein persönliches Kennenlernen viel schwieriger, wenn nicht unmöglich. Und noch immer sind viele Jugendliche zurückhaltend bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz und warten erst einmal die weitere Entwicklung ab.

Wer in diesem Jahr ausbilden möchte, ist mehr denn je gut beraten, durch Transparenz und Verlässlichkeit Sicherheit zu vermitteln. Bereits in der Stellenanzeige sollte klar werden, was einen neuen Azubi in diesen besonderen Zeiten erwartet:

  • Wie läuft ein Kennenlernen ab?
  • Wie schnell ist mit einer Rückmeldung zu rechnen?
  • Wie wird eine Ausbildung derzeit durchgeführt?

In vielen IHKs gibt es überdies digitale Vermittlungsaktionen zwischen potenziellen Azubis und Unternehmen. Ein Blick auf die Webseite der regionalen IHK könnte sich daher lohnen, ebenso wie der Austausch mit Ihrem IHK-Ausbildungsberater, der Sie auch über zusätzliche Unterstützung bei der Azubi-Suche informiert.

Außerdem bietet die IHK-Lehrstellenbörse unter www.ihk-lehrstellenboerse.de Betrieben nicht nur die Möglichkeit der Ausbildungsvermittlung. Die Unternehmen können dort jetzt auch ihre Bereitschaft zur Übernahme von Auszubildenden anzeigen, die ihre Ausbildung in einem anderen Betrieb begonnen hatten. Außerdem können sie angeben, wenn sie Azubis anderer Betriebe temporär als Teil einer Verbundausbildung aufnehmen möchten.

Im Herbst startet der neue Ausbildungsjahrgang in den Betrieben. In der Corona-Pandemie ist es allerdings für viele Unternehmen eine Herausforderung, offene Ausbildungsplätze zu besetzen. Und auch viele Jugendliche fragen sich, wie sie derzeit eine passende Lehrstelle finden können.

Hier hilft die IHK-Lehrstellenbörse. Sie bringt Bewerber und Betriebe zusammen. Aktuell sind unter www.ihk-lehrstellenboerse.de zahrreiche Ausbildungsplatzangebote aufgeführt. Azubis, die in der Krise ihre Lehrstelle verloren haben, finden auf der Startseite der Börse zudem einen Button "Azubi-Übernahme", der den direkten Kontakt zum passenden Ansprechpartner in den IHKs herstellt.

Das Wichtigste ist: aktiv werden und nicht den Kopf in den Sand stecken!

In vielen Firmen wird weitergearbeitet und Personal gesucht. Bei ihren Bewerbungsverfahren haben sich die Arbeitgeber an die neuen Anforderungen angepasst: Wo keine persönlichen Vorstellungsgespräche möglich sind, werden sie beispielsweise durch Videokonferenzen ersetzt. Und auch viele IHKs helfen beim Kennenlernen, etwa mit Online-Azubi-Speed-Datings. So können Betriebe und Jugendliche auch mit dem erforderlichen Abstand in Kontakt kommen.

Bitte versuchen Sie, Ausbildungsinhalte aus anderen Abteilungen vorzuziehen. Wenn das nicht geht, können Sie Ihrem Azubi ein Projekt für die Erarbeitung zu Hause übergeben, das den Betrieb nach Wiedereröffnung voranbringt. Auch zusätzliche Lernzeit für die Berufsschule ist eine Möglichkeit, die Zeit jetzt sinnvoll zu nutzen.

Sprechen Sie mit Ihrem Azubi über die Situation. Sie können die regelmäßige Arbeitszeit um bis zu 50 Prozent reduzieren. Die Ausbildungsvergütung kann entsprechend gekürzt werden. (Teilzeitberufsausbildung nach § 7a BBiG). Die gekürzte Ausbildungszeit verlängert die Ausbildung entsprechend.

Grundsätzlich sollten Azubis nicht im Homeoffice arbeiten. Aufgrund der derzeitigen Umstände ist es jedoch vertretbar, dass Azubis im Homeoffice arbeiten, wenn Sie dies betrieblich ermöglichen können. Halten Sie Kontakt mit den Azubis und kommunizieren miteinander, etwa darüber, wie sich die Arbeitsfortschritte gestalten.

Grundsätzlich darf ein Auszubildender die Arbeit nicht verweigern, weil die Ansteckungsgefahr bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin erhöht sein könnte. Allerdings kann der Ausbildungsbetrieb aufgrund seiner Fürsorgepflicht im Einzelfall darauf angewiesen sein, Teile der Ausbildung (zum Beispiel das Führen des Ausbildungsnachweises) zu Hause zu erlauben, wenn eine konkrete Gefährdung besteht.

Hier zählt der Einzelfall. Der Auszubildende selbst kann eine Vereinbarung mit der Unternehmensleitung treffen. Grundsätzlich gilt, dass Urlaub vom Auszubildenden beantragt werden muss, aber nicht angeordnet werden kann. Ähnliches gilt für den Abbau von Überstunden.

Hier handelt es sich um Fehlzeiten, die für die Zulassung zur Abschlussprüfung relevant sind (§ 43 Abs. 1 Nr. 1 Hs. 1 BBiG). Dabei ist es unerheblich, ob der Auszubildende diese zu vertreten hat. Für die Zulassung zur Abschlussprüfung bewertet die zuständige IHK, ob die Abwesenheit einen Wert von zehn Prozent der vertraglichen Ausbildungszeit übersteigt. Sollte dies der Fall sein, kann die Fehlzeit dennoch als geringfügig eingestuft werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Auszubildende trotz der Fehlzeiten den erforderlichen Leistungsstand besitzt, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Generell sind bei der Beurteilung immer die Umstände des Einzelfalls zu betrachten. Dabei wird nicht unterschieden, ob Berufsschulzeit oder Ausbildungszeit im Betrieb ausfällt.

Die Planung von Auslandspraktika ist aufgrund der unvorhersehbaren Entwicklung derzeit schwierig – aber nicht unmöglich. Was derzeit wo geht, erfahren Sie in der ausführlichen FAQ-Liste des Netzwerks Berufsbildung ohne Grenzen.

Über die aktuelle Situation weltweit informiert eine Landkarte der Johns-Hopkins-Universität.

Grundsätzlich gilt: Im Ausbildungsjahr 2020/21 kann die Förderung einer Einstiegsqualifizierung (EQ) auch dann erfolgen, wenn die Ausbildungstätigkeit aufgrund der Corona-Pandemie verringert wurde. In begründeten Ausnahmefällen ist auch die Förderung einer erneuten EQ möglich. Diese Regelung wurde als Erprobung in die "Fachlichen Weisungen" der Arbeitsagentur aufgenommen und ist vorerst nicht befristet.

EQ-Teilnehmern, auf die die Kriterien des Sozialgesetzbuches (SGB) III zutreffen, können zudem seit dem 1. August 2020 die Fahrkosten zur Einstiegsqualifizierungen erstattet werden. Denn eine für den jungen Menschen passende EQ soll nicht daran scheitern, dass sie bei einem weiter entfernten Arbeitgeber durchgeführt wird. Die neue Möglichkeit zur Übernahme der Fahrkosten knüpft an die bestehende Förderung während einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme an. Sie wurde bewusst nicht in das SGB II übernommen, weil bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes II Fahrkosten bereits berücksichtigt sind.

Dort, wo dies landesrechtlich möglich ist, finden die IHK-Sach- und Fachkundeprüfungen und Unterrichtungen weiterhin statt.

Sachkundeprüfungen können derzeit in allen Bundesländern angeboten werden. Bei den Unterrichtungen gilt dies ebenfalls für die große Mehrheit der Bundesländer. So können beispielsweise im Bewachungsgewerbe immerhin in drei Vierteln der Bundesländer Unterrichtungen durchgeführt werden. Einige IHKs bieten sogar Zusatztermine an den Wochenenden an.

Aber auch in den anderen Bundesländern gibt es Ausnahmen vom Unterrichtungsverbot: Bei dringenden Engpässen, die beispielsweise systemrelevante Unternehmen oder Aufträge betreffen, werden im Einzelfall im Rahmen der landesrechtlichen Möglichkeiten Ausnahmen gewährt.

Die Entscheidung über die Beantragung einer Ausnahmegenehmigung trifft die zuständige IHK in engem Austausch mit den Unternehmen vor Ort. Auch stehen die IHKs mit den zuständigen Landesministerien im engen Kontakt.

Wenn Sie wissen möchten, ob bei Ihnen Unterrichtungen sowie Sach- und Fachkundeprüfungen angeboten werden, wenden Sie sich bitte an Ihre IHK.

Deutschland hat am 25. Januar 2021 die neue multilaterale Vereinbarung M333 gezeichnet. Danach bleiben alle ADR-Schulungsbescheinigungen, deren Geltungsdauer zwischen dem 1. März 2020 und dem 1. September 2021 endet, bis zum 30. September 2021 gültig.

Ebenfalls am 25. Januar 2021 hat Deutschland die neue multilaterale Vereinbarung M334 unterschrieben. Danach bleiben alle Schulungsnachweise für Gefahrgutbeauftragte, deren Geltungsdauer zwischen dem 1. März 2020 und dem 1. September 2021 endet, bis zum 30. September 2021 in Kraft.

Nach der Auffassung des BMVI sind abgelaufene ADR-Schulungsbescheinigungen aus Vertragsstaaten,  welche die M333 nicht gegengezeichnet haben, in Deutschland anzuerkennen.

Das BMVI ist ferner der Ansicht, dass auch ein ausländischer Fahrer, mit einer abgelaufenen ADR-Schulungsbescheinigung aus einem Nichtzeichnerstaat der M333, in Deutschland eine Auffrischungsschulung besuchen und eine Prüfung ablegen kann.

Eine Übersicht über die straßengüterverkehrsrechtlichen Ausnahmeregelungen aufgrund Covid-19 im Gefahrgutbereich finden Sie auf der Homepage des BAG.

Der Weg zu Ihrer IHK

Fragen rund um das Coronavirus, zur regionalen Situation und zu konkreten Handlungsoptionen beantworten auch Ihre Industrie- und Handelskammern vor Ort, von denen die meisten Extraseiten zur Pandemie geschaltet haben. Hier geht es zum IHK-Finder.