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Jetzt schon Verluste beim Fiskus geltend machen

So funktioniert der Verlustrücktrag
Taschenrechner mit "Tax 2020" im Display

Steuerliche Regelungen sind eine gute Stellschraube, um den Unternehmen in der Krise zu helfen

© Michail_Petrov-96 / iStock / Getty Images Plus

Selbst Betriebe, die seit Langem ein sehr stabiles Geschäft betreiben, werden das Jahr 2020 aufgrund der Corona-Krise mit einem Minus abschließen. Diese Verluste können sie schon jetzt steuerlich geltend machen und sich damit vom Finanzamt Geld zurückholen, das dieses eigentlich erst 2021 erstatten würde. Die von der Bundesregierung geschaffene Möglichkeit des unterjährigen pauschalierten Verlustrücktrags geht auf eine Initiative des DIHK zurück.

"Gerade auch für kleine und mittlere Betriebe ist diese pragmatische Entscheidung von Bund und Ländern eine wertvolle Hilfe in sehr schwieriger Lage", sagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer. "Sie können jetzt kurzfristig bereits einen Teil der Steuererstattung geltend machen, die ihnen ohnehin später zustehen würde."

Bund und Länder haben die Details in ihrem Erlass "Corona-Sofortmaßnahme: Antrag auf pauschalierte Herabsetzung bereits geleisteter Vorauszahlungen für 2019" vom 24. April geregelt, den Sie auch auf der Website des Bundesfinanzministeriums finden.

Von der Krise betroffene Unternehmen können den Antrag sofort stellen. Voraussetzung dafür ist, dass ihnen für 2019 noch kein Steuerbescheid zugegangen ist und dass sie im vergangenen Jahr Vorauszahlungen zur Einkommen- oder Körperschaftsteuer gezahlt haben.

15 Prozent des Gewinns aus 2019 werden pauschal als Verlust für 2020 abgezogen

Das folgende Beispiel zeigt, wie der Verlustrücktrag funktioniert: Ein Betrieb oder Einzelunternehmer hat 2019 wegen eines voraussichtlichen Gewinns von 80.000 Euro insgesamt 24.000 Euro an Einkommensteuer vorausgezahlt. Außerdem hat er am 10. März 2020 auch bereits die erste Steuerrate von 6.000 Euro für das laufende Jahr überwiesen. 

Im Antrag an das Finanzamt weist der Betrieb auf drastische Umsatzeinbrüche oder vorübergehende Geschäftsschließung durch den Corona-Shutdown hin. Daraufhin setzt das Finanzamt die erste Quartalszahlung aus 2020 auf null. 

Zugleich beantragt der Betrieb den pauschalierten Verlustrücktrag aus dem Jahr 2020 ins Vorjahr. Damit werden 15 Prozent des für 2019 zugrunde gelegten Gewinns in Höhe von 80.000 Euro pauschal als Verlust abgezogen. Im Beispielsfall wären das 12.000 Euro. 

Auf Grundlage des verbleibenden Gewinns von 68.000 Euro wird die Steuer-Vorauszahlung neu festgesetzt: Bei einem Steuersatz von 30 Prozent wären das 20.400 Euro. Die Vorauszahlung für 2019 fällt damit um 3.600 Euro niedriger aus. Diesen Betrag kann das Finanzamt sofort erstatten. Zusammen mit der Rückerstattung aus dem ersten Quartal 2020 erhält der Betrieb sofort 9.600 Euro zurück.

Spürbarer Schritt in Richtung Entlastung der Unternehmen

Wie bisher bleibt auch der pauschale Verlustrücktrag auf maximal eine Million Euro begrenzt (zusammenveranlagte Ehepaare: zwei Millionen Euro). Das bedeutet, dass die Verlustanrechnung bis zu einem Gewinn von knapp 6,7 Millionen Euro aus dem Jahr 2019 greift.

Die Vorauszahlung vermindert sich in diesem Fall bei einem Steuersatz von 30 Prozent von 2 auf 1,7 Millionen Euro. Das Finanzamt erstattet für das Jahr 2019 dann 300.000 Euro. Auch in diesem Fall würde das Unternehmen zudem die Vorauszahlung des ersten Quartals 2020 (in Höhe von 500.000 Euro) komplett zurückerhalten, insgesamt also einen Betrag von 800.000 Euro.

Die pauschalierte Abzugsmöglichkeit bezieht sich lediglich auf Einkommen- und Körperschaftsteuer. Die gezahlte Gewerbesteuer bleibt außen vor. 

Insgesamt soll die Sonderregelung den Unternehmen aktuell weitere 4,5 Milliarden Euro an kurzfristiger Entlastung bringen. "Das ist ein spürbarer Schritt", sagt Rainer Kambeck, der Leiter des DIHK-Steuerbereichs. "Wir können uns eine Ausweitung der Regelung im Laufe des Jahres vorstellen, denn in vielen Betrieben sind die Verluste höher." Immerhin gibt es bereits positive Rückmeldungen aus der Praxis: Die ersten Erstattungen sind schon auf aktuell arg strapazierten Konten eingetroffen.

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Mann im Haus der deutschen Wirtschaft
Dr. Rainer Kambeck Bereichsleiter Wirtschafts- und Finanzpolitik, Mittelstand

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Porträtfoto Frank Thewes
Frank Thewes Bereichsleiter Kommunikation