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Steckt der Coronavirus die deutsche Wirtschaft an?

Behandschuhte Hand hält eine mit "Coronavirus" beschriftete Pipette über weiteren Pipetten

Kleiner Erreger, große Gefahr: Neben den gesundheitlichen Folgen einer neuen Pandemie drohen auch wirtschaftliche Konsequenzen

© jarun011 / iStock / Getty Images Plus

Umfassende Reisebeschränkungen, geschlossene Firmenniederlassungen, eingeschränkte Geschäfte – der Coronavirus beeinträchtigt zunehmend auch deutsche Unternehmen in China.

Viele Betriebe arbeiten wegen des Frühlingsfestes schon seit Ende Januar mit verringerter Besetzung. Sie haben bereits auf die Lage reagiert, beispielsweise die Feiertagsschließung verlängert und Dienstreisen durch Telefonkonferenzen ersetzt. In einigen Regionen Chinas bleiben die Büros sogar bis zum 10. Februar geschlossen. Viele Provinzen haben den Unternehmen vorgeschrieben oder nahegelegt, ihre Geschäfte wegen des Coronavirus vorerst nicht wieder aufzunehmen.

Darüber hinaus entwickeln die Unternehmen Pläne zu weiteren Schutzmaßnahmen und zu der Frage, wie sie gegebenenfalls mit einer reduzierten Mannschaft produzieren können. Ob und inwiefern auch langfristig aufgebaute Lieferketten betroffen sind, ist derzeit noch nicht absehbar.

Martin Wansleben: "erhebliche Ausstrahlung auf den Welthandel"

Sollte sich der Coronavirus weiter ausbreiten, wären auch Auswirkungen auf die Weltkonjunktur am Ende wohl nicht zu verhindern: "Der Coronavirus könnte nicht nur den bilateralen Handel zwischen China und Deutschland treffen", befürchtet DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben, "sondern auch erhebliche Ausstrahlung auf den Welthandel insgesamt entwickeln."

Erste wirtschaftliche Spuren hat der sprunghafte Anstieg der Infektionen zunächst auch an den Börsen hinterlassen: Infolge der Ausbreitung der Lungenkrankheit gaben Aktienkurse wie auch der Ölpreis nach. Einige Beobachter sehen bereits wirtschaftliche Parallelen zu den Folgen des Sars-Virus in den Jahren 2002 und 2003. Die Pandemie hatte die chinesische Wirtschaftsleistung um mehr als 1 Prozent nach unten gezogen. Auch die Weltwirtschaft brach damals um 0,6 Prozent ein.

Experten gehen davon aus, dass der Coronavirus das Wirtschaftswachstum in China ebenfalls um etwa 1 Prozent schmälern könnte – was rund einen Zehntelprozentpunkt weniger Wachstum in der Euro-Zone bedeuten würde. Die exportorientierten Unternehmen in Deutschland wären hier besonders stark betroffen.

Wirtschaftsleistung Chinas könnte schon im ersten Quartal leiden

Derzeit ist nach Einschätzung des DIHK zu erwarten, dass der Ausbruch des Coronavirus in der Frühlingsfestperiode zunächst den Binnenkonsum und die Tourismusbranche in China negativ beeinflusst. "Dies wird die chinesische Wirtschaftsleistung voraussichtlich bereits im ersten Quartal 2020 zusätzlich belasten", so Martin Wansleben.

Die hiesigen Betriebe dürften das zu spüren bekommen: China ist für die deutsche Wirtschaft seit 2016 der wichtigste Handelspartner. Das deutsch-chinesische Handelsvolumen beträgt rund 200 Milliarden Euro pro Jahr. In China sind etwa 5.200 deutsche Unternehmen aktiv, die vor Ort rund 1,1 Millionen Arbeitsplätze geschaffen haben.

Chinesische Touristen in Deutschland ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

China trägt aber nicht nur ein Fünftel zur globalen Wirtschaftsleistung bei, sondern auch ein Fünftel zu den weltweiten Tourismusausgaben. Deshalb trifft das von der Regierung in Peking ausgesprochene Verbot von Pauschalreisen für die eigenen Bürger auch einen wichtigen Faktor im Deutschland-Tourismus: Für 2018 zählte die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) etwa drei Millionen Übernachtungen von Reisenden mit chinesischem Pass in deutschen Hotels und anderen Unterkünften. Insgesamt erzielte die deutsche Tourismuswirtschaft nach DZT-Angaben mit den Touristen aus China einen Jahresumsatz von sechs Milliarden Euro.


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Vera Philipps Referatsleiterin Ostasien (Greater China, Japan, Korea) | APA: Korea

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