Heftige Ausschläge

DIHK-Konjunkturradar in der Corona-Krise

Die Corona-Krise hat die Geschäftserwartungen der Unternehmen seit der ersten DIHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn 2020 gründlich durcheinandergewirbelt. Wie gut können Betriebe in diesen Zeiten ihre Aussichten und Entwicklungen für die nächsten zwölf Monate beurteilen? Die Unsicherheiten zeigen sich in starken Veränderungen.

Februar 2020: Zeichen auf Abkühlung

DIHK-Konjunkturradar Jahresbeginn 2020

© DIHK

Rund 25.000 Unternehmen aus allen Größenklassen, Branchen und Regionen liefern über die 79 IHKs die Daten für die großen DIHK-Konjunkturumfragen. Für die erste Prognose zu Jahresbeginn gingen die Antworten aus einer Befragung von Mitte Dezember bis Mitte Januar ein. Zu diesem Zeitpunkt hatten die meisten Betriebe die möglichen Folgen des hoch ansteckenden Coronavirus auf die eigene Geschäftstätigkeit noch nicht im Blick.

Anfang 2020 beurteilen 42 Prozent der Unternehmen die eigene Geschäftslage als gut, 46 Prozent als befriedigend und 12 Prozent als schlecht. Das ergibt einen positiven Saldo von 30. Bei den Geschäftsaussichten rechnen 62 Prozent mit plus/minus null, 18 Prozent erwarten eine Besserung, 20 Prozent eine Verschlechterung – ein negativer (Erwartungs-) Saldo von 2. Das DIHK-Konjunkturradar pegelt sich damit in einem Abkühlungsszenario ein. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben spricht angesichts der Daten und der sich abzeichnenden Entwicklung von einem Jahr mit sehr großen Herausforderungen.

Mai 2020: Tief in der Rezession

DIHK-Konjunkturradar Frühsommer 2020

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Schon Ende Februar beschließt der DIHK, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise mit Blitzumfragen bei den Unternehmen zu erfassen. Mehrwöchige Erhebungen mit einem umfangreichen Fragenkatalog ergeben wenig Sinn, wenn teilweise über Nacht der Geschäftsbetrieb heruntergefahren werden muss. Zwischen Mitte März und Anfang Mai ist in einer Reihe von Branchen unklar, wann und unter welchen Umständen überhaupt wieder gewirtschaftet werden darf. Unternehmen, die beispielsweise auf Messen und Großveranstaltungen ausgerichtet sind, fehlt noch immer eine konkrete Öffnungsperspektive. Deshalb errechnet der DIHK aus einzelnen regionalen Umfragedaten ein Konjunkturszenario, das an der Schnittstelle zwischen Lockdown und ersten Lockerungen das Bild einer tiefen Rezession zeichnet: Die Unternehmen erwarten, dass sich eine bis dahin historisch nur mit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2002 vergleichbare Lage noch weiter verschlechtert. Der Saldo der Geschäftserwartungen rauscht um 44 Punkte ins Minus – ein Absturz.

Juni 2020: Noch keine Belebung

DIHK-Konjunkturradar Juni 2020

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Mehr und mehr Branchen dürfen seit Mitte April den Betrieb wieder aufnehmen. Trotzdem beurteilen 44 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als "schlecht", nur noch 17 Prozent als gut. Das ergibt einen Negativ-Saldo von 27 – der tiefste Wert seit der Beginn der Datenerhebung im Jahr 1985. Und die Antworten auf die Frage nach den Aussichten für die nächsten zwölf Monate bringen noch kein Signal für eine Belebung: Rund 42 Prozent der Betriebe erwarten, dass es für sie erstmal so weitergeht wie bisher. 31 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, nur 27 Prozent mit einer Verbesserung. Damit bleibt der Saldo zwischen den Pessimisten und Optimisten negativ – bei minus 4. Die Belebung ist damit zwar in Sicht, aber vorerst kein reales Szenario, sondern nur ein Hoffnungswert.