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Mehr Schein als Sein? Die aktuellen Insolvenzzahlen können trügen

Smartphone und Laptop die Statistik zeigen

Statistiken müssen immer im Kontext bewertet werden

© manfeiyang / iStock / Getty Images Plus

Normalerweise ist die Zahl der Insolvenzen ein präziser Indikator für die wirtschaftliche Lage. Nicht jedoch während der Corona-Krise, hier haben sich die Insolvenzen zunehmend vom wirtschaftlichen Geschehen entkoppelt. Der Grund: Unter bestimmten Bedingungen müssen Betriebe ihre Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit nicht mehr anzeigen.

Die Aussetzung der sogenannten Insolvenzantragspflicht seit März 2020 hat nicht nur zu einem leichten Rückgang der Insolvenzen in den offiziellen Statistiken geführt, sondern womöglich auch zum Vertrauensverlust bei vielen Geschäftspartnern, Lieferanten und Kreditgebern. Ausgesetzt ist die Insolvenzantragspflicht unter engen Voraussetzungen zunächst noch bis Ende April 2021 (Stand: 9. April).

So meldeten in der DIHK-Unternehmensbefragung vom März 2020, also zu Beginn der Corona-Pandemie, 18 Prozent der Betriebe "drohende Insolvenz", Anfang dieses Jahres waren es "nur" noch 5 Prozent. In vielen Lockdown-Branchen wird die drohende Insolvenzgefahr dagegen als deutlich stärker wahrgenommen. Das Statistische Bundesamt hat für das vergangene Jahr insgesamt einen Rückgang der Unternehmensinsolvenzen um 15,5 Prozent ermittelt.

Umgekehrter Trend bei größeren Betrieben 

Einzig bei Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten sind die Insolvenzen sprunghaft angestiegen: Laut Creditreform haben sich diese nahezu verdoppelt: von 0,8 Prozent im Jahr 2019 auf 1,5 Prozent im Jahr 2020. Ist das ein Vorbote einer möglichen Insolvenzwelle nach der Corona-Krise? Einen Hinweis hierauf bieten möglicherweise aktuelle Zahlen aus dem ersten Quartal dieses Jahres.

Grafik Insolvenzen

Unter den größeren Betrieben hat sich die Zahl der Pleiten binnen Jahresfrist fast verdoppelt

© DIHK

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg danach im Februar um 30 Prozent gegenüber dem Januar an. Auch das Zahlungsverhalten zwischen Unternehmen hat sich zuletzt verschlechtert: Es wird insgesamt später und mehr in Raten gezahlt.


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