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Welthandelsordnung neu gestalten: EU und CPTPP gehen voran

Koalition sollte weiteren gleichgesinnten Ländern offenstehen
Hafen von Melbourne / Australien

Hafen von Melbourne: Werden von hier wichtige Impulse für die deutsche Außenwirtschaft ausgehen?

© LisaInGlasses / E+ / Getty Images

Das Welthandelssystem steht unter Druck. Im internationalen Warenaustausch herrschen zunehmend Unsicherheit, Protektionismus und das Recht des Stärkeren. Umso wichtiger werden "Koalitionen der Willigen", wie sie jetzt EU und CPTPP anstreben.

Am 20. November 2025 steht im australischen Melbourne ein wichtiger Gipfel für die deutsche Außenwirtschaft an. Die Europäische Union und die Transpazifische Partnerschaft (Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership, kurz CPTPP) werden dort erstmals ihre Handelspolitik abstimmen. Zusammen stehen die EU und die zwölf CPTPP-Länder Australien, Brunei, Kanada, Chile, Japan, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur, das Vereinigte Königreich und Vietnam für mehr als 30 Prozent des Welthandels – doppelt so viel wie die USA. 

Die deutsche Wirtschaft setzt darauf, dass sich die EU mit der CPTPP in einer "Koalition der Willigen" für den Erhalt und die Weiterentwicklung des regelbasierten Welthandelssystems und die Offenheit von Märkten einsetzt. Schließlich hängt hierzulande jeder vierte Job am Export, in der Industrie sogar jeder zweite.

US-Handelspolitik setzt Welthandelsordnung unter Druck

Die neue Hochzollpolitik der USA und die verschiedenen "US-Trade-Deals", die mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO nicht vereinbar sind, markieren einen Epochenbruch im Welthandelssystem. Für die international orientierte deutsche Wirtschaft ist das eine gefährliche Entwicklung: Die neue handelspolitische Realität ist geprägt von Unsicherheit, Protektionismus und dem Recht des Stärkeren. Sehr viele deutsche Unternehmen sind angewiesen auf offene Märkte, faire und transparente Regeln sowie deren Durchsetzung. 

Insofern bleibt es für das Gros der deutschen Wirtschaft bedeutsam, dass die EU mit ihren Handelspartnern möglichst keine Vereinbarungen trifft, die gegen WTO-Regeln verstoßen und damit die Erosion des multilateralen Handelssystems befördern würden. In ihren bilateralen Verhandlungen sollte die EU Verpflichtungen zu konstruktiver Zusammenarbeit innerhalb der WTO vorantreiben. Als regelbasierte Staatengemeinschaft muss die EU die Stärke des Rechts verteidigen, auf der auch der europäische Binnenmarkt beruht.

Koalition für Freihandel

Um zu verhindern, dass ein ungezügelter Protektionismus um sich greift, muss das regelbasierte Handelssystem unbedingt erhalten bleiben. Die anderen 165 WTO-Mitglieder stehen für immerhin 85 Prozent des Welthandels. Es ist also aktuell eine Koalition für den Freihandel nötig. Eine solche sollte die EU mit der Transpazifischen Partnerschaft (CPTPP) anführen – ohne dabei die WTO zu untergraben. 

Ein "Stillhalteabkommen", in dem sich die EU und die Transpazifische Partnerschaft verpflichten, untereinander weiterhin WTO-Recht und WTO-Prinzipien wie Meistbegünstigung sowie keine regelwidrigen Zölle anzuwenden, würde der Wirtschaft dringend benötigte Planungssicherheit zurückgeben. Elementar wäre auch eine Vereinbarung zum Verzicht auf Exportrestriktionen und auf wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen. Ergänzend dazu sollten staatliche Transparenz- und Notifizierungspflichten bei Exportkontrollen verstärkt werden – etwa in Form eines Verhaltenskodex. Die EU-CPTPP-Koalition sollte als offenes Forum auch anderen gleichgesinnten Ländern offenstehen, die gemeinsam den regelbasierten Handel stärken wollen.

EU-Asien-Beziehungen stärken

Darüber hinaus sollte die EU mit CPTPP eng zusammenarbeiten, um etwa gemeinsam die Zukunftsstandards im Digitalbereich zu setzen und ihre Industrie- beziehungsweise Förderpolitiken besser abzustimmen. Über bilaterale Digitalabkommen hat die EU bereits mit einzelnen Ländern hierzu wichtige Vorarbeiten geleistet. 

Der CPTPP beitreten sollte die EU aber nicht – damit würde sie zum "Rule Taker" werden, indem sie Regulierungsansätze etwa im Digitalbereich übernehmen müsste, die ursprünglich die USA in die Transpazifische Partnerschaft verhandelt haben. Den Anspruch eines "Rule Makers" sollte sich die EU angesichts ihrer wirtschaftlichen Stärke erhalten. Über bilaterale Abkommen ist die EU schon mit vielen CPTPP-Ländern verbunden oder verhandelt neue Verträge, die umfassenden Marktzugang bieten würden. Dabei muss die EU nun den Turbo einlegen. Die Verhandlungen mit Thailand, Malaysia, den Philippinen und Australien sollten zeitnah abgeschlossen und das Abkommen mit Indonesien bald ratifiziert werden. 

Mittelfristig sollte eine Überführung dieser bilateralen Abkommen der EU in ein EU-ASEAN-Abkommen avisiert werden. Dabei ist insbesondere das Thema der Kumulierung von Ursprungsregeln wichtig – also die Möglichkeit Handelspräferenzen auch für Güter zu nutzen, die länderübergreifend in der Region produziert wurden. So könnten regionale Lieferketten enger mit der EU verbunden werden. 

Auch die EU-Strategie "Global Gateway" sollte Asien stärker in den Fokus nehmen und wichtige Konnektivitäts- und Rohstoffprojekte unterstützen. Anknüpfungspunkte für enge Wirtschaftsbeziehungen gibt es ausreichend: Nun ist politischer Einsatz auf höchster Ebene der insgesamt 39 EU- und CPTPP-Staaten nötig, damit deutsche Unternehmen auch in Zukunft noch erfolgreich weltweit wirtschaften können.

© DIHK

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Mann im Haus der Deutschen Wirtschaft
Klemens Kober Referatsleiter Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen
Union Jack, englische Flagge

Englische Fassung

Eine englischsprachige Version dieses Beitrages gibt es hier unter der Überschrift "Reshaping the Global Trade Order: EU and CPTPP Take the Lead".