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"Wir versuchen, das Unmögliche möglich zu machen"

Timo Fichtel, Prokurist einer Hagener Drahtzieherei, im Interview
Halle Hagener Feinstahl GmbH

Timo Fichtel begutachtet die Schäden an den Maschinen der Hagener Feinstahl GmbH

© Hagener Feinstahl GmbH

Die Flutkatastrophe Mitte Juli hat die Wirtschaft im Westen Deutschlands schwer getroffen. Timo Fichtel, Prokurist der Hagener Feinstahl Bender GmbH, schildert die Auswirkungen des Unwetters, die aktuelle Situation und die dringendsten Bedarfe des Betriebes.

Herr Fichtel, wir erreichen Sie mobil – hat das auch etwas mit dem Hochwasser zu tun?

Richtig, die Telefonleitungen sind beschädigt, das Festnetz funktioniert noch nicht wieder. Wir haben unsere Kunden darüber informiert, dass wir im Moment nur per Handy und E-Mail erreichbar sind.

Kurz zum Verständnis: Wie sah Ihr unternehmerischer Alltag denn aus, bevor die Flut kam?

Die Hagener Feinstahl GmbH ist eine Drahtzieherei, das heißt, wir machen dicken Draht dünn. Draht steckt ja in verschiedensten Produkten. Somit liefern wir wichtige Vorprodukte etwa für die Schraubenindustrie, aber auch für die Bauindustrie. Unsere Betriebsfläche umfasst rund 20.000 Quadratmeter. Dazu gehören Produktions-, Büro- und Freiflächen.

Und all das wurde durch das Hochwasser überschwemmt?

Ja, leider. Das Wasser stand auf unserem Betriebsgelände rund 1,5 Meter hoch. Sämtliche Maschinen sind betroffen, viele davon kaputt. Denn selbst grobe Maschinen werden meist durch Elektronik gesteuert. Diese ist natürlich hochsensibel und geht bei Wassereintritt als Erstes kaputt. Auch unser Stromanschluss wurde gekappt und soll erst im November wiederhergestellt sein. Wir müssen uns deshalb mit Stromgeneratoren behelfen – und wir sind ein energieintensives Unternehmen. Im Normalbetrieb werden wir dieses Jahr also nicht mehr produzieren können.

Können Sie die wirtschaftlichen Konsequenzen des Hochwassers denn schon absehen?

Aktuell haben wir Reinigungsstraßen aufgebaut und testen sämtliche Maschinen und Geräte auf ihre Funktionsfähigkeit. Bislang schätzen wir den Sachschaden auf rund fünf Millionen Euro. Zählt man die zu erwartenden Umsatzausfälle hinzu, können das schnell zehn Millionen Euro werden. Das hat auch Konsequenzen über unseren Betrieb hinaus: Viele unserer Kunden sind Automobilzulieferer, den Herstellern könnten beispielsweise schnell die Türbolzen ausgehen. Auch deshalb versuchen wir, das Unmögliche möglich zu machen, und arbeiten mit Hochdruck daran, unseren Betrieb irgendwie am Laufen zu halten.

Was benötigt Ihr Betrieb in der jetzigen Situation denn am meisten?

Wir brauchen vor allem Unterstützung bei den Ersatzteilen, allen voran bei den Elektronikkomponenten. Das sind die Dinge, die wir nicht selbst in der Hand haben, die aber dringend nötig sind, damit wir wieder normal produzieren können. Doch auch Kreditprogramme zur Finanzierung der nun erforderlichen Investitionen wären wichtig. Ebenso wie unbürokratische Regeln beim künftigen Hochwasserschutz.

Woher nehmen Sie die Zuversicht, diese schwierige Situation zu meistern?

Wir sind Mittelständler, und deshalb sage ich: Wir werden das schaffen. Auch wenn es an manchen Tagen mal zwei Schritte zurück und nur einen nach vorne geht.

Halle Hagener Feinstahl GmbH

Tief "Bernd" setzte das gesamte Betriebsgelände unter Wasser

© Hagener Feinstahl GmbH

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