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"Auch aus Sicht der Wirtschaft steht der Gesundheitsschutz ganz vorne"

Schweitzer-Interview zum Corona-Schutzschild und den Auswirkungen der Pandemie auf Betriebe
DIHK-Präsident Eric Schweitzer im Interview

DIHK-Präsident Eric Schweitzer im Interview

© DIHK / Jens Schicke

Insgesamt positiv bewertet Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), die Hilfsmaßnahmen, mit denen Bundes- und Landesregierungen die Corona-Auswirkungen auf die Wirtschaft begrenzt wollen. Insbesondere beim Tempo der Kreditvergabe sieht er aber noch Luft nach oben.

Nachfolgend zitieren wir das Gespräch mit der "Rhein-Neckar-Zeitung" ("RNZ") im Wortlaut:

"'Rhein-Neckar-Zeitung': Herr Schweitzer, der Bundestag hat ein gewaltiges Hilfspaket verabschiedet. Wie wirksam ist dieser Schutzschirm?

Eric Schweitzer: Dieser Schutzschirm kann und soll dabei mithelfen, die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu reduzieren. Es ist für uns alle eine extrem schwierige Phase, wie sie noch niemand seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland erlebt hat. Die Bundesregierung hat Mut bewiesen, dass sie dieses Schutzschirm-Paket beherzt beschlossen hat. Wir waren dazu mit den Industrie- und Handelskammern und den Unternehmen vor Ort in den vergangenen Wochen im intensiven Kontakt.

Die Rückmeldung: Vieles im Paket ist richtig. Einige unserer wichtigsten Punkte wie beispielsweise die Soforthilfen gerade für Solo-Selbstständige und kleine Betriebe sind zusätzlich aufgegriffen worden. Wir sehen aber auch noch Baustellen – und zwar insbesondere bei der Kreditvergabe. Denn es ist wichtig, dass so schnell wie möglich Geld bei den Unternehmen ankommt. Denn akut ist die schwindende Liquidität das größte Problem.

'RNZ': Die Umsetzung der Programme läuft bisher noch schleppend an. Was erwarten Sie hier von Bund, Ländern und den zuständigen Behörden?

Schweitzer: Wir brauchen Vertrauen, Vereinfachung und Tempo. Alle Beteiligten sollten sich darauf fokussieren, dass die Hilfsgelder in den nächsten Tagen ankommen. Betriebe stehen vor zum Teil existenziellen Herausforderungen, wenn ihr Umsatz quasi über Nacht für unbestimmte Zeit auf null gefahren worden ist. Deshalb müssen wir einfache Maßnahmen zur Liquiditätssicherung noch stärker in den Vordergrund rücken. Wer aufgrund der Corona-Krise aktuell keine Umsätze hat, kann Steuern oder Sozialversicherungsbeiträge stunden. Ich erwarte gerade bei den Finanzverwaltungen von Bund und Ländern größtmögliches und schnelles Entgegenkommen – sonst kann es für Betroffene schon in Kürze zu spät sein.

'RNZ': Wie lange hält die Wirtschaft diese Beschränkungen aus?

Schweitzer: Natürlich können wir uns auf Dauer keinen Stillstand leisten. Aber die Pandemie ist eine epochale Bedrohung. Deshalb steht auch aus Sicht der Wirtschaft der Gesundheitsschutz ganz vorne. Ähnlich wie der Bundestag haben auch wir unsere DIHK-Vollversammlung nicht im sonst üblichen Rahmen abhalten können. Die Führungsspitzen aus den Industrie- und Handelskammern waren per Videokonferenz zusammen geschaltet. Wir spüren bundesweit, dass wir es hier mit der größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg zu tun haben. Aber wir sind auch eine Organisation von Unternehmerinnen und Unternehmern, die das jetzt gemeinsam durchstehen und danach bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen gemeinsam mit Politik und ihren Belegschaften anpacken wollen.

'RNZ': Die Bundesregierung will in der Krise Bonus-Zahlungen von Managern begrenzen. Müssen jetzt auch die Firmenchefs einen Beitrag leisten?

Schweitzer: Das betrifft eine Sonderregelung im Unterstützungspaket für eine kleine Gruppe von Unternehmen, an denen sich vorübergehend der Staat zur Krisenabfederung beteiligen soll. Ähnlich lief das ja auch bei Banken in der Finanzkrise. Diese Krise trifft uns alle. Sie trifft insbesondere auch viele mittelständische Unternehmer sehr hart. Das Hilfspaket gewährt ja nur eine Unterstützung zum Überleben. Viele machen derzeit drastische Verluste – und Gewinnausfälle erstattet der Staat nicht. Sie müssen die schwierige Phase mit Krediten überbrücken oder ihre Betriebe womöglich sogar aufgeben. Deshalb leisten Unternehmerinnen und Unternehmer aktuell sicher einen sehr großen Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Krise."

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Porträtfoto Katharina Huhn, Referatsleiterin Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen
Katharina Huhn Referatsleiterin Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen

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Thomas Renner Pressesprecher | Leiter des Presseteams
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