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"Wirtschaftliche Erholung wird zäher, als uns lieb sein kann"

Martin Wansleben zur Gemeinschaftsdiagnose der Institute
Hände deuten auf Blätter mit Charts, die auf einem Tisch liegen

Wie es mit der Konjunktur weitergeht, wird auch vom Pandemieverlauf abhängen

© South_agency / Getty Images Plus Ort: Serbia

In ihrem Herbstgutachten revidieren die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Konjunkturprognose für 2020 und 2021 um jeweils gut einen Prozentpunkt nach unten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hält jetzt "gut ausbalancierte Anti-Corona-Maßnahmen" für erforderlich.

Der Gemeinschaftsdiagnose zufolge soll das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 5,4 Prozent sinken (Prognose bislang minus 4,2 Prozent) und 2021 um 4,7 Prozent zulegen (bislang 5,8 Prozent). Für 2022 erwarten die Institute dann ein Plus von 2,7 Prozent bei der Wirtschaftsleistung.

"Der Konjunktureinbruch ist weniger heftig als befürchtet", kommentiert Martin Wansleben die Zahlen. "Die wirtschaftliche Erholung wird aber zäher, als uns lieb sein kann. Vieles wird davon abhängen, wie jetzt bei steigenden Infektionszahlen ein Ausgleich zwischen Gesundheitsschutz und Wirtschaftstätigkeit gelingen kann."

Sorge vor einem neuerlichen Lockdown wächst

Ein zweiter genereller Lockdown könne viele Unternehmen ins wirtschaftliche Aus führen, befürchtet der DIHK-Hauptgeschäftsführer. "Dabei haben viele Betriebe kreativ und innovativ auf die Krise reagiert. Doch aktuell nimmt die Befürchtung zu, dass wieder Nachfrage – national wie international – ausbleibt und sich die wirtschaftliche Lage wieder erheblich eintrübt."

Wansleben verweist auf erste Ergebnisse der noch unveröffentlichten DIHK-Konjunkturumfrage. Demnach stehen etliche Branchen, die sich gerade von den Einbrüchen im Frühjahr etwas erholt hatten, nun vor neuen Herausforderungen – etwa Veranstaltungsdienstleister oder die Tourismuswirtschaft.

Beherbergungsgewerbe erwartet massive Einschnitte

"In der Übernachtungsbranche erwarteten schon vor den jüngsten Beherbergungsverboten 34 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge – und das in Höhe von mehr als der Hälfte ihrer Gesamtumsätze 2020", berichtet der DIHK-Hauptgeschäftsführer. Bei den Reisevermittlern gelte das sogar für 86 Prozent der Unternehmen.

Besonderes Augenmerk auf die Industrie

Gleichzeitig hätten Messeveranstalter sowie der Unterhaltungssektor mit erheblichen Einbußen zu kämpfen. Und: "Ein besonderes Augenmerk müssen wir in den nächsten Monaten auf die in Deutschland wirtschaftlich so bedeutsame Industrie legen. Hier kommen zu Corona-bedingten Nachfrageausfällen noch außenwirtschaftliche und strukturelle Herausforderungen hinzu."

"Die Wirtschaftsforschungsinstitute empfehlen richtigerweise, mit zielgerichteten Maßnahmen Unternehmen zu unterstützen, die besonders von der Pandemie betroffen sind", betont Wansleben. "Aus Sicht der Wirtschaft sind dabei gut ausbalancierte Anti-Corona-Maßnahmen ebenso wichtig wie Spielräume für dringend notwendige Investitionen in die Zukunft."

Hilfen müssen auch bei kleineren Unternehmen ankommen

Finanzielle Unterstützungsleistungen in Form von Krediten und Zuschüssen sollten nach Worten des DIHK-Hauptgeschäftsführers "bei Unternehmen aller Betriebsgrößen ankommen können". Daher solle beispielsweise der KfW-Schnellkredit für kleinere Betriebe geöffnet werden, schlägt er vor.

Und: "Bei der steuerlichen Verlustverrechnung und den Abschreibungsbedingungen für Investitionen brauchen wir mit Blick auf die kommenden schwierigen Monate ein zusätzliches wirtschaftspolitisches Signal."

Reiseverkehr praxistauglich regeln

Die deutschen Unternehmen brauchten zudem praxistaugliche Regelungen für den Reiseverkehr. "Geschäftsreisen sind für viele deutsche Unternehmen wichtig für das Aufrechterhalten von Produktion und internationalen Lieferketten – aber auch, um neue Aufträge zu erhalten", gibt Wansleben zu bedenken.

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Dr. Martin Wansleben Hauptgeschäftsführer

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Thomas Renner Pressesprecher | Chef vom Dienst