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Bürokratie und Corona-Krise belasten die Hilfsmittelbranche

DIHK und rehaVital stellen Umfrage zum Gesundheitsmarkt vor
Mann mit kurzen Hosen geht eine Straße entlang, das Bein ist mit einer Kniespange bandagiert

Von wegen krisenfeste Branche: Die Pandemie bekommen auch Sanitätshäuser & Co. zu spüren

© Prapat Aowsakorn / iStock / Getty Images Plus

Unternehmen der Hilfsmittelversorgung wie etwa Sanitätshäuser leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung vor Ort und damit zur Standortqualität. Einer neuen Umfrage zufolge leiden sie jedoch nicht nur unter der Pandemie, sondern auch unter einer enormen Bürokratie, die noch zu wachsen droht.

Wie müssen die Rahmenbedingungen aussehen, damit die Betriebe die Versorgung mit individuellen Prothesen, Sauerstoffgeräten, Inkontinenzprodukten oder anderen Hilfsmitteln sicherstellen können? Was erwarten die Unternehmen von der zunehmenden Digitalisierung? Welche Vorschläge zum Bürokratieabbau erachten sie als besonders wichtig, und welche Auswirkungen der Corona-Krise spüren sie?

Diese Fragen stellten der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und die Verbundgruppe rehaVital den Unternehmen der Branche in einer gemeinsamen Online-Befragung.

Oft entfällt ein Drittel der Arbeitszeit auf "Papierkram"

Dabei zeigte sich, dass die Hälfte der Betriebe bereits jetzt mehr als 30 Prozent ihrer Zeit auf Bürokratiepflichten verwendet. Zugleich sorgt etwa der Corona-bedingte Rückgang von Operationen bei fast 70 Prozent der Unternehmen der Hilfsmittelversorgung für Umsatzausfälle. Und für mehr als 50 Prozent der Umfrageteilnehmer bleibt auch der Fachkräftemangel eine große Herausforderung.

"Die Unternehmen sind doppelt betroffen", kommentiert der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks die Zahlen. "Niedrige Umsätze durch die Corona-Pandemie kommen hinzu, Dauerprobleme wie Bürokratie und Fachkräftemangel bleiben." Es sei "erschreckend, wie viel Zeit Betriebe der Hilfsmittelbranche durch Bürokratie verlieren".

Auch aus Sicht von rehaVital spitzt sich die Lage zu: "Hilfsmittelleistungserbringer verbringen täglich unzählige Stunden mit der Dokumentation ihrer Arbeit und anderen administrativen Aufgaben," so Jens Sellhorn, Geschäftsführer der Verbundgruppe. "Wir beobachten diese Entwicklung mit großer Sorge, zumal die Bürokratiepflichten durch die neuen Vorgaben der europäischen Medizinprodukteverordnung noch weiter steigen werden."

Neuer Mehraufwand droht seitens der EU

Diese EU-Verordnung, die für die Unternehmen zusätzlichen Aufwand bedeutet, kommt ab Mai 2021 zur Anwendung. Dann werden beispielsweise höhere Anforderungen an die Dokumentation und Bewertung für bestimmte Produkte gelten. Das führt nicht nur zu noch mehr Bürokratie, sondern kann auch den Zugang innovativer, individuell gefertigter Medizinprodukte zum Markt erschweren.

"Statt neuer Belastungen brauchen unsere Unternehmen weniger Bürokratie, gerade in Zeiten der Krise", warnt Dercks. "Wichtig ist nun eine praxisgerechte Auslegung der neuen Vorgaben." Dies halten der Umfrage zufolge auch rund 65 Prozent der Betriebe für sehr oder äußerst wichtig.

E-Rezept gut, aber kein Allheilmittel

Die geplante Einführung des E-Rezepts bietet dazu eine große Chance, auch wenn sich die Mehrheit der Betriebe davon allein noch keinen Durchbruch beim Bürokratieabbau verspricht. Dafür müssten sämtliche Schritte innerhalb des Versorgungsprozesses – vom Auftrag bis zur Abrechnung – auch tatsächlich digital durchführbar sein.

"Die Politik muss in allen Bereichen die Weichen auf Digitalisierung und Praktikabilität der Prozesse stellen", fordert Dercks. "Das spart in Unternehmen Zeit und Geld. Auch wenn die Kosten für neue IT-Ausstattung hoch sind – Hybride zwischen Digital und Papier oder parallel laufende Systeme sind erheblich aufwendiger." So sprachen sich auch mehr als 75 Prozent der Betriebe in der aktuellen Umfrage klar für vollständig digitalisierte Prozesse aus.

Als einen weiteren "Schritt in die richtige Richtung" nennt der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer eine bundesweite Vereinheitlichung der Dokumentationspflichten bei den Krankenkassen.

Telemedizin noch entschiedener nutzen

Sein Appell: "Wir sollten die Chancen dieser Krise nutzen – sie zeigt uns, dass nicht zuletzt die Telemedizin in der Praxis längst funktioniert." Sie könne und solle deshalb noch entschiedener zum Einsatz kommen.

40 Prozent der Betriebe halten es der neuen Erhebung zufolge für besonders wichtig, dass digitale Anwendungen in der Hilfsmittelversorgung stärker genutzt werden können. Auf diesem Weg lasse sich insbesondere die Versorgung im ländlichen Raum verbessern – etwa durch digitale Beratung und Wartung oder auch durch den Einsatz von Telemedizin.

DIHK-rehaVital-Umfrage "Corona-Krise, E-Rezept, Bürokratie" (PDF, 766 KB)

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Dr. Philipp Wien Referatsleiter Gesundheitswirtschaft

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