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Deutschland braucht mehr als nur oberflächliches China-Wissen

Martin Wansleben plädiert für mehr Sprachkurse und Austauschprogramme
Leuchtreklame mit chinesischen Schriftzeichen in Hongkong

Schriftzeichen-Dschungel in Hongkong: Hier würden sich die wenigsten Deutschen zurechtfinden

© Nikada / iStock / Getty Images Plus

Die immense Bedeutung inhaltlicher und sprachlicher China-Kompetenz für Wirtschaft und Politik hebt Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), hervor – und er nennt Frankreich als positives Beispiel.

"China ist seit 2016 Deutschlands wichtigster Handelspartner", erläutert Wansleben. "Für die Mehrheit der international tätigen deutschen Unternehmen zählt das Land sogar zu den Top-3-Märkten, wie unsere Umfragen zeigen."

China-Kompetenz sei dabei nicht nur für Betriebe von Bedeutung, die beispielsweise Mitarbeiter in das Land entsenden, so der DIHK-Hauptgeschäftsführer. Die Volksrepublik gewinne auch auf dem hiesigen Markt an Präsenz. "Im Rekordjahr 2016 gaben chinesische Unternehmen 12,6 Milliarden Euro für Firmenbeteiligungen und -übernahmen in Deutschland aus."

Darüber hinaus würden chinesische Unternehmen auf den globalen Märkten zunehmend zu Innovationsführern, gibt Wansleben zu bedenken. "Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft ist es daher wichtiger denn je, das Verständnis der chinesischen Geschäftskultur zu fördern." Diese Förderung könnte auch seitens der Politik unterstützt werden, etwa beim Sprachunterricht an Schulen, inklusive Berufsschulen, aber auch über Austauschprogramme.

Das Beispiel Frankreich zeige, dass durchaus mehr junge Menschen mit der chinesischen Sprache in Kontakt gebracht werden könnten, so Wansleben weiter. "In Frankreich lernen mit rund 38.000 Schülerinnen und Schülern in der Sekundarstufe etwa sieben Mal so viele junge Leute wie hierzulande Chinesisch."

In Deutschland komme China selbst in Fächern wie Erdkunde, Geschichte oder Wirtschaft nur selten vor. Und von über 11.000 Sekundarschulen hätten 2018 gerade einmal 86 Chinesisch als Unterrichtsfach angeboten.

Aus Sicht der deutschen Wirtschaft sei dies ein unbefriedigender Zustand, der nicht zu den wirtschaftlichen Realitäten passe, kritisiert der DIHK-Hauptgeschäftsführer. "Sowohl im politischen Entscheidungsprozess als auch im wirtschaftlichen Austausch ist tiefgründige inhaltliche und sprachliche China-Kompetenz wichtiger denn je, um die chinesische Vorgehensweise einordnen und angemessene Antworten finden zu können."

Der Wirtschaftsstandort Deutschland könne sich "weder als Wirtschaftspartner noch als Wettbewerber mit China leisten, nur oberflächliches China-Wissen aufzuweisen", mahnt Wansleben.

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Vera Philipps Referatsleiterin Ostasien (Greater China, Japan, Korea) | APA: Korea

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Thomas Renner Pressesprecher | Leiter des Presseteams