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Digitale Modelle in der Gesundheitswirtschaft nicht gefährden

Dercks: "Große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit"
Von hinten gezeigte Frau hält ein Smarphone in der Hand, auf dem ein Arzt zu sehen ist

"Doktor mobil": Das Arztgespräch per Smartphone ist eine von zahlreichen Optionen der digitalen Gesundheitswirtschaft

© verbaska_studio / iStock / Getty Images Plus

Digitale Therapiebegleiter, präzise KI-Diagnostik oder Virtual Reality in der Rehabilitation: Der digitale Gesundheitsmarkt bietet große Chancen. Allerdings stimmen nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) die Rahmenbedingungen noch nicht.

Vor allem kleinen und mittleren Betrieben sowie Start-ups eröffnen innovative Gesundheitsanwendungen attraktive Geschäftsmöglichkeiten. Doch klafft aus Sicht der jungen Unternehmen "eine große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit", wie der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks betont.

Denn: "Komplizierte und wenig innovationsfreundliche Strukturen gefährden in Deutschland solche digitalen Geschäftsmodelle", bedauert Dercks, und er verweist auf eine DIHK-Umfrage unter Start-ups, bei der 67 Prozent der Teilnehmer es für "sehr" oder "äußerst wichtig" befanden, dass die Besonderheiten digitaler Gesundheitsanwendungen in der Marktregulierung stärker berücksichtigt werden.
"Der DIHK unterstützt die Weiterentwicklung hin zu innovationsoffenen nationalen Rahmenbedingungen", stellt Dercks klar – zumal Hersteller ab Mai dieses Jahres zusätzlich mit erschwerenden europäischen Vorgaben konfrontiert seien. "Es ist deshalb richtig, dass digitale Gesundheitsanbieter in Zukunft selbstständig beantragen können, ihre Leistungen in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung mit aufzunehmen."

Wichtig sei eine innovationsoffene Ausgestaltung der Bewertungsverfahren und eine Vermeidung von Doppelprüfungen sowie Rechtsunsicherheiten im Zusammenspiel mit den neuen europäischen Vorgaben, fährt der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer fort. "Denn all das ist mit zusätzlicher Bürokratie und weiteren Kosten für die Unternehmen verbunden."

Dercks erinnert daran, dass insbesondere Start-ups in der Regel über begrenzte finanzielle sowie personelle Ressourcen verfügen, sodass innovative Anwendungen gegebenenfalls nicht bis zur Markteinführung gebracht werden. "Das konterkariert in der Praxis aber das Ziel des Gesetzgebers, digitale Gesundheitsanwendungen zügig in die Versorgung zu bringen."

Darüber hinaus benötigten die jungen Unternehmen nach Einschätzung des DIHK bessere Rahmenbedingungen: schnelle Zulassungsverfahren für digitale Produkte in Europa, pragmatische Lösungen für KI-Technologie in der Medizin, eine zukunftsfeste und vernetzte digitale Infrastruktur, weniger Bürokratie und einen erleichterten Investoreneinstieg.

Dabei ist laut Dercks "nicht nur Berlin, sondern auch Brüssel gefragt". Sein Vorschlag: "Die Bundesregierung sollte den deutschen Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft nutzen, um die Rahmenbedingungen für diese Unternehmen zu verbessern."

Das Bundesgesundheitsministerium veröffentlichte zum Thema Mitte Januar den Entwurf einer "Digitale-Gesundheitsanwendungen-Verordnung" (DiGAV), den der DIHK am 17. Februar wie folgt kommentiert hat:
DIHK-Stellungnahme DiGAV (PDF, 227 KB)

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