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DIHK-Analyse: Corona trifft Gesundheitsbetriebe besonders stark

Dercks warnt vor Bumerang-Effekten bei der Versorgung
Ärztin hält positives Coronavirus-Teströhrchen in der Hand

Patient Gesundheitswirtschaft: Das Coronavirus trifft die Branche doppelt

© Samara Heisz / iStock / Getty Images Plus

Im Kampf gegen das Coronavirus muss gerade die Gesundheitsbranche ihre Potenziale voll ausschöpfen können – ausgerechnet diese Betriebe sind aber nach einer aktuellen Analyse des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) überdurchschnittlich stark von den direkten wie auch von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie betroffen.

"Bei einer Reihe von Einschränkungen, die jetzt erlassen oder diskutiert werden, sind gesundheitsrelevante oder sogar lebensnotwendige Dienstleistungen oder Produkte stark beeinträchtigt", warnt der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks.

Einschränkungen der wirtschaftlichen Betätigung während der Krise fragwürdig

"Deshalb müssen wir bei allen Entscheidungen zulasten der Wirtschaft immer auch gefährliche Nebenwirkungen und mögliche Bumerang-Effekte vor allem im Bereich der Gesundheitswirtschaft mit bedenken. Gerade hier ist es fragwürdig, die wirtschaftliche Betätigung während der Corona-Krise einzuschränken. Das würde auch der Gesundheitsversorgung einen Bärendienst erweisen."

So trifft das Exportverbot für Schutzausrüstung auch deutsche Pharmahersteller, die damit ihre Mitarbeiter in ausländischen Produktionsstätten ausrüsten müssen, um dort in sterilen Räumen dringend notwendige Medikamente herzustellen. Die gut gemeinten Regelungen belasten die ohnehin schon gestörten Lieferketten nun zusätzlich.

Gesundheitsbetriebe befürchten Engpässe

"Das ist einer der Gründe, warum in der aktuellen DIHK-Blitzumfrage zur Corona-Krise fast doppelt so viele Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft negative Auswirkungen auf ihre Geschäfte durch fehlende Waren und Dienstleistungen erwarten als im Durchschnitt der gesamten Wirtschaft", so Dercks. In der Gesundheitswirtschaft äußern 40 Prozent entsprechende Befürchtungen, im Durchschnitt aller Branchen sind es derzeit im Vergleich dazu nur 23 Prozent.

Dercks: "Aus den Rückmeldungen der Unternehmen lässt sich herauslesen: Uns droht nicht nur ein Engpass an Schutzausrüstungen, sondern auch bei wichtigen Medizinprodukten und Arzneimitteln. Deshalb ist gerade jetzt staatliches Handeln mit Augenmaß gefragt."

Pragmatische Entscheidungen gefragt

So sei es eine richtige Entscheidung, Apotheken die Herstellung von bestimmten Desinfektionsmitteln zu ermöglichen. "Hier hat die Politik den Impuls aus der wirtschaftlichen Praxis beherzt aufgegriffen", sagt Dercks. "In unserer Unternehmensbefragung setzen die Betriebe aus der Gesundheitsbranche deutlich stärker als der Durchschnitt auf zumindest vorübergehende Deregulierung, um möglichst handlungsfähig durch die Krise zu kommen."

Aus der DIHK-Analyse geht ebenfalls hervor, dass die Unternehmen auch bei den direkten Dienstleistungen für Patienten Engpässe wegen der Corona-Krise erwarten: So rechnen in der Gesundheitswirtschaft fast die Hälfte der Unternehmen (47 Prozent) mit erheblichen Problemen aufgrund krankheitsbedingter Ausfälle – der Wert liegt damit höher als im Durchschnitt aller Betriebe (34 Prozent).

Im Dialog bleiben

"Viele Unternehmen der Gesundheitswirtschaft haben die Sorge, dass die Versorgung der Patienten vor Ort etwa mit dringlichen medizinischen Produkten wie Flüssigsauerstoff beeinträchtigt wird, wenn zu viele Mitarbeiter zu Hause bleiben müssen", sagt Dercks. "Ein kontinuierlicher Dialog aller relevanten Akteure aus Politik, Behörden und Unternehmen der Gesundheitswirtschaft muss in dieser Situation zu einer Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung beitragen."

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Porträtfoto Katharina Huhn, Referatsleiterin Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen
Katharina Huhn Referatsleiterin Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen

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Thomas Renner Pressesprecher | Leiter des Presseteams
mikroskopische Vergrößerung des Coronavirus

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