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DIHK: Keine schnelle Erholung in Sicht

Neue Konjunktur-Blitzumfrage lässt langen, harten Weg erwarten
Geschäftsfrau mit Mundschutz blickt in Unterlagen und stützt dabei den Kopf unglücklich in die Hand

Der Blick in die Bücher ist für die meisten Unternehmen in der Pandemie unerfreulich

© Daniel Balakov /iStock / Getty Images Plus

Trotz der Lockerungen von Corona-Beschränkungen und der von der Politik angekündigten Unterstützungsmaßnahmen ist für die deutschen Unternehmen keine schnelle Erholung in Sicht. Das zeigt eine aktuelle Konjunktur-Blitzumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

"Die Hälfte der Betriebe rechnet frühestens im nächsten Jahr mit einer Rückkehr zur geschäftlichen Normalität. Nur ein Drittel erwartet eine Normalisierung schon in diesem Jahr", fasst DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben die Ergebnisse der Erhebung unter bundesweit rund 8.500 Unternehmen aller Branchen und Regionen zusammen. "Das zeigt, der Weg zurück für die Wirtschaft wird lang und hart."

So bedeutend Überbrückungshilfen und Konjunkturpakete auch seien: "Nichts ist für Unternehmen so wichtig wie die Chance, selbst wieder am Markt Umsatz machen zu können", betont Wansleben

"Das V ist vom Tisch "

Der Umfrage zufolge erwarten weiterhin vier von fünf Betrieben für das gesamte Jahr einen Umsatzrückgang. Im DIHK-Konjunkturradar fällt die Geschäftslage auf den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebungen 1985. "Diese Zahlen zeigen die aktuell große Verunsicherung unserer Unternehmen", so der DIHK-Hauptgeschäftsführer.

"Sie sehen mit großer Sorge, dass ihre Geschäfte nicht schnell wieder in Gang kommen, obwohl der Shutdown in Deutschland und anderen Partnerländern gelockert worden ist." Aus Sicht des DIHK bestätigt die Umfrage die Prognose eines Wirtschaftseinbruchs von 10 Prozent in diesem Jahr. Auch wird der Weg aus dem Tal eher länger als kürzer. "Das V ist vom Tisch", befürchtet Wansleben.

Kaum Spielraum für Zukunftsinvestitionen

Konkret berichten 60 Prozent der Unternehmen von weniger Nachfrage und 43 Prozent von stornierten Aufträgen. Mehr als ein Drittel der Betriebe plant weniger Investitionen, in der Industrie sind es sogar 55 Prozent. "Dabei brauchen wir angesichts der enormen Herausforderungen bei Digitalisierung und Energiewende Innovationen und Investitionen hierzulande, um auch nach der Krise wettbewerbsfähig zu sein", betont der DIHK-Hauptgeschäftsführer.

Finanzierungsprobleme nehmen zu

Hinzu kommt, dass immer mehr Unternehmen mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen haben. Das schränkt zusätzlich Raum für Investitionen in neue Technologien, Produkte und Märkte ein. Mehr als 40 Prozent berichtet von Liquiditätsengpässen. Fast jeder zweite Betrieb meldet einen Rückgang des Eigenkapitals. "Das geht vor allem bei mittelständischen Unternehmen schnell an die Substanz, weil zur Finanzierung laufender Zahlungsverpflichtungen die Umsätze fehlen", berichtet Wansleben.

"Wir sollten den Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesregierung deshalb unbedingt mittelstandsfreundlicher gestalten, damit auch zahlenmäßig mehr Unternehmen davon profitieren können. Außerdem läuft die Zeit davon. Wir sehen Bundesregierung und EU-Kommission hier erheblich unter Zugzwang."

EU-Binnenmarkt muss wieder anspringen

Wegen der Corona-Einschränkungen im Welthandel rechnet der DIHK in diesem Jahr mit einem Exportrückgang von 15 Prozent. "Jeder zweite Arbeitsplatz in Deutschland hängt am Export," betont Wansleben. "Deshalb kann das nationale Konjunkturpaket nur einen Teil der Krise lösen."

"Wichtig ist, dass sich Europa schnellstmöglich auf ein wirksames Re-Start-Paket verständigt, damit der Binnenmarkt anspringt. Insgesamt sind offene Grenzen und ein freier Waren- und Personenverkehr unverzichtbar, damit es für unsere Wirtschaft wieder bergauf geht", betont Wansleben. "Deshalb ist es auch aus wirtschaftlicher Hinsicht so wichtig, dass das Coronavirus weltweit überwunden wird." Bilaterale Abkommen zur Erleichterung von Geschäftsreisen sind für das Exportgeschäft hier ein wichtiger Baustein.

Sie finden die kompletten Umfrageergebnisse hier in einer deutschen und einer englischen Fassung zum Download:

Auswirkungen des Corona-Virus auf die deutsche Wirtschaft | 4. DIHK-Blitzumfrage Juni 2020 (PDF, 388 KB)

Economic impact of Covid-19 on the German economy | 4th DIHK flash poll June 2020 (PDF, 185 KB)


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Porträtfoto Martin Wansleben
Dr. Martin Wansleben Hauptgeschäftsführer

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Dr. Christian Jekat Pressesprecher