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DIHK rechnet mit Rekord-Einbruch bei den US-Exporten

Im China-Geschäft dagegen leichte Entspannung
Gabelstapler liftet Container im Hafen

Exportstau: Vor allem in den USA stoßen Waren "made in Germany" derzeit auf eine drastisch gesunkene Nachfrage

© bugphai / iStock / Getty Images Plus

Die Covid-19-Pandemie hat die USA fest im Griff. Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), beobachtet die Konjunkturentwicklung bei dem größten Handelspartner Deutschlands mit großer Sorge.

"Die deutschen Unternehmen erleben in den USA einen regelrechten Nachfragekollaps", fasst Treier die Lage zusammen. "Der Rückgang ist dort viel stärker als in anderen Ländern, nicht zuletzt, weil das soziale Sicherungssystem dort relativ schwach ausgeprägt ist."

Nachfrageeinbruch und Reisebeschränkungen

Binnen kurzer Zeit seien 30 Millionen Amerikaner arbeitslos geworden. "Da wird weniger 'made in Germany' nachgefragt." Als weitere Faktoren, die aufs deutsche Exportgeschäft in den USA drücken, nennt der DIHK-Außenwirtschaftschef Reisebeschränkungen und eine restriktive Visa-Vergabe.

Unter dem Strich rechne der DIHK damit, dass die deutschen Exporte in die USA in diesem Jahr um fast 20 Prozent sinken werden – ein nie dagewesener Einbruch.

Talsohle in China durchschritten

Ein etwas erfreulicheres Bild zeichnet Treier vom Verhältnis zu China, dem drittgrößten Handelspartner Deutschlands: "Hier haben wir die wirtschaftliche Talsohle durchschritten", so seine Einschätzung. 70 bis 80 Prozent der deutschen Unternehmen im Reich der Mitte seien wieder produktions- und lieferfähig.

Holprig gestalte sich der Weg nach oben vor allem aufgrund von Problemen mit den Lieferketten. Treier: "Die Reisebeschränkungen behindern zudem eine reibungslose Rückkehr von Firmenlenkern und Mitarbeitern. Das Aufstellen von Maschinen und deren Wartung durch Ingenieure – all das klappt längst nicht reibungslos." Das werde vor allem für die deutschen Maschinenbauer zum Problem.

Aber noch lange kein Status quo ante

"Es ist noch lange nicht so, wie es vor der Pandemie war", konstatiert der DIHK-Außenwirtschaftschef. "Fast jedes zweite deutsche Unternehmen in China hat Investitionen verschoben oder ganz storniert." Der DIHK rechnet damit, dass die deutschen Exporte nach China in diesem Jahr um rund 10 Prozent sinken werden.

Handelskonflikt rückt – vorerst – in den Hintergrund

Dass es um das Verhältnis zwischen den beiden Wirtschaftspartnern Deutschlands derzeit nicht zum Besten steht, rückt laut Treier aktuell in den Hintergrund: "Die politischen Verwerfungen zwischen den USA und China fallen in diesem Jahr kaum ins Gewicht angesichts der dramatischen negativen Konjunkturentwicklung durch die Pandemie", so seine Einschätzung. "In Zeiten gestörter Lieferketten ist der Handelskonflikt konjunkturell kaum spürbar."

Allerdings sei der Konflikt "strukturell äußerst problematisch", warnt der DIHK-Außenwirtschaftschef. "Er kann später die Rückkehr zur Normalität erheblich behindern."

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Dr. Volker Treier Mitglied der DIHK-Hauptgeschäftsführung

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Thomas Renner Pressesprecher | Chef vom Dienst