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DIHK: Sorge vor Scheitern der Brexit-Verhandlungen wächst

Unternehmen fürchten insbesondere erhöhte Belastungen durch Zölle und Wartezeiten
LKW warten in Dover

Schon heute müssen LKW-Fahrer am Hafen von Dover manchmal viel Geduld beweisen

© Daniel T. Hulse / iStock / Getty Images Plus

Die Diskussion über das britische Vorhaben, das gültige Austrittsabkommen zu ändern, bringt nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) neue Unsicherheit für die Unternehmen. "Dabei steht für die Wirtschaft auf beiden Seiten des Kanals viel auf dem Spiel", kommentiert Martin Wansleben die aktuelle Situation.

Großbritannien hatte vor einigen Tagen überraschend angekündigt, einseitig den im Januar mit der EU verabschiedeten Brexit-Vertrag revidieren zu wollen. Dabei geht es unter anderem um die Aussetzung von Zollregelungen im Warenhandel für die Provinz Nordirland.

Erhebliche Zölle drohen

Allein für die Automobilbranche – die den größten Anteil am Handelsvolumen zwischen Deutschland und Großbritannien hat – drohten ohne Abkommen in weniger als vier Monaten Zölle in Höhe von mindestens zwei Milliarden Euro, so der DIHK-Hauptgeschäftsführer. "Zusätzlich befürchten die Unternehmen abbrechende Lieferketten und lange Wartezeiten an den Grenzen, da es auf britischer Seite noch immer keine funktionierende Infrastruktur für die Zollabwicklung gibt."

Großbritannien hat als Exportmarkt bereits an Bedeutung verloren

Bereits die Brexit-Unsicherheiten der Vergangenheit hätten deutliche Spuren hinterlassen, erinnert Wansleben. "Seit dem Referendum im Jahr 2016 sind die deutschen Exporte auf die britische Insel merklich gesunken – von 89 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 79 Milliarden Euro im Jahr 2019. Dadurch ist das Vereinigte Königreich von Rang 3 auf Rang 5 der wichtigsten Exportmärkte Deutschlands abgerutscht." Dieser Trend setze sich in diesem Jahr fort – und werde durch die Corona-Krise noch zusätzlich verschärft. "So sind die deutschen Exporte zwischen Januar und Juli um fast 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen."

Künftige Beziehungen sollten mit "klaren Prioritäten" gestaltet werden

Für die Unternehmen ist es dem DIHK-Hauptgeschäftsführer zufolge umso wichtiger, dass die künftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien mit klaren Prioritäten geregelt werden: "EU-Binnenmarkt zusammenhalten, Zölle vermeiden, Transportwege aufrechterhalten und die Bürokratie beim Warenaustausch so gering wie möglich halten."

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Mathias Dubbert Referatsleiter Europapolitik, EU-Finanzierungsinstrumente, Europäische Außenwirtschaftsförderung

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