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Erstes Halbjahr "nie dagewesener Rückschlag" für den Export

Zurückhaltung auch bei Industriebestellungen aus dem Ausland
Hafenarbeiter vertäut einen Frachter

Im Außenhandel ist derzeit langer Atem nötig

© lagereek / iStock / Getty Imges Plus

Trotz der jüngsten Zuwächse bei den deutschen Ausfuhren erwartet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ein weiterhin schwieriges Exportjahr – zumal auch die Industrieaufträge noch weit unter Vorjahresniveau liegen.

Im vergangenen Juni rangierten die hiesigen Exporte nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes um 9,4 Prozent unter dem Stand von Juni 2019; im Vergleich zu Mai 2020 nahmen sie kalender- und saisonbereinigt um 14,9  Prozent zu.

Geschäfte kamen vielfach fast zum Erliegen

Der Anstieg gegenüber dem Vormonat könne jedoch "nicht darüber hinwegtäuschen, dass 2020 ein schwieriges Jahr bleiben wird", betont DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Das erste Halbjahr 2020 war ein nie dagewesener Rückschlag für die deutschen Exporte."

Der plötzliche Ausfall von weiten Teilen der Weltwirtschaft habe die Geschäfte der Exporteure fast zum Erliegen gebracht, erinnert er. Seine Befürchtung: "Die geringere Nachfrage nach Gütern und weniger Investitionen aufgrund der globalen Wirtschaftskrise werden die Krise weiter lodern lassen."

Protektionismus-Krise abwenden

Treier verweist auf den "AHK World Business Outlook", dem zufolge mehr als 90 Prozent der  deutschen  Unternehmen im Ausland davon ausgehen, dass sich die weltweite  Konjunktur im Laufe dieses Jahres nicht mehr erholen wird. "Viele rechnen sogar erst mit einer Erholung im Jahr 2022 oder später", berichtet Treier. 

Für das Gesamtjahr erwarte der DIHK einen Rückgang der Exporte von 15 Prozent, so der DIHK-Außenwirtschaftschef. "Umso wichtiger für die Unternehmen ist es, dass die vielen Handelshemmnisse, die zur Bekämpfung des Virus eingeführt wurden, auch wieder abgebaut werden. Ansonsten droht nach der Corona-Krise die Protektionismus-Krise."

Auch der Auftragseingang in der Industrie leidet

Zur Entwicklung bei den Exporten passt, dass der Auftragseingang in der Industrie im vergangenen Juni gegenüber Juni 2019 um 10,8 Prozent gesunken ist.

Zwar gab es im Vergleich zum Vormonat Mai 2020 einen saison- und kalenderbereinigten Anstieg von 27,9 Prozent doch nach Worten von Ilja Nothnagel, Mitglied der DIHK-Hauptgeschäftsführung, fällt auf, "dass gerade die Bestellungen aus dem Ausland weiterhin zurückhaltend erfolgen".

Für die international vernetzte deutsche Industrie werde es in den nächsten Monaten darauf ankommen, wie es weltweit den anderen Volkswirtschaften gelinge, erfolgreich mit der Pandemie umzugehen, so Nothnagels Einschätzung. "Denn das ist Bedingung dafür, dass Bestellungen und Investitionen auch in wichtigen Partnerländern wieder anziehen."

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Kevin Heidenreich Referatsleiter Grundsatzfragen der Außenwirtschaft und Entwicklungspolitik

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