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EU-Grenzöffnungen: "Wie ein zweites Konjunkturpaket"

Deutsche Wirtschaft braucht ungehinderten Waren-, Personen- und Güterverkehr
Grenzübergang nach Frankreich

Der Verkehr von und nach Frankreich rollt wieder

© Remy genoud / iStock / Getty Images Plus

Fast 30 europäische Länder haben ab sofort ihre Corona-bedingt geschlossenen Grenzen wieder geöffnet. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hofft auf positive Effekte für die hiesigen Unternehmen – und auf weltweite Impulse.

"Fast die Hälfte des deutschen Bruttoinlandsprodukts hängt am Export", erläutert DIHK-Präsident Eric Schweitzer die Zusammenhänge. Das gute Konjunkturpaket der Bundesregierung könne Zuversicht und Nachfrage aber lediglich in Deutschland positiv beeinflussen.

Nötig: Auslandsnachfrage und funktionierende Lieferketten

"Nur, wenn die Nachfrage nach deutschen Produkten und Dienstleistungen auch weltweit wieder anspringt, kann unsere Volkswirtschaft wieder Fahrt aufnehmen", so Schweitzer. "Wir sind also auf eine erfolgreiche Stabilisierung der Wirtschaft in anderen Ländern angewiesen, und deutsche Unternehmen brauchen offene Grenzen und einen ungehinderten Waren-, Personen- und Güterverkehr. Nur dann funktionieren die vielfältigen Lieferketten beim Import von Vorleistungen genauso wie beim Export von Gütern."

Konjunkturimpulse ohne Zusatzkosten

Die seit dem 15. Juni geltenden EU-Grenzöffnungen können nach Einschätzung des DIHK-Präsidenten "für die deutsche Wirtschaft deshalb wie ein zweites Konjunkturpaket wirken – und zwar, ohne dass es den Staat einen einzigen Cent kostet".

Denn: "Von offenen Grenzen profitieren nicht nur der Tourismus und sonstige Dienstleistungen, sondern auch die Industrie." Insgesamt hänge jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland vom Export ab, in der Industrie sogar jeder zweite.

Weltwirtschaft funktioniert nicht nur per Videokonferenz

"Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Grenzöffnung in Europa daher sehr wichtig", betont Schweitzer; er gibt jedoch zu bedenken, dass für 160 Länder außerhalb der EU Reisewarnungen bestehen bleiben. "Dazu zählen so wichtige Handelspartner wie die USA, China oder Russland. Klar ist aber: Nur mit Videokonferenzen funktioniert Weltwirtschaft nicht."

Gerade im Exportgeschäft sei es wichtig, Güter und Waren zu transportieren, Geschäftspartnern bei Verhandlungen über neue Aufträge persönlich in die Augen zu schauen oder vor Ort eine neue Maschine zu installieren. "Das alles muss möglich sein – ohne womöglich vorher und nachher zwei Wochen in Quarantäne zu gehen."

Mehr Kooperation in der EU

Nach Schweitzers Einschätzung hat die Krise "verdeutlicht, wie wichtig es ist, den EU-Binnenmarkt zu stärken, in den fast 60 Prozent aller deutschen Exporte gehen". Er mahnt: "Anstelle von Alleingängen wie vor allem zu Beginn der Pandemie müssen die EU-Mitgliedstaaten stärker miteinander kooperieren und einen unübersichtlichen Wust an Einzelmaßnahmen zukünftig unbedingt vermeiden."

Grenzöffnungen rund um den Globus erleichtern

Perspektivisch komme es darauf an, den Reiseverkehr nicht nur innerhalb Europas, sondern auch weltweit schrittweise wieder hochzufahren. "Von der europäischen Grenzöffnung können auch weltweit Impulse ausgehen", ist Schweitzer überzeugt. So könne der internationale Handel wieder in Gang kommen und Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland sichern.

Und: "Dabei haben wir es als Wirtschaft durch einen sorgfältigen Umgang mit den Gefahren des Coronavirus und kluge Regeln zum Gesundheitsschutz selbst mit in der Hand, der Politik weltweit die Öffnung der Grenzen zu erleichtern."

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Porträtfoto Eric Schweitzer
Dr. Eric Schweitzer DIHK-Präsident

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