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Festgezurrten Gordischen Knoten beim Brexit lockern

Wansleben: Für europäische wie britische Unternehmen steht viel auf dem Spiel
EU- und GB-Fahne vor Big Ben

Wie sortieren sich EU und Großbritannien nach dem Brexit auseinander?

© BrasilNut1 / iStock / Getty Images Plus

Dass die überraschend auf den 15. Juni vorverlegte Brexit-High-Level-Konferenz zwischen der EU und Großbritannien eine Annährung bringen könnte, hofft der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Das vorgezogenen Treffen der EU-Spitzen mit dem britischen Premierminister Boris Johnson rücke "die wichtigen zukünftigen bilateralen Beziehungen wieder ins Blickfeld", sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben zu dem neuen Termin.

Antragsfrist für eine längere Übergangszeit läuft ab

"Eine Verlängerung der Übergangszeit erscheint zwar immer unwahrscheinlicher. Dennoch sollten sich alle Beteiligte zwei Wochen vor Ablauf der Antragsfrist nochmals klar machen, dass für die Unternehmen auf beiden Seiten des Kanals sehr viel auf dem Spiel steht."

Die letzten Verhandlungsrunden seien nicht zuletzt durch politische Blockaden an ihre Grenzen gekommen. "Es bleibt die Hoffnung, den festgezurrten Gordischen Knoten am Montag gerade in Zeiten der Corona-Krise doch noch etwas zu lockern."

Zahlreiche Negativfolgen von Abfertigung bis Zoll

Ein geschlossenes Auftreten der EU gerade bei wichtigen Themen sei für die hiesige Wirtschaft weiterhin "entscheidend", so Wanleben. "Ohne Annäherung verlängert sich die Hängepartie für die deutschen Unternehmen", warnt er.

"Ein erschwerter Datenaustausch, die Einführung von Zöllen und die Unterbrechung von Lieferketten nach der Übergangsphase wären wahrscheinlich. Definitiv müssten sich die Unternehmen auf unterschiedliche Standards und deutlich längere Abfertigungszeiten für den Transport von Waren an den Grenzen sowie auf Zollanmeldungen gefasst machen."

Exporte nach UK sinken wegen des Brexit stärker als wegen Corona

Schließlich würde Großbritannien dann auch auf wirtschaftlicher Ebene zu einem Drittstaat – und das bereits in einem halben Jahr. "Wie wichtig eine Einigung ist, zeigt der Rückgang der deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich", so Wansleben. Diese sind in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres um rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen – ein deutlich stärkerer Einbruch als der Corona-bedingte Rückgang um 11 Prozent in die sonstige EU.

"Es ist wichtig, dass die Verhandlungen unter Hochdruck weitergehen", mahnt der DIHK-Hauptgeschäftsführer, "damit zumindest ein Teil der negativen Folgen des Brexit für Unternehmen abgefedert wird".

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Porträtbild Mathias Dubbert, Referatsleiter Europapolitik, EU-Finanzierungsinstrumente, Europäische Außenwirtschaftsförderung
Mathias Dubbert Referatsleiter Europapolitik, EU-Finanzierungsinstrumente, Europäische Außenwirtschaftsförderung

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Thomas Renner Pressesprecher | Leiter des Presseteams