Pfadnavigation

Für die Unternehmen zählt in der Corona-Krise jeder Tag!

Eric Schweitzer plädiert für unkonventionelle Sofortmaßnahmen
Geschäftsmann am Laptop putzt sich die Nase und hält die Hand am Kopf

Vorsicht, Ansteckungsgefahr! Das Coronavirus ist in der Wirtschaft angekommen

© PeopleImages / E+ / Getty Images

Angesichts der enormen wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Epidemie fordert der Deutsche Industrie- und Handelskammertages (DIHK) Politik und Verwaltung dazu auf, pragmatische Lösungen für die geplanten Stützungsmaßnahmen zu entwickeln.

"Wir brauchen jetzt unkonventionelle Sofortmaßnahmen, die schnell greifen", sagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Andernfalls würden die notwendigen Mittel nicht rechtzeitig bei den Unternehmen ankommen. "Noch haben wir die Chance, größere und dauerhafte Schäden von unserer Wirtschaft abzuwenden. Jeder Tag zählt jetzt." Aktuell stelle sich die Existenzfrage für ganze Branchen und Betriebe – und das ohne eigenes Verschulden.

Schnelle Initiative beim Kurzarbeitergeld richtig

"In den bislang am stärksten gebeutelten Branchen wie Reisewirtschaft oder Gastgewerbe haben bereits deutlich mehr als die Hälfte der Unternehmen akuten Bedarf für finanzielle Überbrückungshilfen – selbst in der Industrie ist es jedes dritte Unternehmen", berichtet der DIHK-Präsident. Das zeige die aktuelle DIHK-Unternehmensbefragung. "Ich befürchte, dass die eigentliche Welle an Umsatzeinbrüchen vielen Betrieben erst noch bevorsteht."

Die schnelle Initiative beim Kurzarbeitergeld ist nach den Worten Schweitzers "der richtige Schritt". Im Vergleich zur Finanzkrise kämen in der aktuellen Situation aber noch weitere Faktoren hinzu: "Wir erleben nicht nur Unsicherheiten bei der Finanzierung vieler Unternehmen. Vielmehr sehen viele Unternehmen die Gefahr, dass sie bei fortgesetzter Krise ihren Geschäftsbetrieb komplett herunterfahren müssen."

Gleichzeitig müssten die Betriebe weiterhin ihre Verpflichtungen erfüllen. Dazu gehöre nicht nur die Zahlung von Löhnen und Gehältern, sondern auch von Krediten, Steuern und Abgaben. "Es ist im Interesse aller, eigentlich gesunde Unternehmen in dieser Situation mit raschen Entscheidungen über Wasser zu halten", gibt der DIHK-Präsident zu bedenken.

"Vieles, was für normale Zeiten entwickelt worden ist, wird in der Krise nicht funktionieren"

So sollten Unternehmen ihre in diesem Jahr anfallenden Verluste sofort mit anstehenden Steuernachzahlungen für die Vorjahre verrechnen können, schlägt Schweitzer vor. "Aktuell zählt jeder Cent, der in den Unternehmen bleiben kann. Das gilt für Kleinbetriebe genauso wie für mittelständische Familienunternehmen und Großkonzerne."

Außerdem sollten die Finanzämter die fälligen Vorauszahlungen bei den Ertrag- und Umsatzsteuern sofort für einige Monate zinsfrei stunden. "Wo aktuell kein Ertrag ist, sollte erst mal nichts abgeführt werden müssen. Wir sollten das alles über einfache Pauschalregelungen machen, um gefährliche Engpässe zu vermeiden."

Dieser Grundsatz gilt laut Schweitzer für alle Sofortmaßnahmen: "Vieles, was für normale Zeiten entwickelt worden ist, wird in der Krise nicht funktionieren. Anträge, die erst gestellt, komplett bearbeitet und bewilligt werden müssen, binden Ressourcen, über die auch die Behörden kurzfristig nicht verfügen."

Als weiteren wichtigen Punkt nennt der DIHK-Präsident die geltende Bankenregulierung: "Viele zukunftsfeste und tragfähige Unternehmen stecken in einem akuten finanziellen Engpass. Nach den geltenden Regeln droht ihnen, dass Banken die Kredite kündigen, statt eine Überbrückungsfinanzierung zu ermöglichen." Solche Fälle müssten durch vorübergehende staatliche Garantien und eine Ausweitung der Kreditlinien bei den Hausbanken und Förderinstituten aufgefangen werden.

Kontakt

Mann im Haus der deutschen Wirtschaft
Dr. Rainer Kambeck Bereichsleiter Wirtschafts- und Finanzpolitik, Mittelstand

Kontakt

Porträtfoto Frank Thewes
Frank Thewes Bereichsleiter Kommunikation
mikroskopische Vergrößerung des Coronavirus

Alle Infos zum Thema Coronavirus

Was die Covid-19-Pandemie für die deutschen Unternehmen hierzulande und auch im Ausland bedeutet, beleuchten wir in unserem Dossier zum Coronavirus: Hier finden Sie Fragen und Antworten, Umfrageergebnisse und mehr.