Pfadnavigation

Industrie soll bei Sustainable Finance mitreden

Gemeinsamer Appell von DIHK, BDI und BDEW an EU-Kommission
Frau blickt auf großes Terminal mit vielen verschiedenen Grafiken und Tabellen

Auf den Finanzmärkten werden künftig Nachhaltigkeitskriterien stärker in den Blick genommen

© Artem Peretiatko/ iStock / Getty Images Plus

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat sich gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) für eine stärkere Beteiligung der Unternehmen an der Erarbeitung der EU-Regeln für ein nachhaltiges Finanzwesen ausgesprochen. 

In einem öffentlichen Schreiben an den Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, Valdis Dombrovskis, appellieren die Verbände, ein neues Expertengremium zu einem Drittel mit Vertretern der Industrie zu besetzen.  

Die "Sustainable Finance Platform" wird eingerichtet, um Kriterien für die Nachhaltigkeit wirtschaftlicher Tätigkeiten zu entwickeln. Diese Kriterien werden darüber entscheiden, welche Unternehmen von der Finanzwirtschaft als "nachhaltig" eingestuft werden können, und sollen zunächst vornehmlich von Finanzmarktakteuren angewandt werden. Finanzierungen gelten nur dann als "grün", wenn die Unternehmen die EU-Kriterien erfüllen.  

Derzeit sind in der Expertengruppe Vertreter der betroffenen industriellen Branchen unterrepräsentiert; zudem wurden sie in Vergangenheit oft nur ad hoc und mit unzureichenden Fristen konsultiert. Aus Sicht des DIHK ist dies problematisch. Denn es mangelt dadurch an Expertise der einzelnen Sektoren, um sinnvolle Bewertungskriterien zu erarbeiten.

Dies zeigt sich in den ersten Empfehlungen der Expertengruppe, die im Juni 2019 vorgelegt wurden. In einigen Fällen wurden Kriterien festgelegt, die Energiewende und Klimaschutz in der Realwirtschaft eher auszubremsen drohen als befördern. 

In der Praxis ist zu erwarten, dass sich die Finanzierungsbedingungen für nicht als nachhaltig eingestufte Unternehmen verschlechtern. Für Finanzinstitute und Investoren besteht ein Anreiz, ihr Portfolio um nicht als nachhaltig eingestufte Unternehmen zu bereinigen.

Zudem werden Betriebe offenlegen müssen, inwiefern sie die Taxonomie-Kriterien erfüllen, was insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen zu einem unverhältnismäßigen Erfüllungsaufwand führen wird.


Kontakt

Porträtfoto Julian Schorpp
Julian Schorpp Referatsleiter Europäische Energie- und Klimapolitik

Kontakt

Avatar weiblich
Franziska Stavenhagen Pressesprecherin