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Iran-Krise "weitere ernsthafte Belastung" für die Weltkonjunktur

Treier: Wirtschaftlich steht viel auf dem Spiel
Vor einer Ölleitung stehen Fässer mit der Iran-Flagge besprüht.

© Bet_Niore / iStock / Getty Images Plus

Mit Sorge beobachtet Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), die Zuspitzung der Streitigkeiten zwischen den USA und dem Iran. Für die deutsche Wirtschaft steige die Unsicherheit, auch hinsichtlich der Ölversorgung.

"Die deutsche Konjunktur ist in keiner besonders guten Phase", schildert Treier die Lage. "Die Geschäfts- und Exporterwartungen der Unternehmen in Deutschland sind so schlecht wie seit über zehn Jahren nicht mehr."

Die Entwicklungen im Nahen Osten stellten "neben den bestehenden Handelskonflikten und dem nahenden Brexit eine weitere ernsthafte Belastung für die Weltwirtschaft und die exportorientierten Unternehmen" dar. Um die konkreten ökonomischen Auswirkungen beurteilen zu können, sei es derzeit allerdings noch zu früh.

Grundsätzlich sehe der DIHK in der Region aktuell zwei Risikofaktoren für die hiesige Wirtschaft: "Erstens könnte die jüngste Zuspitzung die Geschäftsperspektiven und Investitionsabsichten deutscher Unternehmen auf der Arabischen Halbinsel negativ beeinflussen", erläutert Treier. Hinzu kämen Unwägbarkeiten hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation in Nachbarregionen wie der Türkei oder Ägypten, wo die deutschen Unternehmen ebenfalls stark präsent seien.

"Zweitens", so Treier weiter, "könnte der Konflikt die Unsicherheiten über die weltweite Ölversorgung verstärken." Bereits in den vergangenen drei Monaten seien die Ölpreise trotz der schlechten Weltkonjunktur gestiegen. "Jetzt besteht Sorge, dass dieser Preisanstieg von Dauer ist und auch die deutsche Wirtschaft belastet."

Wenn sich allein die jüngste Verteuerung um fünf Prozent seit Ende vergangener Woche verfestige, würde dies die deutsche Volkswirtschaft rund zwei Milliarden Euro im Jahr kosten, rechnet der DIHK-Außenwirtschaftschef vor. Das mache dann nicht nur den Unternehmen zu schaffen, sondern auch den Verbrauchern, "die bislang mit einer robusten Binnennachfrage die bereits lahmende deutsche Konjunktur noch stützen".

Gleichzeitig sei der Nahe Osten für die deutsche Wirtschaft sehr relevant, stellt er klar. "Unsere Unternehmen exportieren Waren in Höhe von 25 Milliarden Euro in den Nahen Osten, sie haben dort rund elf Milliarden Euro investiert und beschäftigen etwa 80.000 Mitarbeiter."

Außerdem versorge die Region die Weltwirtschaft in hohem Maße mit Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas – sowohl direkt für den Verbrauch als auch für die Weiterverarbeitung. Treier: "Es steht wirtschaftlich also viel auf dem Spiel."

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Philipp Andree Referatsleiter Nordafrika | Nah- und Mittelost

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