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Mit Bachelor Professional gegen den Fachkräftemangel

Eric Schweitzer: Einführung ist "der richtige Weg"
Studenten im Robotiklabor

Zwischen Theorie und Praxis: Über die Karriere entscheidet nicht zwangsläufig die Art der Laufbahn

© boggy22 / iStock / Getty Images Plus

In der Debatte um die vom Bundestag bereits gebilligten Abschlüsse "Bachelor Professional" und "Master Professional" bricht Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), eine Lanze für die neuen Bezeichnungen.

In einem Gastbeitrag auf  "Spiegel Online" erläutert Schweitzer, warum eine Einführung der Begriffe für die Unternehmen so wichtig ist:

"Die aktuelle DIHK-Konjunkturumfrage zeigt einmal mehr: Fachkräftemangel ist das größte Geschäftsrisiko der Unternehmen. Gerade Absolventen der Höheren Berufsbildung – etwa Industriemeister, Fachwirte oder Betriebswirte – werden von den Betrieben besonders häufig vergeblich gesucht.

Die Einkommens- und Beschäftigungsperspektiven dieser beruflich top qualifizierten Fachkräfte stehen denen von Akademikern in nichts nach und sind teilweise sogar noch besser. In der Praxis ist dies aber leider noch zu wenig bekannt. Eine Folge davon sind teilweise gravierende Fachkräfteengpässe in den Unternehmen.

Die geplanten neuen Abschlussbezeichnungen Bachelor Professional und Master Professional sind der richtige Weg, um die Praxisnähe und besonderen Fähigkeiten von Absolventen der Höheren Berufsbildung auch sprachlich zum Ausdruck zu bringen.

Dabei machen die neuen Begriffe deutlich: Die Abschlüsse der Beruflichen Bildung sind gleichwertig zu denen der Hochschulen und damit genau so viel wert. Diese Gleichwertigkeit ist zwar im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) bereits dokumentiert, hat sich aber in der Öffentlichkeit noch nicht in der Breite durchgesetzt.

Die Bezeichnungen Bachelor und Master Professional schaffen Abhilfe. Sie stehen als Markenbegriffe für den hohen Wert einer ganzen Angebotspalette beruflicher Fortbildungsabschlüsse. Zugleich heben sie sich durch den Zusatz 'Professional' klar und deutlich von den Hochschulgraden ab, so dass eine Verwechslungsgefahr nicht gegeben ist.

Die Einführung von Bachelor und Master Professional ist zudem ein wichtiger Beitrag zur Internationalisierung der Beruflichen Bildung und unterstützt die Mobilität von Fachkräften. Gerade für Unternehmen im nicht-deutschsprachigen Raum sind die neuen Bezeichnungen eine wichtige Hilfestellung, um berufliche Fortbildungsabschlüsse richtig einzuordnen.

In vielen Bundesländern ist die Verwendung der Begriffe Bachelor und Master Professional in den IHK-Zeugnisübersetzungen deshalb schon seit Jahren gängige Praxis. Zugleich werden die Bezeichnungen Bachelor und Master Professional den Unternehmen perspektivisch ihre Suche nach Fachkräften erleichtern, da sich hoffentlich mehr Personen dafür entscheiden, diesen wichtigen Abschluss zu erlangen.

Die Einführung von Bachelor und Master Professional ist ein mutiger Schritt der Politik und wird durchaus kontrovers diskutiert. Der Bundestag, der die neuen Begriffe bereits beschlossen hat, ist manchen Sorgen entgegengekommen: So sollen die bisherigen Abschlussbezeichnungen zusätzlich zu den neuen Gattungsbegriffen erhalten bleiben können.

Dafür reicht es aus, wenn das gemeinsam unter den Partnern aus Wirtschaft, Gewerkschaften und Ministerien so festgelegt wird. Diesem Kompromiss wird hoffentlich auch der Bundesrat zustimmen. Dann ist der Weg frei, die in Sonntagsreden immer wieder beschworene Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung auch im Alltag endlich wahrnehmbar zu machen. Der Fachkräftesicherung der Wirtschaft wird das zugutekommen."

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Porträtfoto Gordon Schenk
Dr. Gordon Schenk Referatsleiter Kaufmännische Weiterbildung