Pfadnavigation

Schärfere EU-Klimaschutzziele noch keine Wachstumsstrategie für Unternehmen

DIHK vermisst praktikable Antworten für bevorstehende Mammutaufgaben
Flugzeug über Solarfarm mit Windrädern

Nur mit ausreichend Strom aus erneuerbaren Quellen kann die Energiewende erfolgreich sein

© chinaface / E+ / Getty Images

Das Interesse der deutschen Wirtschaft an einer erfolgreichen europäischen und internationalen Klimapolitik hat der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks betont. Umzusetzen seien die Klimaschutzziele aber nur, wenn auch die notwendigen Rahmenbedingungen stimmten.

"Gute Klimapolitik bietet für den Standort Deutschland wirtschaftliche Chancen", so Dercks. Allerdings sei die am 16. September von der EU-Kommission auf den Weg gebrachte Verschärfung der Klimaschutzziele leider noch keine Wachstumsstrategie für Unternehmen. "Denn während die Ziele zügig angehoben werden, bleibt bei den notwendigen Rahmenbedingungen auf dem Weg hin zur Klimaneutralität noch vieles Wunschdenken."

Viel bezahlbare, klimafreundliche Energie benötigt

Durch die Zielanpassung müssten nun Betriebe in Deutschland absehbar mit viel höheren CO2-Kosten und strengeren Vorgaben rechnen, gibt der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer zu bedenken. "Umso mehr brauchen die Unternehmen große Mengen bezahlbarer und klimafreundlicher Energie wie erneuerbaren Strom und CO2-armen Wasserstoff." Zudem benötigten die durch die Coronavirus-Pandemie gebeutelten Betriebe zuvor die finanziellen Spielräume für die für den Umstieg erforderlichen Investitionen in neue Technologien und Verfahren. "Für diese Mammutaufgaben gibt es bislang zu wenige praktikable Antworten."

Wie die Wettbewerbsnachteile für die Exportwirtschaft ausgeglichen werden, bleibt unklar

Auch beim Schutz vor internationalen Wettbewerbsverzerrungen erfüllt der Plan der Kommission nach Einschätzung von Dercks die Erwartungen der Wirtschaft nicht. "Der als Lösungsansatz vorgestellte CO2-Grenzausgleich wirft weiterhin viele Fragen auf und würde allenfalls einigen wenigen Branchen der Industrie einen fairen Wettbewerb ermöglichen."

Doch die höheren CO2-Kosten, die außerhalb Europas in viel geringerem Maße anfielen, stellten weitaus mehr energieintensive Unternehmen vor große Herausforderungen, berichtet der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer. Unklar bleibe darüber hinaus, wie die Wettbewerbsnachteile für die Exportwirtschaft ausgeglichen werden könnten. "Solange hier nicht entschieden nachgesteuert wird, birgt Europas Alleingang ernstzunehmende Risiken im internationalen Wettbewerb."

Der Plan der Kommission, die CO2-Vermeidung allein innerhalb der EU anzustreben, sei angesichts der globalen Herausforderung ein zu enger Ansatz. "Zielführender wäre es, zusätzlich Klimaschutzprojekte im Ausland zu realisieren, um zugleich den Klimaschutz weltweit voranzubringen."

Kontakt

Porträtfoto Julian Schorpp
Julian Schorpp Referatsleiter Europäische Energie- und Klimapolitik

Kontakt

Avatar weiblich
Franziska Stavenhagen Pressesprecherin