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Schweitzer: "Jeder zehnte Mittelständler durch Corona-Krise von Insolvenz bedroht"

Reise- und Gastgewerbe sind besonders betroffen
Geschlossener Laden

Geschlossene Ladenlokale sind derzeit ein vertrauter Anblick

© Joe_Potato / iStock / Getty Images Plus

Die Soforthilfen für kleine und mittelständische Unternehmen sind beschlossen. Tausende Anträge gehen bei den zuständigen Stellen ein. Doch die Sorgen vieler Unternehmerinnen und Unternehmer sind groß, dass diese Unterstützung nicht ausreicht. Auch DIHK-Präsident Schweitzer sieht Lücken im Hilfspaket – vor allem für den Mittelstand.

Der jüngsten DIHK-Umfrage unter 15.000 Unternehmen aller Größenklassen zufolge sieht sich fast jeder fünfte Betrieb von der Insolvenz bedroht; und sogar im eigentlich besonders robusten Mittelstand gilt das nach einer noch nicht veröffentlichten Sonderauswertung noch für jedes zehnte Unternehmen.

Vor allem das Reise- und Gastgewerbe sei in Gefahr, berichtet Schweitzer: "40 Prozent der überwiegend mittelständisch geprägten Betriebe droht akut eine Insolvenz."

Als "besorgniserregend" bewertet der DIHK-Präsident dabei "nicht nur die absolute Zahl der befürchteten Pleiten, sondern die rasante Zunahme der konkreten Insolvenzsorgen innerhalb von nicht einmal drei Wochen".

DIHK-Präsident warnt vor Kreditklemme

Trotz der staatlichen Bürgschaft in Höhe von bis zu 90 Prozent könnten nach seiner Einschätzung viele Unternehmen im üblichen Prüfverfahren der Banken als nicht kreditwürdig erscheinen. Eric Schweitzer berichtet von ernüchternden Erfahrungen der Mittelständler bei Krisengesprächen mit ihren Banken: "Meine Befürchtung ist, dass trotz der 80 beziehungsweise 90 Prozent Bürgschaft durch den Staat viele Unternehmen wegen der Krise durch die sogenannte bankübliche Prüfung fallen."

Denn: "Bei einem Shutdown mit vollständigem Umsatzverlust gibt es nach herkömmlicher Prüfung keine Kreditwürdigkeit – und das gilt selbst dann, wenn das Unternehmen eigentlich kerngesund ist."

"Die bisherigen Erleichterungen durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im Hinblick auf Bonitätsanforderung und Liquiditätsprüfung reichen gerade bei von der Krise besonders betroffenen Unternehmen nicht aus", so Schweitzer weiter. Der DIHK hatte zuvor eine vollständige Übernahme der Kreditrisiken durch den Bund gefordert.

Schnelle und unbürokratische Hilfe ist dringend nötig

Für die von Schließungen und Stornierungen betroffenen Unternehmen sei aktuell das Wichtigste, dass die versprochenen und inzwischen beschlossenen Hilfen schnell bei ihnen ankommen, mahnt der DIHK-Präsident: "Mit diesen Soforthilfen, Kurzarbeit und Überbrückungshilfen geht es darum, eigentlich gesunde Unternehmen diese akute Stillstandphase ohne Pleite überleben zu lassen."

Er betont jedoch, dass die Soforthilfen kein Ersatz für entgangene Gewinne und auch keine tragfähige Dauerlösung seien – weder in Deutschland noch anderswo in der Welt.

Exit-Strategie erst der nächste Schritt

"Wir müssen aktuell auch in der Wirtschaft auf Sicht fahren, denn die Corona-Pandemie bedroht auch die Wirtschaft", kommentiert der DIHK-Präsident die Überlegungen zu einer Exit-Strategie aus den Einschränkungen im öffentlichen Raum: "Ich hoffe, dass die aktuellen Beschränkungen die notwendige Wirkung zeigen und Bremseffekte bei den Infektionen eintreten. Dann können wir über die nächsten Schritte entscheiden, was auch für die Wirtschaft wichtig ist."

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Melanie Vogelbach Bereichsleiterin Internationale Wirtschaftspolitik, Außenwirtschaftsrecht

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