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Wansleben: Reise- und Gastgewerbe existenziell bedroht

Gutschein-Lösung richtig, um Zahlungsverpflichtungen zu strecken
leere Hotelbar

Ohne Einnahmen halten viele Betriebe nicht lange durch

© sl-f / iStock / Getty Images Plus

Die Corona-Pandemie bedroht das Reise- und Gastgewerbe in Deutschland existenziell. Das ermittelte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in einer neuen Sonderauswertung seiner Blitzumfrage zu den Auswirkungen des Virus auf die Wirtschaft.

Danach sehen sich rund 40 Prozent der Betriebe akut von Insolvenz bedroht. "Wenn Restaurants schließen, Hotelzimmer storniert oder Reisen ganz abgesagt werden müssen, fällt der Umsatz vieler Unternehmen über Nacht gegen null, obwohl Mieten und Gehälter weiter bezahlt werden müssen", erklärt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben die wirtschaftliche Abwärtsspirale vieler Betriebe.

Es sei deshalb richtig, dass die Bundesregierung den betroffenen Unternehmen jetzt mit der Gutschein-Lösung entgegenkomme, um deren Zahlungsverpflichtungen entsprechend zu strecken. Insbesondere Reisebüros und Veranstalter befänden sich, so Wansleben, aktuell "in einer gefährlichen Zwickmühle", weil sie einerseits stornierte Urlaube rückerstatten müssten und gleichzeitig selbst auf vorgeschossenen Kosten sitzen blieben.

Um die Existenz und damit die Zahlungsfähigkeit dieser so betroffenen Betriebe zu erhalten, hat die Bundesregierung einen Vorschlag erarbeitet, der nun im Bundestag beraten und mit der EU-Kommission abgestimmt werden soll. Danach könnten Reiseveranstalter pandemiebedingt "vorübergehend und rückwirkend" für vor dem 8.März 2020 gebuchte Reisen das Recht erhalten, ihren Kundinnen und Kunden statt der Rückerstattung des Reisepreises zunächst einen Reisegutschein zu übermitteln. Kunden dürfen das dem Regierungsvorschlag zufolge im Härtefall ablehnen, insbesondere wenn die so ausgesetzte Rückzahlung zu einer "Gefährdung des angemessenen Lebensunterhalts"  führen würde.

Mit dem Gutschein soll der Rückzahlungsanspruch des Kunden nicht grundsätzlich entfallen, sondern nur gestundet werden. Der Reisegutschein verliert nach den Plänen der Bundesregierung spätestens am 31. Dezember 2021 seine Gültigkeit. Das bedeutet: Löst die oder der Reisende den Reisegutschein bis dahin nicht ein, muss ihm der Reiseveranstalter den Wert des Reisegutscheins innerhalb von 14 Tagen erstatten. Falls der Reiseveranstalter in der Zwischenzeit Insolvenz anmelden muss, soll der Rückzahlungsanspruch der Kunden über einen staatlichen Ausfallfonds abgesichert werden. 

Den Zahlen der DIHK-Umfrage zufolge beklagen 91 Prozent der Unternehmen im Gastgewerbe und 82 Prozent in der Reisewirtschaft einen kompletten Stillstand aller geschäftlichen Tätigkeiten – in der Gesamtwirtschaft sind es 43 Prozent. Auch die Umsätze leiden in den betroffenen Branchen besonders stark: In der Reisewirtschaft verzeichnen 71 Prozent der Betriebe einen Umsatzrückgang um mehr als 50 Prozent. Im Gastgewerbe sind es 54 Prozent der Unternehmen.

"Diese Zahlen sind erschreckend, denn sie zeigen, dass die bisherigen Soforthilfen und Kreditprogramme gerade dort und im Mittelstand schnell ankommen müssen", betont der DIHK-Hauptgeschäftsführer.

Geschehe dies nicht, seien auch Arbeitsplätze in Gefahr. Etwa zwei Drittel der Betriebe im Reise- und Gastgewerbe könnten wegen fehlender Aufträge aktuell Mitarbeiter nicht mehr wie bislang beschäftigen und müssten dementsprechend ihre Beschäftigungspläne nach unten korrigieren. "Nicht zuletzt der rasante Anstieg der Kurzarbeit ist Ausdruck dieser Entwicklung", erklärt Wansleben.

Sie finden die Blitzumfrage und die Sonderauswertung hier zum Download:

Auswirkungen des Coronavirus auf die deutsche Wirtschaft (PDF, 264 KB)

Sonderauswertung Corona-Krise im Reise- und Gastgewerbe (PDF, 628 KB)

Porträtbild Dirk Binding, Bereichsleiter Dienstleistungen | Infrastruktur | Regionalpolitik

Dirk Binding, Bereichsleiter Dienstleistungen | Infrastruktur | Regionalpolitik

© DIHK / Paul Aidan Perry

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